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Der helle Wahnsinn
Lokales 3 Min. 14.05.2018 Aus unserem online-Archiv

Der helle Wahnsinn

Der Blick zum Sternenzelt ist im immer dichter besiedelten Luxemburg längst nicht mehr überall von tiefer Finsternis geprägt.

Der helle Wahnsinn

Der Blick zum Sternenzelt ist im immer dichter besiedelten Luxemburg längst nicht mehr überall von tiefer Finsternis geprägt.
Foto: Pol Bourkel
Lokales 3 Min. 14.05.2018 Aus unserem online-Archiv

Der helle Wahnsinn

Ob angestrahlte Bauten oder grelle Scheinwerfer im Gewerbegebiet, ob Leuchtreklame oder Laternenlicht: Auch in Luxemburg wird die Nacht vielerorts zum Tag gemacht – mit teils ungesunden Folgen für Mensch und Tier. Im Naturpark Our sucht man nun Wege zurück ins Dunkel.

Lichtverschmutzung: Unter diesem Begriff versteht man gemeinhin die Aufhellung des nächtlichen Himmels durch künstliche Lichtquellen. Ein Phänomen, das auch im immer dichter besiedelten Luxemburg zusehends die natürliche Dunkelheit verdrängt und dabei – mal abgesehen vom Energieverbrauch – auch den Bio-Rhythmus und den Schlaf vieler Menschen und Tiere stört, ob merklich oder unbewusst.

Sensibilisierung als Schlüssel zum Erfolg

Seit dem vergangenen Jahr sucht der Naturpark Our im Rahmen des europäischen Interreg-Projekts Night Light im Austausch mit acht anderen Regionen Europas nach sinnvollen Maßnahmen zur Eindämmung der Lichtverschmutzung. In den kommenden Tagen wird nun ein internationales Expertenteam sich die ersten Schritte zur Erstellung eines regionalen Aktionsplans ansehen und eventuell weitere Vorschläge unterbreiten.


Keine guten Aussichten: nicht nur Hobbyastronomen beklagen sich über zu helle Nachthimmel.
Mehr Dunkelheit, bitte!
Dunkler Nachthimmel über Luxemburg ist zur Seltenheit geworden. Das Phänomen der Lichtverschmutzung stört Mensch und Tier, jetzt wurde zum ersten Mal eine wissenschaftliche Erhebung durchgeführt.

Ganz oben auf der Liste der Herausforderungen sieht der beim Naturpark zuständige Projektleiter Laurent Spithoven dabei die Sensibilisierung der Öffentlichkeit, deren Rückhalt als Basis jeglicher Bemühungen erscheint. „Die Botschaft an die Bürger soll keinesfalls lauten ,Wir schalten euch das Licht ab.‘ Nächtliche Beleuchtung ist ja nicht nur unter Sicherheitsaspekten unerlässlich, viele Menschen empfinden sie auch als ein Stück Lebensqualität und Atmosphäre. Es gilt vielmehr das Wissen um die Auswirkungen nächtlicher Beleuchtung zu schärfen, einen bewussteren Umgang mit Lichtquellen zu fördern und auch gemeinsam zu prüfen, wo man ihren Impakt gegebenenfalls senken kann“, erklärt Spithoven. Eine Reduzierung der Lichtemissionen heißt denn auch nicht unbedingt eine Lichtquelle gleich ganz abzuschalten.

„Abgesehen davon, dass vielleicht auch nicht der letzte Flecken noch nachts ausgeleuchtet werden muss, gilt es dabei vor allem Beleuchtungen zu verbessern, Licht zu bündeln oder gezielter zu lenken statt es nach allen Seiten streuend in den Nachthimmel strahlen zu lassen“, sagt Laurent Spithoven.

In einer ersten Phase soll nun zunächst eine Bestandsaufnahme der „hellsten“ Punkte in der Naturpark-Region erstellt werden sowie die Straßen- und die Beleuchtung öffentlicher Gebäude, Plätze und Objekte unter die Lupe genommen werden. In Zusammenarbeit mit Experten, Verwaltungen und Vereinigungen soll bis Ende 2019 dann ein Aktionsplan folgen, in den auch der zurzeit erarbeitete staatliche Leitfaden zur Bekämpfung der Lichtverschmutzung einfließen soll.

Weitere Gedanken kreisen um die Schaffung einer Art neutralen Lichtberatungsstelle für Bauherren oder Betriebe, etwa nach dem Muster der MyEnergy-Infopoints, um eine regional einheitliche Reglementierung für Stärke und Steuerung von Außenbeleuchtungen und Leuchtreklamen oder auch um kulturelle und naturpädagogische Veranstaltungen rund um das Thema Lichtverschmutzung und die Faszination eines noch echten Nachthimmels.

Gemeinden gehen mit dem Beispiel voran


Viel zu oft wird die Nacht zum Tage.
Zurück in die Dunkelheit
Bei Licht galt bisher die Faustregel: Je mehr, desto besser. Es vermittelt uns das Gefühl des Vertrauens und der Sicherheit und sorgt nachts für taghelle Straßen. Doch wie so oft trügt auch hier der Schein: Lichtverschmutzung wird zur Belastung für die natürliche Umwelt. Sie kommt mit der künstlich erhellten Nächten nur schwer zurecht.

Jenseits solcher Überlegungen gehen einige der Naturpark-Gemeinden inzwischen aber auch schon mit konkreten Schritten in die Offensive. Während die Gemeinde Clerf etwa zurzeit an einem Masterplan für ein verbessertes Beleuchtungskonzept im Abteistädtchen arbeitet, will die Gemeinde Pütscheid in Zusammenarbeit mit der Straßenbauverwaltung eine Vorreiterrolle bei der Optimierung der öffentlichen Straßenbeleuchtung einnehmen, wobei in der Ortschaft Gralingen nun verschiedene Laternentypen getestet werden.

Und auch im Park Hosingen, der Heimat des Naturparkzentrums, macht man sich derzeit Gedanken um ein verantwortungsbewussteres Beleuchtungskonzept. Klima- und Artenschutz beginnt eben auch für Naturparks mitunter vor der eigenen Haustür.


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