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Der Herr der Hühner
Lokales 4 Min. 28.11.2018

Der Herr der Hühner

Junglandwirt Luc Emering setzt erfolgreich auf Bio.

Der Herr der Hühner

Junglandwirt Luc Emering setzt erfolgreich auf Bio.
Guy Jallay
Lokales 4 Min. 28.11.2018

Der Herr der Hühner

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Als Junglandwirt des Jahres darf sich fortan Luc Emering aus Sprinkingen bezeichnen. Der Bio-Landwirt wurde vom deutschen Bauernverband für seine Kompetenz und seine Begeisterung ausgezeichnet.

Arbeitsam, pragmatisch und idealistisch, so präsentiert sich der Nachwuchslandwirt Luc Emering. Seine Wortwahl ist wohlüberlegt, seine Argumentation kristallklar. Der 22-jährige Biobauer hat soeben den deutschen CeresAward in der Kategorie Junglandwirt abgeräumt. Der Preis gilt im deutschsprachigen Raum als höchste landwirtschaftliche Auszeichnung, er steht unter der Schirmherrschaft des Deutschen Bauernverbandes. Emering hat den Preis selbst am 18. Oktober im Rahmen der Nacht der Landwirtschaft in Berlin abgeholt. Dort wurden seine Kompetenz, seine Begeisterung, sein Tatendrang und seine klaren Ziele gelobt.

Was anderes als Bauer sucht Frau

Der Junglandwirt ist denn auch nicht wenig stolz auf die Auszeichnung. „Es gibt Landwirte, die kommen wegen Formaten wie „Bauer sucht Frau“ zu fragwürdigem Ruhm und diffamieren so pauschal einen ganzen Berufsstand. Dann ist mir die Auszeichnung mit dem Ceres-Preis für meine Arbeit doch lieber.“ Wobei Emering betont, dass er den Preis nicht als persönliche Auszeichnung, sondern als Ansporn für die gesamte Landwirtschaft betrachtet. „Es geht hier nicht um den besten und schönsten Hof, sondern um nachhaltige Produktion“.


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Es ist nicht zum ersten Mal, dass der Landwirt aus Sprinkingen einen Preis einheimst. Bereits 2014 erhielt die Familie Emering den Bio-Agrarpreis für ihr 2013 gegründetes Unternehmen Dudel-Magie. Aber der Reihe nach. „Ich bin Landwirt in vierter Generation, nach meiner Première habe ich ein Studium in Agrarwirtschaft in Bingen begonnen. Und jetzt bin ich Teilhaber in der Vertriebsgesellschaft Dudel-Magie und bewirtschafte zusammen mit meiner Familie den Hof“, erklärt der Preisgewinner.

Von der Milch zur Nudel

2006 beschloss sein Vater, die Milchproduktion aufzugeben. Die Preise fluktuierten zu sehr, das Geschäft lohnte nicht mehr. Neben dem klassischen Ackerbau stieg Emering erst auf Biomilch um, dann beschloss er, ins Geschäft mit Biomasthühnchen einzusteigen. „Das war damals ganz neu und wir waren sozusagen Pioniere. Ziel war es von Anfang an, uns vom Großhandel abzusetzen und so viel wie möglich direkt an den Konsumenten zu verkaufen.“ Mittlerweile produziert Emering 36 000 Biohähnchen pro Jahr, viermal im Jahr wird geschlachtet. Rund die Hälfte davon wird als Schnitzel, Schenkel oder Pasta-Soßen an Feinkostläden und Restaurants sowie im eigenen Hofladen verkauft. Der Rest wird im Rahmen von Genossenschaften mit 25 belgischen Bioproduzenten verkauft.

„Wir brauchen diese Produktionssicherheit, um Großkunden wie Kantinen regelmäßig beliefern zu können“, erklärt Emering. Er bedauert, dass in Luxemburg keine komplette Bio-Verarbeitungsschiene für dieses Fleisch besteht. „Bei Rindfleisch wäre es noch möglich, aber bei Geflügel sind die notwendigen Quantitäten für eine rentable Schlachtung und Verarbeitung so hoch, dass dies nur in Belgien möglich ist.“ Geschlachtet wird deshalb im belgischen Bertrix.

Freilauf und Futter vom Feld

Natürlich gehen auch Biohühner den Weg aller Masthähnchen und werden irgendwann geschlachtet. Aber zumindest der Weg dorthin sieht in Sprinkingen doch eher unbeschwert aus: Die Hähnchen, männliche und weibliche, haben jeden Tag Auslauf auf der grünen Wiese. Im Gegensatz zur konventionellen Produktion werden sie nicht bereits nach 40 sondern erst nach 71 bis 80 Tagen Mästung geschlachtet. Das Futter kommt direkt von den hofeigenen Feldern: Getreide und Leguminosen wie Erbsen und Ackerbohnen sorgen für die Eiweißversorgung der Tiere.

Weil Diversität in der Landwirtschaft helfen kann, Engpässe zu überwinden, begannen die Emerings 2012 mit der Produktion von Bionudeln. „Wir setzten dabei auf Dinkel, der auf unseren Feldern wächst und verzichteten auf Gries, der aus Übersee importiert werden muss“, erklärt Emering. Der Clou: Emering benutzt ausschließlich Bio-Eier aus regionalen Betrieben, welche wegen ihrer abweichenden Größe nicht in den Handel durften und eigentlich entsorgt werden sollten.


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„Die Eier haben eine Top-Qualität und der Nachschub ist ausreichend. Wir tun also gewissermaßen auch etwas gegen die Lebensmittelverschwendung“. Über die Eigenmarke Dudel-Magie und über die Genossenschaft BIOG werden die fertigen Teigwaren schließlich verkauft. Ob man davon leben kann? „Bio ist eine Überzeugungssache, bei der es nicht vorrangig ums Geld geht, auch wenn es in unserem Falle klappt. Man muss damit zufrieden sein. Aber auch der Biomarkt ist nicht unendlich groß. Man muss dort investieren, wo der Markt ist. Ich sehe auch nicht, dass jeder Landwirt auf Bio umsteigen sollte. Für unser Modell hat es geklappt, für einen anders ausgerichteten Betrieb könnte es schwierig werden.“

Emering sieht sich zwar als Überzeugungstäter, trotzdem plädiert er für den Zusammenhalt der Landwirtschaft: „ Man sollte aufhören, Biobauern und konventionelle Landwirtschaft gegeneinander auszuspielen. Wir 2 000 Bauern, die noch verblieben sind, bilden eine Landwirtschaft. Dass die nachhaltiger werden muss, steht dabei außer Frage. Das sehen wir selbst ja jeden Tag. Aber dann muss auch die Vermarktungskette dahinter sich verändern.“

Industriell oder nachhaltig

Für Emering steht fest, dass es künftig nur noch zwei Arten von Landwirtschaft geben wird: Die nachhaltige und die industrielle. „Alles dazwischen wird wohl verschwinden“, meint Emering. Als zweite große Aufgabe müsste der Konsument wieder ins Boot zurückgeholt werden. Information und ein positives Image sind deshalb von Nöten. „Der Kunde muss wieder wissen, was landwirtschaftliche Produktion bedeutet. Die 20-Cent-Wurst auf dem 800-Euro-Grill, das kann es jedenfalls nicht sein.“ In diesem Sinne begrüßt Emering die aktuelle Ökowelle und das gestiegene Interesse an dem, was der Mensch isst. „Wenn der Kunde sich für das Essen interessiert und Qualität will, dann kann das uns nur recht sein. Und wenn er saubere Produktionsmethoden sieht, wird er auch bereit sein, etwas mehr Geld dafür auf den Tisch zu legen.“ Aber auch hier warnt Emering vor falschem Nationalismus: Ohne Großregion läuft in der Lebensmittelbranche überhaupt nichts mehr. Was zählt, sind nicht die Grenzen, sondern die regionale Produktion.


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