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Der Preis der Mobilität
Mobilität hat ihren Preis. Der wurde jetzt zum ersten Mal beziffert.

Der Preis der Mobilität

Pierre Matgé
Mobilität hat ihren Preis. Der wurde jetzt zum ersten Mal beziffert.
Lokales 2 Min. 05.07.2018

Der Preis der Mobilität

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Das starke Wirtschaftswachstum sorgt in Luxemburg für Mobilitätsprobleme. Eine neue Kosten-Nutzung-Analyse soll den Entscheidern helfen.

Es zieht sich wie ein roter Faden durch François Bauschs Verkehrspolitik: Die emotional stark aufgeladene Thematik Auto, Verkehr und öffentlicher Transport soll möglichst durch Fakten versachlicht werden. Ist die Debatte dann auf einer rationalen Ebene geführt worden, lassen sich auch Entscheidungen besser erklären. Genau zu diesem Zweck hat das Nachhaltigkeitsministerium jetzt eine Studie bestellt, die eine präzise Kosten-Nutzung-Analyse von verkehrstechnischen Projekten erstellt.

Jede Menge Daten

Gefüttert mit einer Unmenge an Daten wie Gehältern, Unfallkosten, Umweltbilanz, Wohnungspreise oder noch Lärmbelastung soll das Modell Antworten auf Grundsatzfragen der Mobilität geben: Soll man eine Straße ausbauen oder doch besser den Takt der Busverbindung erhöhen, wird eine zusätzliche Eisenbahnlinie teurer als eine zusätzliche Autobahnspur? Übersteigen die Kosten den Nutzen oder gibt es interessantere Alternativprojekte?

„Für uns war es wichtig, dass die Modellierung auf einem objektiven Input beruht und die Diskussion dann sachlich und fachlich ablaufen kann“, so Nachhaltigkeitsminister François Bausch. Dabei wurden sämtliche Auswirkungen eines solchen Projektes erfasst, sowohl was den Impakt auf die Wirtschaft als auch auf Gesellschaft und Umwelt betrifft. Das Schweizer Büro Ecoplan hat die Daten nun vorgelegt und eine Software erarbeitet, die ab Ende 2018 eingesetzt werden kann. „Die künftige Regierung wird dann über ein sehr nützliches Planungsinstrument verfügen, mit dem schon in der Anfangsphase geklärt werden kann, ob ein Mobilitätsprojekt überhaupt sinnvoll ist.“

Erste Transportrechnung

Zugleich hat das Büro zum ersten Mal eine komplette Transportrechnung für Luxemburg erstellt. Diese Analyse, welche in der Schweiz bereits seit einigen Jahren durchgeführt wird, gibt einen Überblick über die gesamten Kosten des Straßen- und Schienenverkehrs im Jahr 2016. Zudem wird aufgezeigt, von wem diese Kosten letztlich getragen werden. In Betracht gezogen wurden Infrastrukturkosten, Verkehrsmittelkosten, Unfall- und Umweltkosten. Insgesamt zeigt sich, dass der Straßenverkehr mit 6,2 Milliarden Euro das zwölf mal mehr Kosten verursacht als der Schienenverkehr (398 Millionen Euro).

Beim Individualverkehr ist es zum größten Teil der Verkehrsnutzer selbst, der die Kosten wie Treibstoffsteuern oder Kraftfahrzeugsteuer trägt. Ganz anders sieht es hingegen beim öffentlichen Transport aus: Dort trägt der Staat praktisch die gesamten Kosten, für den Benutzer erfallen nur die Preise für die Fahrkarten. Betrachtet man nun die Kostendeckung, so schneiden Auto und Motorrad verhältnismäßig gut ab. Wegen der öffentlichen Bezuschussung sind Bahn und Bus im Kostendeckungsvergleich dementsprechend schlechter gestellt.

Ein höherer Benutzungsgrad und höhere Preise würden hier den Kostendeckungsgrad verbessern. Am ökonomisch sinnvollsten ist aber die Förderung der aktiven Mobilität der Radfahrer und Fußgänger. "Man darf nicht vergessen, dass der Kostendeckungsgrad nichts darüber aussagt, welches Verkehrsmittel am besten dazu geeignet ist ein Mobilitätsproblem zu lösen", so Bausch.

Mit Vorurteilen aufgeräumt

Zugleich wies Bausch darauf hin, dass die Studie mit zwei Vorurteilen aufräume: „Die Autofahrer sind dieser Studie zufolge alles andere als die Milchkühe der Nation. Und ein Gratis-Angebot macht den öffentlichen Transport nicht unbedingt attraktiver“, so Bausch mit Verweis auf die Schweiz die trotz höherer Preise eine höhere Nutzung aufzeigen könne.


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