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Der Luxemburger Drogenhandel im Wandel

Der Luxemburger Drogenhandel im Wandel

Der Luxemburger Drogenhandel im Wandel

Der Luxemburger Drogenhandel im Wandel


von Steve REMESCH/ 26.03.2021

Foto: Steve Remesch / LW-Archiv

Die offene Drogenszene etwa im Bahnhofsviertel, über die viel diskutiert und polemisiert wird, ist nur ein kleiner Teil des Problems. Der größte Teil des Drogenhandels wird im Verborgenen betrieben, von Ortsansässigen, die über die nötigen Mittel für Mobilität und sichere Kommunikation verfügen. Doch auch bei den Banden gibt es Verschiebungen.

Die alljährlichen Polizeistatistiken sollen der Öffentlichkeit einen Einblick in die Arbeit der Sicherheitskräfte erlauben. Doch Zahlen sind trockene Theorie, immer abstrakt und die Erfassung sagt nichts über Dunkelziffer und tatsächliche Entwicklungen aus. 

Um dennoch einen Eindruck davon zu vermitteln, wie die Arbeit der Polizei im Alltag aussieht, wurden bei der diesjährigen Vorstellung der Kriminalitätsstatistiken zwei Ermittler eingeladen, die sehr konkret von ihrer Arbeit erzählten und auch die Grenzen aufzeigten, an die sie alltäglich stoßen. 

Dabei standen zwei Schwerpunkte im Mittelpunkt: die Bekämpfung des Drogenhandels und der Einbruchskriminalität. 

Mit ihrer Kriminalitätsstatistik will die Polizei belegen, dass sie ihren Einsatz gegen den Drogenhandel nicht nur an Brennpunkten deutlich verstärkt hat.
Mit ihrer Kriminalitätsstatistik will die Polizei belegen, dass sie ihren Einsatz gegen den Drogenhandel nicht nur an Brennpunkten deutlich verstärkt hat.
Foto: Chris Karaba

„Drogenbekämpfung ist sehr vielfältig“, beginnt Jean-Louis Bordet, von der Abteilung für organisierte Kriminalität der Police judiciaire. „Und die Polizei ist nur ein Bestandteil dieses Kampfes. Doch wir führen ihn proaktiv und auf ganz verschiedenen Ebenen.“ 


Lokales, Anti-Terrorübung in der Rockhal, Polizei, Spezialeinheit, CGDIS, Esch/Alzette, Belval, Foto: Guy Wolff / Luxemburger Wort
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Wie aktiv die Polizei in diesem Bereich sei, würden die Statistiken deutlich zeigen. Schließlich würde in diesem Kontext ja kaum jemand Strafanzeige stellen. „Je mehr wir im Milieu wühlen, desto mehr Vergehen stellen wir fest“, erklärt Jean-Louis Bordet. 

Und die Zahlen zeigen deutlich nach oben: Im Jahr 2020 wurden 4.619 Straftaten im Drogenbereich festgestellt, 2019 waren es 4.238 und 2018 knapp 3.003. Die Zunahme sei der Beweis für mehr Polizeipräsenz auf der Straße, so Bordet. 

Gare, Esch, Ettelbrück und ein ganz neues Spielfeld 

Ziel sei es, den Druck auf die offene Drogenszene zu erhöhen – und die gebe es nicht nur im hauptstädtischen Bahnhofsviertel, sondern auch in Esch/Alzette – dort um den Bahnhof und im Brillviertel – sowie in Ettelbrück – hier vorrangig am Bahnhof. Die Nordstadt sei aber vom Umfang nicht mit Esch/Alzette oder der Hauptstadt vergleichbar. 

Neue Entwicklung im Dreiländereck zwischen Longwy, Rodange und Athus: „Wir haben festgestellt, dass es zu einem regelrechten Modus Operandi geworden ist, zwischen den Ländern zu kreisen“, erklärt Jean-Louis Bordet.
Neue Entwicklung im Dreiländereck zwischen Longwy, Rodange und Athus: „Wir haben festgestellt, dass es zu einem regelrechten Modus Operandi geworden ist, zwischen den Ländern zu kreisen“, erklärt Jean-Louis Bordet.
Foto: Chris Karaba

Ganz aktuell und für die Strafverfolgung immer interessanter werde auch ein anderer Hotspot: die Grenzregion zwischen Luxemburg, Belgien und Frankreich – sprich das Dreieck zwischen Longwy, Rodange und Athus. „Wir haben festgestellt, dass es zu einem regelrechten Modus Operandi geworden ist, zwischen den Ländern zu kreisen“, führt Kriminalpolizist Bordet aus. „Ziel der Täter ist es natürlich, uns die Arbeit so schwer wie nur möglich zu machen.“ 

Ein Beispiel: Ein Franzose lebt in Luxemburg und verkauft in Belgien Drogen. Ein vergleichbares Phänomen gebe es im Übrigen auch an der deutschen Grenze, etwa rund um Nennig. 

181 Drogenhändler festgenommen 

Die Zahlen offenbaren aber auch, dass die Kriminalpolizei wesentlich erfolgreicher dabei ist, Drogenbesitz und Konsum zu verfolgen, als den Handel mit Rauschgiften. 2020 wurden 2.329 Verfahren wegen Drogenbesitzes eingeleitet, 2.019 wegen Konsums und nur 181 wegen Drogenhandels. 

Aber auch dafür hat die Kriminalpolizei eine Erklärung: Der Aufwand, einen Drogendealer festzunehmen, ist nun mal wesentlich größer. 

Wir führen derzeit 76 Ermittlungen gegen rund 150 Zielpersonen.

Jean-Louis Bordet, Police judiciaire

Als im vergangenen November 15 Tatverdächtige einer mutmaßlich organisierten Bande im Süden des Landes festgenommen wurden, seien dem beispielsweise zwei Jahre lange Ermittlungen vorausgegangen, betont Jean-Louis Bordet. 


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Und nach der Festnahme würden voraussichtlich noch während einem Jahr Folgeermittlungen anstehen – Vollzeitbeschäftigung für sechs Drogenfahnder.   

„Derzeit laufen 76 größere Ermittlungen“, erklärt Bordet. „Diese betreffen 150 Zielpersonen. Um eine solche Untersuchung zu führen, braucht es üblicherweise zwei bis drei Monate, bis es zum Zugriff kommen kann. 

Drogenhandel, Handel fernab der Brennpunkte

Die Tendenz beim Drogenhandel sei recht eindeutig: Die meisten Dealer, die man ins Visier genommen habe, würden im Land leben und eine gleichbleibende Klientel bedienen. Meistens würden die Verkäufer auf eigene Faust agieren, manchmal auch in kleineren Gruppen von drei bis fünf Personen, meint Bordet und spricht dabei von der anderen Drogenszene – der, die nicht gut sichtbar um das Bahnhofsviertel agiert, sondern im Verborgenen. 


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In diesem weit diskreteren Umfeld sei es zunehmend so, dass Konsumenten den eigenen Bedarf durch Drogenhandel finanzieren würden und später erst darüber hinaus Geld verdienen wollen.

Für die Polizei wird dabei die zunehmende Mobilität der Drogenhändler immer mehr zur Herausforderung, genau wie auch die Tatsache, dass sich diese Täter immer mehr über verschlüsselte Kommunikationswege organisieren. 

Dem gegenüber stehe die offene Szene, in der der Drogenmarkt zwar stets umkämpft sei, aber auch klar eingeteilt. Die offene Szene ist, wie Kriminalermittler Bordet in aller Deutlichkeit unterstreicht, aber nur ein kleiner Teil der Drogenproblematik. 

Klare Verhältnisse in der offenen Drogenszene 

Hier seien derzeit mehrere verschiedene Tätergruppen am Werk. „Im hauptstädtischen Bahnhofsviertel sind es vorrangig Westafrikaner, spezifisch Nigerianer“, erläutert Bordet. Diese Gruppierung sei vorrangig auf den Kokainhandel spezialisiert. Eine weitere Gruppe aus Guinea-Bissau decke die Luxemburger Nachfrage nach Heroin ab. 


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„Die absolute Mehrheit dieser Täter lebt in Frankreich – vom ersten Ort hinter der Grenze bis hin nach Metz“, fährt Jean-Louis Bordet fort. „Zu 98 Prozent leben sie dort in staatlichen Gemeinschaftsunterkünften, weil sie in Frankreich einen Antrag auf Asyl gestellt haben. Vorrangig seien sie über Italien eingereist, zum Teil aber auch über Griechenland.“ 

Keine klassische organisierte Kriminalität 

Diese Tätergruppen würden nicht so funktionieren, wie man sich das gewöhnlich wohl vorstelle, meint Bordet weiter. Es sei keine organisierte Kriminalität im klassischen Sinn. „Die Dealer funktionieren quasi als Ich-AG“, erklärt der Spezialist die Organisation hinter dem illegalen Handel. 


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„Das heißt, der Mensch, der es von Italien bis nach Frankreich schafft, der erhält dann täglich ein Set mit rund 20 Kugeln Drogen, und wenn er diese verkauft hat, erhält er 100 Euro als Bezahlung. Dazu gibt man ihm ein regelrechtes Starter-Kit mit beispielsweise einem Telefon und so weiter. Aber die einzelnen Verkäufer müssen nicht unbedingt zusammenarbeiten“, betont Jean-Louis Bordet. 

Dieses System von Mini-Unternehmern mache es den Drogenfahndern sehr schwer, um zu gerichtlich verwertbaren Ermittlungsergebnissen zu kommen.

Aggressivere Gruppe drängt weiter vor 

Es gebe aber auch noch einen zweiten Typus von klassischen Drogendealern. Dabei handele es sich um Menschen nordafrikanischer Herkunft, unter denen Algerier die Mehrheit stellen würden. Diese Gruppierung sei eher in der hauptstädtischen Route de Thionville, um das Drogenbetreuungszentrum Abrigado, aktiv. 

„Allerdings müssen wir feststellen, dass sie auch versuchen, ihre Aktivitäten ins Bahnhofsviertel auszudehnen“, unterstreicht Jean-Louis Bordet. „Diese Gruppe bereitet uns ebenfalls Sorgen im Kontext der Kleinkriminalität. Sie sind auch etwas gewaltbereiter, was wir von den Westafrikanern nicht so kennen.“ 

Herkunftsländer weigern sich derzeit, Straftäter aufzunehmen.

Jean-Louis Bordet

Auch die Angehörigen dieser Kategorie von Drogendealern befinden sich in den allermeisten Fällen in einem französischen Asylverfahren. „Beiden ist gemeinsam, dass es für sie zu diesem Zeitpunkt keine Perspektive für eine Rückführung gibt“, sagt Jean-Louis Bordet. „Das ist eine Folge der aktuellen sanitären Situation. Obwohl sich diese Menschen illegal in Luxemburg aufhalten, sind uns die Hände gebunden, weil ihre Herkunftsländer die Aufnahme verweigern.“ 

Es würde also nur noch die Möglichkeit geben, sie wegen Drogenhandels zu inhaftieren. Doch das gestalte sich als schwierig, denn die Betroffenen seien in den allermeisten Fällen nur Kleinstdealer. Wenn sie erwischt würden, dann nur im Besitz von einer oder zwei Portionen Drogen. Effiziente Strafmaßnahmen seien demnach schwierig zu erreichen. 

Doch viele kleine Portionen ergeben eine beeindruckende Gesamtmenge: In Luxemburg haben Polizei und Zoll im vergangenen Jahr zehn Kilogramm Kokain sichergestellt, dazu 1,1 Kilogramm Heroin, 40.000 Ecstasy-Pillen, 3,5 Kilogramm Haschisch und insgesamt 83 Kilogramm Marihuana. 

Einbrecher schlagen vor allem Freitags und Samstags zu und vorrangig in der Abenddämmerung.
Einbrecher schlagen vor allem Freitags und Samstags zu und vorrangig in der Abenddämmerung.
Foto: Shutterstock

23 Prozent weniger Einbrüche

Pandemie-Einschränkungen leisten Beitrag zu Rückgang

Einbrecher meiden in den allermeisten Fällen Probleme. Und für sie problematisch ist beispielsweise die Anwesenheit von Bewohnern. Das zeigte sich insbesondere im vergangenen Frühjahr, als wegen des Lockdowns wesentlich mehr Menschen zu Hause blieben als sonst. 

Kam es im Jahr 2020 üblicherweise zu 80 bis 120 Einbrüchen monatlich, so waren es im März nur 62, im April 50 und im Mai 46. „Es gab einen beachtlichen Rückgang sowohl bei den Einbrüchen in bewohnte Häuser wie auch in unbewohnte Gebäude“, stellt, Marc Wagner, von der Abteilung Criminalité contre les biens der Kriminalpolizei fest. „Und natürlich ist dabei der Einfluss der Maßnahmen, die zur Pandemiebekämpfung ergriffen wurden, sehr wahrscheinlich.

1.638 Taten in bewohnten Häusern

Während die Einbrüche in Wohnungen und Häuser sehr deutlich zurückgingen, nahmen jene in Kellerräume zu. Die Zahl der Taten in bewohnten Häusern ging um 23,36 Prozent zurück, jene der Taten in unbewohnten Gebäuden um 12,19 Prozent. 1.638 Mal hatten Täter bewohnte Häuser im Visier, 562 Mal unbewohnte Gebäude. 

„Einbrecher suchen sich den einfachsten Weg", unterstreicht Marc Wagner.
„Einbrecher suchen sich den einfachsten Weg", unterstreicht Marc Wagner.
Foto: Chris Karaba

Auffällig ist, dass es an Freitagen und Samstagen deutlich häufiger zu Einbrüchen kommt, als an den anderen Wochentagen. Am häufigsten schlagen Einbrecher übrigens in der Abenddämmerung zu, hebt Marc Wagner hervor. 


Platzverweis wieder auf dem Tisch
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Auf Landesebene haben die Tendenzen der vergangenen Jahre weiter Bestand: Einbrecher schlagen vorrangig in dicht besiedeltem Gebiet und entlang der Hauptverkehrsachsen zu. Bevorzugt werden zudem Ziele in Grenznähe, die eine schnelle Flucht ermöglichen und die Polizeiarbeit erschweren, betont Marc Wagner. 

Einbrüche, bei denen die Täter gegenüber den Bewohnern gewalttätig wurden, gab es im vergangenen Jahr sieben. Fünf Fälle konnten dabei bereits aufgeklärt werden. In allen fünf Fällen gab es vor der Tat bereits eine Beziehung zwischen Tätern und Opfern. 

Einbrüche keine Fatalität 

Die verschiedenen Beratungsangebote der Polizei wahrzunehmen mache durchaus Sinn, erklärt Kriminalermittler Wagner. „Einbrecher suchen sich den einfachsten Weg. Wenn sie auf eine etwas robustere Tür stoßen oder einen Alarm auslösen, dann haben sie eher Tendenz, von ihrem Vorhaben abzulassen und sie suchen sich ein Haus, in das sie einfacher hineinkommen“, erklärt der Experte. Im Garten eine Leiter liegen zu lassen, sei natürlich eine Einladung für jeden Einbrecher. 

Unsere systematische Spurensicherung führt dazu, dass wir massiv Täter identifizieren können.

Marc Wagner, Police judiciaire

Zudem, gibt Marc Wagner zu bedenken, sollten die Bewohner nach einem Einbruch nicht durch das ganze Wohnhaus oder die Wohnung laufen. „An einem Tatort sichern wir systematisch Spuren – was im europäischen Vergleich absolut außerordentlich ist. Man muss wissen, dass diese Spuren über nationale und internationale Datenbanken massiv dazu führen, dass wir Täter identifizieren können“, betont er.

Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 390 Einbrüche aus der Zeitspanne von 2012 bis 2020 aufgeklärt. 78 Tatverdächtige wurden festgenommen und 153 mutmaßliche Täter identifiziert. 

Polizei auf Zeugen angewiesen 

Aber auch auf frischer Tat werden immer wieder Einbrecher gestellt. „Deshalb ist es wichtig, dass Sie sofort den Polizeinotruf in Kenntnis setzen, wenn Ihnen verdächtige Personen oder Fahrzeuge auffallen“, rät der erfahrene Kriminalermittler und unterstreicht: „Und es ist besser, einmal zu viel anzurufen, als einmal zu wenig.“ 

Die Täter würden indes immer waghalsiger und rücksichtloser werden, wenn es darum gehe, sich einer Verhaftung zu entziehen. „Wir müssen immer häufiger Verfolgungsfahrten abbrechen, weil das Risiko für Drittpersonen und auch für die Polizisten zu hoch wird“, bedauert Wagner. „Und bei der Suche nach Tätern hilft es natürlich auch nicht, wenn Fotos von unseren Zivilfahrzeugen in sozialen Netzwerken verbreitet werden.“ 

Eine Polizeistatistik im Schatten der Pandemie

Covid-19 hat im Jahr 2020 auch in den Polizeistatistiken teils deutliche Spuren hinterlassen. Und insbesondere der Lockdown hat in März, April und Mai die Zahl der Straftaten deutlich nach unten gedrückt. Dennoch gab es auf das ganze Jahr bezogen eine leichte Zunahme um 3,5 Prozent. 

Alles in allem wurde die Polizei mit 40.134 Straftaten befasst – wovon 55,5 Prozent in die Kategorie Infractions contre les biens fallen und die wird wiederum vorrangig von Eigentumsdelikten wie Diebstählen und Einbrüchen gespeist. 

Während die Zahl der Straftaten um 3,5 Prozent gestiegen ist, ist jene der Fälle, die diese Taten beinhalten, um 3,2 Prozent gesunken, erklärt der beigeordnete Polizeigeneraldirektor Donat Donven.
Während die Zahl der Straftaten um 3,5 Prozent gestiegen ist, ist jene der Fälle, die diese Taten beinhalten, um 3,2 Prozent gesunken, erklärt der beigeordnete Polizeigeneraldirektor Donat Donven.
Foto: Chris Karaba

Im vergangenen Jahr gab es 2.984 Einbruchstaten. Bei 573 gewaltsamen Diebstählen hatten es die Täter 153 Mal auf Mobiltelefone abgesehen. Außerdem gab es acht Raubüberfälle, davon zwei auf Tankstellen und sechs auf Geschäfte.

Zu einer deutliche Zunahme kam es indes bei den Diebstählen aus Fahrzeugen. Deren gab es 1 207. Und 230 Fahrzeuge wurden gleich ganz gestohlen, genau wie insgesamt 725 Fahrräder. Deren wurden gar ein Drittel mehr entwendet. 

Zwei Morde

Zwei Menschen kamen im Jahr 2020 in Luxemburg gewaltsam zu Tode – die Polizei spricht in beiden Fällen von Mord. 2.829 Menschen wurden durch Gewaltanwendung verletzt. Bei häuslicher Gewalt – und hier dürften Pandemie und Lockdown ebenfalls eine Rolle gespielt haben – gab es im vergangenen Jahr eine Zunahme von rund zehn Prozent: 943 Mal musste die Polizei einschreiten, 278 Mal wurde eine Wegweisung ausgesprochen. 

Wohl auch im Kontext der Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung anzusiedeln ist eine drastische Zunahme der Fälle von Beamtenbeleidigung um mehr als ein Drittel: 2020 wurden insgesamt 262 Fälle zu Protokoll genommen. 49 Mal kam es zu gewaltsamen Angriffen auf Polizisten. 

Konstant blieb indes die Zahl der neu eröffneten Verfahren wegen Sexualstraftaten. 2020 wurden 144 sexuelle Übergriffe angezeigt und 104 Vergewaltigungen. 1.670 Mal wurde wegen Drohungen ermittelt, 1.852 Mal wegen Diffamierung, übler Nachrede und Beleidigung. 


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