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Den „sozialen Instinkt“ stärken
Lokales 3 Min. 26.05.2012 Aus unserem online-Archiv

Den „sozialen Instinkt“ stärken

Jungen Menschen fehlt es nicht an guten Ideen, davon ist Paul Galles (unten rechts) überzeugt. Die Young Caritas soll den nötigen Anschub liefern, damit diese auch realisiert werden können.

Den „sozialen Instinkt“ stärken

Jungen Menschen fehlt es nicht an guten Ideen, davon ist Paul Galles (unten rechts) überzeugt. Die Young Caritas soll den nötigen Anschub liefern, damit diese auch realisiert werden können.
(Foto: Young Caritas)
Lokales 3 Min. 26.05.2012 Aus unserem online-Archiv

Den „sozialen Instinkt“ stärken

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, die Welt zu retten? Dieses hohe Ziel hat sich die Young Caritas zwar nicht gesetzt, doch will sie das kreative Potenzial von jungen Menschen fördern, um gemeinsam mit ihnen Projekte zu realisieren, die Menschen während ein paar Stunden das Leben verschönern sollen.

Von Nicolas Anen

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, die Welt zu retten? Dieses hohe Ziel hat sich die Young Caritas zwar nicht gesetzt, doch will sie das kreative Potenzial von jungen Menschen fördern, um gemeinsam mit ihnen Projekte zu realisieren, die Menschen während ein paar Stunden das Leben verschönern sollen. Oder wie es Paul Galles, Verantwortlicher der Young Caritas ausdrückt, es sollen „Farbkleckse von Menschlichkeit“ gezeichnet werden.

Fünf Jugendliche, die als Musikgruppe auf einer Palliativstation für Patienten, Familienmitglieder und Pflegepersonal spielen. Dies stelle zwar kein neues Konzept dar, erklärt Paul Galles, Verantwortlicher von Young Caritas, doch bemerkenswert sei, dass der Impuls für dieses Projekt von den Jugendlichen selbst kam.

„Es folgten sehr intensive Momente, sowohl für sie als auch für die Zuhörer“, erzählt Paul Galles weiter. Während des Konzerts sei sogar ein älterer Mann aufgestanden und habe angefangen, die Musikanten zu dirigieren. Später erzählte dieser, dass er mal Organist war, heute aber wegen seiner Krankheit nicht mehr spielen könne. Doch immer noch werde er vom Rhythmus gepackt, wenn er Musik höre.

„Spätestens dann denkt man: ,Es hat sich gelohnt‘“, so Paul Galles. Ziel war es, während einer halben Stunde Menschen das Leben zu verschönern. Momente, die der Leiter von Young Caritas als „Farbkleckse von Menschlichkeit“ bezeichnet. Beim Konzert handelt es sich aber nur um ein Projekt von vielen, die in den vergangenen Monaten von Jugendlichen, mit Hilfe der Young Caritas, ins Leben gerufen wurden. Diese reichen von Schulklassen, die Rallyes und Picknicks für Kinder von Flüchtlingen organisieren, über Jugendliche, die sich Zeit nehmen, um mit behinderten Menschen zu kochen, bis zu einer Schulklasse, die ein Kino für Menschen aus dem Altenheim organisierten.

Am Ball bleiben, damit die Projekte realisiert werden

„Die Jugendlichen kommen relativ schnell auf Ideen“, erklärt Paul Galles. Diesem Potenzial an Kreativität und Solidarität wollte Caritas einen Raum bieten, als es 2010 die Young Caritas ins Leben rief. Außerdem hatte man festgestellt, dass viele Freiwillige, die heute bei der Caritas tätig sind, während ihrer Kindheit gute Erfahrungen mit der Caritas gemacht hatten, zum Beispiel durch den „Service Vacances“, der die Ferienkolonien organisiert. „Es ist eine Win-Win-Situation“, resümiert Galles. Die Caritas könne nur gewinnen, wenn sich mehr Jugendliche einbringen. Die Jugendlichen ihrerseits gewinnen an Erfahrungen, die nicht durch Schulbücher zu vermitteln sind.

Jugendliche zu sensibilisieren sei generell relativ einfach, so Paul Galles weiter. Es gelte, ihnen zu zeigen, dass ein großer Teil ihres Lebens auf Solidarität aufgebaut ist. Über die Hälfte der angesprochenen Jugendlichen – Paul Galles ist unter anderem viel in Lyzeen unterwegs – entwickle denn auch ein Projekt. „Überlege, was du kannst und wie du einem Menschen eine Freude machen kannst“, lautet die Reflexionsbasis.

Dann gilt es aber, am Ball zu bleiben, damit diese Projekte auch realisiert werden. „Da kommen Hemmschwellen hoch. Es sind Fragen, die mit Bequemlichkeit oder Angst zu tun zu haben“, erklärt Paul Galles. Bei manchen verlaufe das Projekt im Sand. Doch viele werden realisiert.

Erfahrungen, die man nicht in Schulbüchern findet

„Die Schule entdeckt eine neue Form von Lernen, eine, die nicht direkt mit Büchern in Zusammenhang steht“, unterstreicht Galles. Sport und Kultur werden seit langem unterstützt. Doch gebe es in Luxemburg keine Plattform, die Jugendlichen helfe, sich sozial zu engagieren. Dies sei zum Beispiel in Instituten wie der „International School of Luxembourg“ oder der Europaschule weit fortgeschrittener. Auf diese Art und Weise wird der „soziale Instinkt“ gestärkt, so Paul Galles. Denn in einer Gesellschaft, die ihre Mitglieder zu Individuen erzieht, dürfe man nicht vergessen, dass man von Solidarität lebt.

Mit der Schönheit dieser Solidarität argumentiert Paul Galles bei den Jugendlichen, denn auf keinem Fall soll nur aus Mitleid gehandelt werden. Außerdem helfe das Engagement den Jugendlichen auch oft bei ihrer Identitätssuche.

Seit Mitte 2011 haben über 200 Schüler an einem Projekt mitgewirkt. Zwischen 20 und 30 Jugendliche haben sich sogar spontan bei Young Caritas gemeldet. Um auch weiterhin zahlreiche Ideen verwirklichen zu können, wird dieses Jahr ein Teil der „Caritas-Challenge“-Spenden an die Young Caritas fließen.