Der neue Look der Polizei

„Klasse, aber mit herben handwerklichen Fehlern“

(str) - „Das ,Rebranding‘ ist nicht der Abschluss einer Reform, sondern ein Startschuss für deren Umsetzung“, unterstrich Polizeigeneraldirektor Philippe Schrantz am Dienstag bei der Vorstellung der neuen visuellen Identität der Sicherheitskräfte.

Es handele sich nicht nur um ein neues Logo, sondern um ein ganzes Konzept, wie die Polizei sich selbst sehe. Die Polizei verändere sich und das solle auch nach außen hin sichtbar sein. „Es gibt ganz klar eine Kontinuität, aber es ist auch der Schritt zu mehr Modernität“, so Schrantz.

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Der Minister für Innere Sicherheit, Etienne Schneider, hob zudem hervor, dass der Einsatz der Luxemburger Sprache, sowohl bei der Bezeichnung „Police Lëtzebuerg“ wie auch beim Leitsatz „Zesumme fir Iech“, untermauere, dass die Polizei dem Bürger nach der Reform viel näher sei.

„Nichts behördlich Bedrohendes“

Ob diese Botschaft auch ankommt, wird sich zeigen. Positiv überrascht zeigte sich am Dienstag  kurz nach der Vorstellung des „Rebrandings“ der „Art Director“ des „Luxemburger Wort“, Eberhard Wolf: „Die neue Webseite finde ich richtig klasse“, fängt der Experte für „Corporate identity“ an. „Das ist freundlich, modern und aufgeräumt. Von der Anmutung hat das gar nichts mehr mit einem staubigen Polizeiauftritt zu tun. Die Farben und der Umgang mit dem Weiß, das hat nichts behördlich Bedrohendes.“

Eberhard Wolf, der Art Director des „Luxemburger Wort”, ist den Änderungen gegenüber aufgeschlossen, erkennt aber auch die Schwächen.
Eberhard Wolf, der Art Director des „Luxemburger Wort”, ist den Änderungen gegenüber aufgeschlossen, erkennt aber auch die Schwächen.
Foto: Guy Wolff

Ein Problem springt Eberhard Wolf allerdings gleich ins Auge: „Was ist, wenn ich als fremdsprachiger Benutzer auf die Seite komme? Beim ersten Suchen habe ich keinen Button gefunden, wo ich verschiedene Sprachen wählen kann. Im Verlauf ist der Auftritt aber mehrsprachig. Das ist ein bisschen ein Luxemburger Problem. Man kann sich nicht für eine Sprache entscheiden. Wenn man diese Mehrsprachigkeit hat, dann muss die auch beim Webauftritt erkennbar sein.“

„Herber handwerklicher Fehler“

Von einem „herben handwerklichen Fehler“ spricht Eberhard Wolf dann aber im Zusammenhang mit dem neuen Aussehen der Polizeiautos. „Da ist dieser rote Balken auf beiden Seiten. Vorausgesetzt, dass nicht jeder Mensch Farblicht sehen kann und sich die Farben in bestimmten Lichtverhältnissen ändern, ist die Schrift ,Police‘ in dem roten Balken unter Umständen schwer zu erkennen. Da lese ich nur ,Pol‘ oder ,ice‘.“

Das zweite Problem habe auch die deutsche Bundesbahn schon gehabt. „Um die Buchstaben wurde eine weiße Konturlinie gezeichnet, weil ihnen das erstgenannte Problem der Lesbarkeit durchaus bewusst war“, führt der Experte aus. „Das ist in der Produktion relativ aufwendig, die Folien so zu schneiden, dass stets die gleichen Abstände bewahrt werden. Die Bahn hat, als sie auf diese Konturlinien verzichtete, jedes Jahr mehr als zwei oder drei Millionen Euro an Produktionskosten gespart.“

„Aufmerksamkeit verschenkt”

Aber auch ein dritter Punkt sei nicht beachtet worden: „Es gibt in der visuellen Kommunikation eine Farbkombination, die für alle Menschen einen Warnhinweis hat. Das sind mehrere schräge Balken nebeneinander. Das ist so eine Warnbake, wie man sie im Straßenverkehr kennt. Da wird jetzt meiner Meinung nach etwas an Aufmerksamkeit verschenkt.“

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„Klasse“ findet der Experte hingegen das bewusste Integrieren der luxemburgischen Sprache in ein offizielles Logo. „Das sorgt vielleicht auch für eine andere, vielleicht auch intensivere Form der Identifikation“, meint er. „Das Logo mit dem Löwen und die stilisierte Luxemburger Flagge finde ich auch super. Das findet sich auch in dem nationalen Marketing ,Let's make it happen‘ wieder.“ 

„Let's make it happen”?

Besonders gelungen findet der LW-Experte auch die Integration der Nationalfarben in die offiziellen Dokumente, Plakate und Schilder. „Diese roten und blauen Ecken nehmen wieder die ,Corporate identity‘ des ,Nation branding‘ auf.“ Aber genau das könne irgendwann zum Problem werden: „Was ist, wenn dieses ,Let's make it happen‘ in vier oder fünf Jahren nicht mehr modern ist? Es gibt eine These bei der Unternehmensidentität, die besagt, dass man sich ein bisschen von zu modischen Strömungen fernhalten und gegen den Trend arbeiten sollte.“

 Was ist, wenn dieses ,Let's make it happen‘ in vier oder fünf Jahren nicht mehr modern ist?

Aber der Gesamteindruck sei stimmig: sehr modern, sehr offen, sehr ordentlich, sehr freundlich. „Es hat ein bisschen etwas von einem modernen Unternehmen. Wenn das dann auch so ist, dann ist das super gemacht. Ob die Form alterungsfähig ist, muss abgewartet werden“, bekräftigt Wolf.

Extra-Bonus für Polizeimütze

Einen Aspekt beim „Rebranding“ hat Eberhard Wolf übrigens ganz besonders ins Herz geschlossen: „Dass die offensichtlich sehr spezielle Form der Polizeimütze beibehalten wurde. In Deutschland hat man angefangen, diese Polizeikappen durch ein amerikanisches Modell auszutauschen. Das sieht dann immer so aus wie amerikanische Sheriffs für Arme. Dass in Luxemburg die Tradition beibehalten wurde, ist auch eine Frage von nationaler Identität. Ein Polizist ist auch ein Teil eines normalen Straßenbildes. Stellen Sie sich doch mal Carabinieri in einer bundesdeutschen Polizeiuniform vor. Das wäre unmöglich.“

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