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Der „Hundeführerschein“ – ein Jahr danach
Lokales 3 Min. 07.08.2013 Aus unserem online-Archiv

Der „Hundeführerschein“ – ein Jahr danach

Als gefährlich eingestufte Hunderassen wie dieser Pitbull werden in Luxemburg auf einer Liste geführt.

Der „Hundeführerschein“ – ein Jahr danach

Als gefährlich eingestufte Hunderassen wie dieser Pitbull werden in Luxemburg auf einer Liste geführt.
Foto: Manon Kramp
Lokales 3 Min. 07.08.2013 Aus unserem online-Archiv

Der „Hundeführerschein“ – ein Jahr danach

Der gesetzlich vorgeschriebene "Hundeführerschein" macht seit gut einem Jahr die Haltung eines sogenannten Kampfhundes in Luxemburg ziemlich kostspielig. Ein Grund für manchen Besitzer, sich von seinem Liebling zu trennen.

(mk) – Der gesetzlich vorgeschriebene "Hundeführerschein" macht seit gut einem Jahr die Haltung eines sogenannten Kampfhundes in Luxemburg ziemlich kostspielig. Ein Grund für manchen Besitzer, sich von seinem Liebling zu trennen.

Seit dem 1. Juni 2008 ist das Gesetz in Kraft, das die Haltung gefährlicher Hunde regeln soll und anfangs für viel Polemik sorgte. Die Vereinigung der Kleintierärzte (LAK) zog am Mittwoch Bilanz und stellte einige Neuerungen für Hundehalter vor.

Aus dem Ausland wird öfters von Kindern berichtet, die von Kampfhunden angegriffen und regelrecht zerfleischt wurden. Auch in Luxemburg kam es schon mehrmals zu Bissattacken von gefährlichen Hunden. Um dem vorzubeugen, wurde kurzerhand ein Gesetz verabschiedet, das die Hundehalter dazu verpflichtet, ein Führungstraining in einer Hundeschule zu absolvieren, so dass sie ihre Hunde auch ohne Leine ausführen dürfen. Zu den betroffenen „Listenhunden“ gehören Mastiff, Staffordshire Bull Terrier, Amstaff, Pitbull, Tosa, Kreuzungen dieser Rassen, die zudem kastriert werden müssen, und Hunde, denen ein gefährliches Verhalten nachgewiesen wurde.

Die Theorie auf Deutsch und Französisch wird an jeweils zwei Samstagen à sechs Stunden in Luxemburg abgehalten. Insgesamt zwölf Tierärzte der LAK sichern das Kursangebot mit drei bis fünf Vertretern pro Kurs. Mit Themenbereichen wie „Kauf und Eignung eines Welpen“, „allgemeine Hundekunde“ oder „Spielverhalten und Lernfähigkeit“ würden die theoretischen Kurse ein breites Basiswissen vermitteln und sich somit an alle Hundebesitzer richten, erläuterte der Tierarzt René Fuchs vom LAK.

Eine teure Angelegenheit

Bei den bisherigen 14 Kursen hatten sich 183 Interessenten eingeschrieben. 155 Kandidaten traten zum Examen an und 151 schafften es auf Anhieb. Bei Scheitern erfolgt ein Nachgespräch. Wer keinen Schein erlangen kann, muss seinem Hund einen Maulkorb verpassen und ihn stets an der Leine führen. Zudem werden Polizei, Forst- und der Zollverwaltung in Kenntnis gesetzt.

„Die Einsicht der Halter ist gefordert“, betonte Albert Huberty, Direktor der Veterinärinspektion. Die Tierärzte könnten niemanden zwingen, sich an das Gesetz zu halten. Es werde demnach weiterhin eine Grauzone bestehen.

Als Ergänzung erfolgt das 24-stündige Training in einer der 22 anerkannten Hundeschulen, wo Gefahrensituationen durchgearbeitet und Wissen zu Hierarchie, Körpersprache sowie der Umgang in der Familie und der Öffentlichkeit eingeübt werden. Dieses absolvierten bereits 81 Hunde samt Besitzer.

Schlägt der Hundehalterkurs mit 250 Euro zu Buche, so kommen noch einmal zwischen 300 und 500 Euro für die Ausbildung in einer Hundeschule hinzu. Eine stolze Summe, die dazu führte, dass die Zahl der „Listenhunde“ in den Tierasylen anschwoll. Wer einen solchen Hund über ein Tierasyl adoptiert, darf sich übrigens gratis zum Hundeführerschein beim LAK einschreiben.

Chippflicht für alle Hunde ab dem 1. Januar 2010

Der 1. Januar 2010 gilt als Stichdatum ab dem alle Hunde zwecks Erkennung der Identität mit einem Chip ausgestattet und gegen Tollwut geimpft sein müssen. Hundebesitzer müssen zudem mit ein Attest des Tierarztes und dem Haftplichtbescheid ihres Versicherers bei der Gemeinde vorlegen, die Ihnen eine Empfangsbestätigung ausstellt. Bei gefährlich eingestuften Hunden ist diese mit B gekennzeichnet. Ihre Halter sind verpflichtet, einen „Hundeführerschein“ und den Teilnahmeschein des Hundes an einem Dressurtraining nachzuweisen.

Das Veterinäramt beklagte allerdings, dass sie keinen Hundehalter zur Einhaltung dieser Regelung zwingen könnten und sie auch keinen Zugang zu den Datenbanken der Gemeinden hätten, falls diese überhaupt vorhanden seien. Das Nichtbefolgen dieser Regelung wäre wohl strafbar, ob die Polizei Kontrollen vorgesehen hätte, sei aber nicht bekannt.

Genau wie die Zahl der Listenhunde, die auf 100 bis 200 geschätzt wird, liegen keine präzisen Daten zu der Anzahl an Hunde in Luxemburg vor. Laut LAK dürften es rund 35.000 sein. Die meisten Angriffe auf Menschen gehen nicht von fremden Hunden aus, sondern von den eigenen.

Anmeldungen für den „Hundeführerschein“ erfolgen per E-Mail: vetfuchs@pt.lu oder oder Fax: 72 73 48.