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Der Eichenprozessionsspinner geht um
Lokales 3 Min. 03.07.2018 Aus unserem online-Archiv

Der Eichenprozessionsspinner geht um

Die Raupe des Eichenprozessionsspinners sollte man nicht anfassen, denn ihre Brennhaare enthalten Nesselgift.

Der Eichenprozessionsspinner geht um

Die Raupe des Eichenprozessionsspinners sollte man nicht anfassen, denn ihre Brennhaare enthalten Nesselgift.
Foto: Guy Jallay
Lokales 3 Min. 03.07.2018 Aus unserem online-Archiv

Der Eichenprozessionsspinner geht um

Sophie HERMES
Sophie HERMES
Der Eichenprozessionsspinner fühlt sich in diesem Jahr pudelwohl in Luxemburg, denn bereits im Frühjahr waren die Bedingungen für die Raupe ideal. Für den Menschen kann das Insekt jedoch durch seine giftigen Brennhaare zur Gefahr werden.

Die kleine Raupe hat in den vergangenen Wochen quer durchs Land von sich reden gemacht. An zahlreichen Orten kreuzte sie auf und sorgte wegen ihrer giftigen Brennhaare für Juckreiz bei so manchem Spaziergänger oder Outdoorsportler. Die Rede ist von der Raupe des Thaumetopoea processionea, im allgemeinen Sprachgebrauch als Eichenprozessionsspinner bekannt.

Insbesondere im Süden des Landes – zuletzt etwa im Park in Bettemburg oder im Parc Léi in Düdelingen –, an der Mosel und im Zentrum sind in diesem Jahr hohe Populationsdichten des Insekts, das Eichen besiedelt, zu vermerken. Vielerseits wurde reagiert. Betroffene Bäume wurden großräumig abgesperrt, Warnschilder aufgestellt, einzelne Wege konnten eine Weile nicht mehr benutzt werden.

Doch warum hat sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr überhaupt an so vielen Orten in Luxemburg niedergelassen? Wie Marianne Jacobs von der Natur- und Forstverwaltung erklärt, seien die Wetterbedingungen in diesem Frühjahr ideal für die Entwicklung des Eichenprozessionsspinners gewesen. „Dies kann dazu beitragen, dass sich starke Bevölkerungen bilden können“, sagt sie. Doch auch natürliche Fluktuationen der Populationsdichte können in einem Massenaufkommen dieses Insekts resultieren.

Nachtaktiver Schmetterling

Generell lieben die Eichenprozessionsspinner Wärme, weshalb sie oft an einzelnen Bäumen, in Alleen oder an Waldrändern zu finden sind, aber auch in lichten Eichenwäldern oder Wäldern, in denen Bäume viel Sonnenlicht abbekommen.

Beim Eichenprozessionsspinner handelt es sich um einen nachtaktiven Schmetterling, der von Ende Juli bis September fliegt. Seine Vorderflügel sind grau mit schwach ausgeprägter dunkler Querlinie, die Hinterflügel weißgrau. Das Tier weist eine Spannweite von 25 Millimetern auf.

Die Weibchen legen bis zu 300 Eier vorzugsweise im oberen Kronenbereich von Eichen ab. Im Herbst bilden sich dort Raupen, die jedoch erst zum Beginn der Vegetationszeit – je nach Witterungslage Ende April oder Anfang Mai – schlüpfen.

Bis zur Verpuppung durchlaufen die Raupen insgesamt sechs Entwicklungsstadien. Dabei sind sie von Anfang an stark behaart. Beginnt dann das dritte Larvenstadium, bilden sich auf ihrem Hinterleib Brennhaare, die mit Widerhaken versehen sind und das Nesselgift Thaumetopoein enthalten.

Mit Hinweisschildern wird vor den Raupen gewarnt - hier auf einem Feldweg zwischen Leudelingen und Kockelscheuer.
Mit Hinweisschildern wird vor den Raupen gewarnt - hier auf einem Feldweg zwischen Leudelingen und Kockelscheuer.
Foto: Sophie Hermes

Haare sind das Problem

Eben von diesen Haaren, deren Anzahl und Länge bei jeder Häutung zunehmen, geht eine Gefahr für Mensch und Tier aus. Das Nesselgift kann nämlich eine allergische Reaktion auslösen. Diese kann von Juckreiz bis hin zu einem allergischen Schock führen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich die Brennhaare noch an der Raupe selbst befinden oder in ihren Nestern liegen.

Die typischen Nester an Stämmen oder in Astgabelungen der Eichen entstehen im fünften Raupenstadium. Die Tiere ruhen sich in den Gespinsten aus, verlassen sie jedoch in regelrechten Prozessionen zur Nahrungsaufnahme.

Im Juli erfolgt die Verpuppung in den Gespinsten. Dieser Prozess dauert drei bis sechs Wochen. Nach dem Schlupf der Falter geht von den Insekten an sich keine Gefahr mehr aus. Dennoch sollten sich Menschen weiterhin von den Nestern fernhalten. Denn in diesen können sich weiterhin Brennhaare befinden.

„Die Gefahr, die durch die Brennhaare entsteht, nimmt im Laufe der Zeit ab“, erklärt Marianne Jacobs. Eine komplette Entwarnung gibt sie jedoch nicht. „Aus der Literatur ist bekannt, dass die Haare auch noch Jahre nach ihrer Bildung Reizungen auslösen können.“

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