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Der Ex-Premier im Zeugenstand
Lokales 5 Min. 26.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Der Ex-Premier im Zeugenstand

"Wéisst ech et, da wéisst Dir et och", antwortete Juncker auf die Frage der Richterin, ob er wisse, wer der Bommeleeër sei.

Der Ex-Premier im Zeugenstand

"Wéisst ech et, da wéisst Dir et och", antwortete Juncker auf die Frage der Richterin, ob er wisse, wer der Bommeleeër sei.
Foto: Guy Jallay
Lokales 5 Min. 26.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Der Ex-Premier im Zeugenstand

Zum 137. Tag im Bommeleeër-Prozess schienen am Dienstag die Blicke der ganzen Nation auf dem Verhandlungssaal 1.10 zu ruhen, als gegen 16 Uhr kein Geringerer als der vormalige Staatsminister Jean-Claude Juncker in den Zeugenstand trat.

(jl) - Zum 137. Tag im Bommeleeër-Prozess schienen am Dienstag die Blicke der ganzen Nation auf dem Verhandlungssaal 1.10 zu ruhen, als gegen 16 Uhr kein Geringerer als der vormalige Staatsminister Jean-Claude Juncker in den Zeugenstand trat. War erwartet worden, dass dabei das Treffen mit dem verstorbenen Eugène Beffort im Fokus stünde, der Juncker 2005 im Vertrauen eröffnet hatte, Prinz Jean vor dem Attentat am Findel gesehen zu haben, so rückte plötzlich ein ganz anderes Vertrauensgespräch in den Mittelpunkt. Eines mit Großherzog Henri, bei dem es auch um den Thronverzicht von dessen Bruder ging.

Nachdem Jean-Claude Juncker zunächst von seinem Treffen mit dem Zeugen Eugène Beffort berichtet hatte, einem „sympathischen Mann, der überzeugt war, von dem, was er sagte“, kam der Ex-Premier gestern darauf zu sprechen, wie er in der Folge Generalstaatsanwalt Robert Biever und schließlich auch Großherzog Henri über Eugène Befforts Vorwürfe gegen Prinz Jean unterrichtet hatte.

Für Me Gaston Vogel eine willkommene Steilvorlage, den ehemaligen Staatsminister sogleich nach möglichen Aussagen des Großherzogs zu den Hintergründen des Thronverzichts von Prinz Jean zu befragen. Um die strenge Vertraulichkeit der Gespräche zwischen Staatschef und Premier nicht zu verletzen, könne und wolle er nicht über Details dieser Vieraugengespräche plaudern, so Juncker. Der Großherzog habe damals nur klar gesagt, dass er die Vorwürfe gegen seinen Bruder einfach nicht glauben könne.

Thronverzicht von Prinz Jean auf Drängen seines Vaters?

Über die Gründe für den Thronverzicht von Prinz Jean habe er selbst aber nie Kenntnis gehabt, so Juncker. Ob es irgendwelche Regierungsdokumente zu diesem Ereignis gebe, könne man aber nachprüfen lassen. Großherzog Henri habe ihm seinerzeit lediglich bei einem Gespräch mitgeteilt, dass er seinem Bruder die Thronfolgerechte wieder zugestehen wolle. „Auch weil Großherzog Henri die Gründe, die sein Vater Jean dereinst gegen die Heirat seines Bruders hervorgebracht hätte, offenbar nicht teilte“, wie Juncker auf bohrendes Nachfragen von Me Vogel hinzufügte.

Eine Bemerkung, die den Anwalt regelrecht aufstrahlen ließ. Dies sei der Beleg, dass Großherzog Jean seinen gleichnamigen Sohn in den 1980er Jahren zum Thronverzicht gedrängt habe. Dies aber sicherlich nicht wegen der bürgerlichen Herkunft seiner Zukünftigen, schließlich sei auch Großherzogin Maria Teresa keine Aristokratin, so Vogel, der in herablassender Art gar von einer „Dahergelaufenen aus Kuba“ sprach und damit für empörtes Raunen im Saal sorgte.

Jean-Claude Juncker verwahrte sich allerdings klar gegen jegliche Interpretationen, die der Anwalt seinen Darlegungen hier zuweisen wolle. Er habe nur gesagt, dass Großherzog Jeans Gründe für Großherzog Henri offenbar keine Rolle mehr spielten, um seinem Bruder die Thronfolgerechte zurückzuerstatten.

„Wéisst ech et, da wéisst Dir et och!“

Richterin Sylvie Conter stellte dem hochrangigen Zeugen gestern aber auch die Frage aller Fragen im Prozess: „Här Juncker, wësst Dir ween de Bommeleeër ass?“ – „Nee“, so der Ex-Premier. „Wéisst ech et, da wéisst Dir et och!“ Er habe jegliche hilfreichen Informationen, die ihm zugetragen wurden, stets weitergeleitet und er selbst leide auch sehr unter der landläufigen Meinung, dass es hohe Instanzen gebe, die die Attentäter kennen.

Dass etwa ein ehemaliger Chef-Ermittler Namen gehabt haben soll, ohne sie nennen zu können, sei für ihn „in höchtem Maße erstaunlich“, so Juncker.Für ihn habe die Staatsraison immer gelautet, dass in dieser Affäre alles offengelegt werden soll. „Dovu si mer hei awer nach wäit ewech“, so Richterin Sylvie Conter vielsagend...

Glaubwürdigkeit von Henri Etienne gerät ins Wanken

Neben Ex-Premier Jean-Claude Juncker wurden am Dienstag im Bommeleeër-Prozess u. a. auch der frühere Diplomat Henri Etienne und seine Ehefrau angehört. Der 87-Jährige hatte bekanntlich wissen lassen, dass der einstige Generalstaatsanwalt Camille Wampach ihm und seiner Frau im Februar 2013 anlässlich eines Freundschaftsessens in der Fondation Pescatore eröffnet hatte, „et war de Prënz“.

Eine Aussage, die Camille Wampach in der Folge dementiert hatte. Auch Henri Etienne selbst hatte seine aufsehenerregende Aussage schon zu Anfang dahingehend eingeschränkt, als er erklärt hatte, seine Frau habe damals im Gegensatz zu ihm verstanden, „mir mengen et wor de Prënz“. Eine gründliche Klärung des Wortlauts tat gestern demnach Not. Vor dem Richterpult geriet Henri Etiennes Glaubwürdigkeit jedoch ins Wanken. So meinte zunächst seine Frau im Zeugenstand, Wampachs genauen Worte seien eigentlich „Mir mengen éischter, et war de Prënz“ gewesen.

Jean oder Guillaume?

Ein solcher Satz sei nicht nur stark relativierend, sondern er ergebe zudem nur als Antwort auf eine vorherige Äußerung Sinn, wohl jene von Henri Etienne selbst, dass seines Erachtens Ben Geiben der Bommeleeër sein müsse, wie Richterin Sylvie Conter und Me Gaston Vogel gleichermaßen befanden.

Vollends in Zweifel gezogen wurden Etiennes Aussagen im Folgenden aber von Generalstaatsanwalt Robert Biever, der vor Gericht angab, dass Henri Etienne ihn vergangene Woche telefonisch kontaktiert hätte, um ihm formell zu erklären, dass Wampach mit seiner Aussage „Et wor de Prënz“ Prinz Guillaume gemeint habe.

Er habe sich noch gewundert und mehrmals nachgefragt, ob sich Etienne nicht vielleicht irre und Prinz Jean meine, so Robert Biever. Nein, Wampach habe Guillaume gemeint. Diese Aussage hätte er auch schon gegenüber dem Beamten gemacht, der den Anruf entgegen genommen hatte.Henri Etienne bestritt diese Schilderungen am Dienstag. Er und seine Frau werden am Mittwoch mit Camille Wampach konfrontiert.


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