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Der Angeklagte Marc Scheer
Lokales 2 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Der Angeklagte Marc Scheer

Marc Scheer wurde am 10. November 2006 erstmals verhört.

Der Angeklagte Marc Scheer

Marc Scheer wurde am 10. November 2006 erstmals verhört.
Foto: Guy Jallay
Lokales 2 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Der Angeklagte Marc Scheer

„Unter den Schwarz-Weißen waren wir die buntesten“, erklärt sich der im „Bommeleeër“-Fall angeklagte Marc Scheer den Umstand, dass er und sein Kollege Jos Wilmes 2006 ins Visier der Fahnder gerieten. Tatsächlich waren Letztere zu dem Schluss gelangt, dass nur die Mitglieder der „Brigade mobile“ in der Gendarmerie für die Attentatsserie in Frage zu kommen.

(ham) - „Unter den Schwarz-Weißen waren wir die buntesten“, erklärt sich der im „Bommeleeër“-Fall angeklagte Marc Scheer den Umstand, dass er und sein Kollege Jos Wilmes 2006 ins Visier der Fahnder gerieten. Tatsächlich waren Letztere zu dem Schluss gelangt, dass nur die Mitglieder der „Brigade mobile“ in der Gendarmerie über die nötigen Fähigkeiten verfügten, um für die Attentatsserie in Frage zu kommen. In der Folge wurden denn auch sämtliche Mitglieder der Einheit nochmals verhört.

Laut Anklageschrift fiel Marc Scheer ein erstes Mal während eines Verhörs am 10. November 2006 durch sein detailliertes Fachwissen bezüglich der Funktionswirkung einer Sprengbrandvorrichtung auf. „Auch konnte sich Scheer die von den Tätern erwünschten Auswirkungen bildlich bemerkenswert gut vorstellen“, schlussfolgert der Ermittler in seinem Bericht.

Als dann der Zündmechanismus eines Eierweckers zur Sprache kam, habe der Angeklagte mit seinen Händen gezeigt, wie man diesen Eierwecker aufzieht und dabei wörtlich – zum „größten Erstaunen“ der Ermittler – gesagt: „Dat war keng grouss Sach, mir hun en einfach opgedréint, dohinner geluecht a sin gaangen“.

Eine Antwort auf eine nicht gestellte Frage

Beim Nachhaken der Ermittler sei der Vernommene „offensichtlich in Erklärungsnot“ geraten, da er den Sinn der „genaueren Nachfragen erkannt hatte“. In der Anklageschrift ist diesbezüglich auch vermerkt, dass Scheer dieses Vernehmungsprotokoll nicht unterschrieben hat. Im LW-Interview bemerkt der Beschuldigte denn auch, dass man ihn bei dieser Aussage falsch verstanden hatte.

Stutzig seien die Ermittler bei einer Vernehmung am 13. November 2006 geworden, als Scheer bezüglich des Attentats auf Findel „übereilt auf eine nicht gestellte Frage“ geantwortet hatte und beim Thema Zeugenbeobachtung (ein Zeuge hatte sich im Anschluss an das Attentat bei der Polizei gemeldet) bei seinen weiteren Aussagen „arg in Erklärungsnot geriet“.

Als man den Beschuldigten am 16. November nochmals auf das Attentat und die Zeugenaussage ansprach, sei er immer „nervöser und angespannter“ geworden. Auf die Täterbeschreibung des Zeugen hin habe er mit „de Wilmese Jos an ech“ geantwortet und auf das Nachhaken der Ermittler hin wiederholt. Als der Vernehmungsbeamte nochmals nachfragte, ob die beiden vor Ort gewesen seien, habe der Beschuldigte die Beherrschung verloren.

Im weiteren Verlauf des Berichts bemerken die Beamten, dass die „in Worten niedergeschriebenen Aussagen von Scheer (…) nicht einmal annähernd das Stimmungsbild und den Druck, welcher während dieser Phase auf Scheer lastete“, wiedergeben würde.

Eine heikle Situation für alle Beteiligten

„Für alle Beteiligten war eine heikle Situation entstanden und die Bedeutung und die Ernsthaftigkeit der Sachlage war allen bewusst“, heißt es in dem Bericht. Während einer Vernehmungspause habe Scheer einen der Beamten gebeten, seinen Kollegen Wilmes anrufen zu dürfen, „damit dieser sich fertig machen könnte“. Schließlich rechne er nun mit Konsequenzen.

Dabei habe er auch ironisch gefragt, ob sie eine gemeinsame Zelle bekommen könnten. Der Angeklagte sei sich zu diesem Zeitpunkt sowohl seiner Aussagen als auch der möglichen Konsequenzen vollkommen bewusst gewesen, bemerken die Ermittler. Denn er habe seine Aussagen weder berichtigen noch streichen lassen.

Gegenüber dem LW betont Scheer, dass er den Ernst seiner Lage nicht gleich erkannt habe und sich zu Scherzen habe hinreißen lassen. Die Täterbeschreibung – ein großer hagerer Mann und ein kleinerer, untersetzter Mann – hätte passen können. Im Zusammenhang mit dem Attentat in den Kasematten sei er schlichtweg falsch verstanden worden.