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Denkmalschützer vs. Gemeinde: Avenue de la Gare: Zwist um historische Gebäude
Der Gemeinderat hatte es im Januar abgelehnt, die Gebäude auf Nummer 3 und 5 ins "inventaire supplémentaire des monuments nationaux" aufzunehmen.

Denkmalschützer vs. Gemeinde: Avenue de la Gare: Zwist um historische Gebäude

Foto: Sauvegarde du Patrimoine asbl
Der Gemeinderat hatte es im Januar abgelehnt, die Gebäude auf Nummer 3 und 5 ins "inventaire supplémentaire des monuments nationaux" aufzunehmen.
Lokales 3 Min. 03.06.2015

Denkmalschützer vs. Gemeinde: Avenue de la Gare: Zwist um historische Gebäude

Die Vereinigung "Sauvegarde du Patrimoine" kritisiert die Stadt Luxemburg, da zwei historische Gebäude in der Avenue de la Gare abgerissen werden sollen.

(DL) - Die Vereinigung "Sauvegarde du Patrimoine" erhebt in einer Mitteilung schwere Vorwürfe gegen die Stadt Luxemburg. Der Grund: Zwei Immobilien in der Avenue de la Gare, die aus der "Belle Époque" stammen, würden in Bälde abgerissen werden - und durch einen Neubau ersetzt. In einem "avis au public" werden die Bürger über das Vorhaben informiert. Betroffen sind das Haus mit der Nummer 3, in dem sich einst die "Galerie Bradtke" befand, und das Nachbargebäude mit der Nummer 5.

Bürgermeisterin Lydie Polfer bestätigt im Gespräch mit dem "Luxemburger Wort", dass ein Bauvorhaben für die betreffenden Gebäude vorliegt. Aber: "Wir haben noch keine Abrissgenehmigung ausgestellt."

Gemeinderat lehnte Aufnahme ins "inventaire“ ab

Schon seit zwei Jahren liege ein Projekt für die besagten Gebäude vor. Der Gemeinderat hatte es unter anderem aus diesem Grund denn auch im Januar mehrheitlich abgelehnt, die betreffenden Gebäude sowie das Haus mit der Nummer 7  ins „inventaire supplémentaire des monuments nationaux“ aufzunehmen.

Ein weiterer Grund sei gewesen, dass die Nachbarhäuser längst durch sehr hohe Gebäude ersetzt worden sind. "Es war keine Harmonie mehr da", begründet Lydie Polfer die Entscheidung des Gemeinderats. Schließlich bringe es nichts, ein einzelnes Gebäude stehen zu lassen, wenn die daneben gelegenen Immobilien längst abgerissen und erneuert wurden.

Die zuständige Kommission hätte vorgeschlagen, dass der Neubau eine moderne Fassade bekommen soll. Nächste Woche wird sich die Bürgermeisterin aber nochmals mit Kulturministerin Maggy Nagel zusammensetzen, um über die Zukunft der Gebäude zu diskutieren.

"Avenue de la Gare ein schwieriges Feld"

"Die Avenue de la Gare ist ein sehr schwieriges Feld", unterstreicht die Bürgermeisterin. Der Vago-Plan aus dem Jahr 1967 hätte es damals erlaubt, in diesem Bereich bis zu 25 Meter in die Höhe zu bauen - weswegen dies an zahlreichen Stellen passiert ist.

Dass es sich bei den Gebäuden mit den Nummern 3 und 5 in der Avenue de la Gare um "die letzten Häuser aus der Belle Époque" handele, wie es die Vereinigung "Sauvegarde du Patrimoine" behauptet, bestreitet Lydie Polfer: So sei z. B. in der Avenue de la Gare der ganze Block, der an die Rue Origer grenzt, geschützt. Im Gegensatz zu den Häusern 3 und 5 handele es sich hierbei um einen kompletten Häuserblock.

Dieses Haus auf Nummer 29, Avenue de la Gare, wurde im Mai in die Liste der "ensembles sensibles" aufgenommen. Der Gemeinderat sprach sich aber auch in diesem Fall gegen den Vorschlag des Kulturministeriums aus das Gebäude ins „inventaire supplémentaire des monuments nationaux“ aufzunehmen.
Dieses Haus auf Nummer 29, Avenue de la Gare, wurde im Mai in die Liste der "ensembles sensibles" aufgenommen. Der Gemeinderat sprach sich aber auch in diesem Fall gegen den Vorschlag des Kulturministeriums aus das Gebäude ins „inventaire supplémentaire des monuments nationaux“ aufzunehmen.
Foto: Anouk Antony

Auch bei dem Gebäude mit der Nummer 29 in der Avenue de la Gare (Bild links) hatte der Gemeinderat den Vorschlag des Kulturministeriums abgelehnt, es ins „inventaire supplémentaire des monuments nationaux“ aufzunehmen. Stattdessen wurde es, wie auch die Gebäude mit den Nummern 3, 5 und 7, in die Liste der "ensembles sensibles" aufgenommen. Laut Lydie Polfer liege auch für dieses Gebäude ein Bauvorhaben vor - allerdings soll hier die historische Fassade behalten werden und dahinter ein Neubau entstehen.

"Kein öffentlich zugängliches Inventar"

Die Vereinigung "Sauvegarde du patrimoine" kritisiert, dass es sich bei den "ensembles sensibles" nur um "Volumen-, Fassaden- und Schönheitsschutz" handele - der Abriss eines Gebäudes sei weiterhin möglich. Von Denkmalschutz oder Denkmalschutz "light" könne demzufolge nicht die Rede sein.

Im ganzen Land gebe es nur noch  5.000 denkmalschutzwerte Objekte, gibt die Vereinigung zu bedenken. Von Woche zu Woche würden weitere davon verschwinden. Ferner kritisiert die Organisation im Gespräch mit dem "Luxemburger Wort", dass Luxemburg "die einzige Hauptstadt in der EU ist, die kein öffentlich zugängliches Inventar hat, das auf wissenschaftlichen Standards beruht".

Bürgermeisterin Lydie Polfer hingegen unterstreicht, dass in Luxemburg-Stadt sehr viele historische Gebäude geschützt seien.


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