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Das Wichtigste ist ein starker Wille
Mit diesem Apparat konnten die Besucher ihre Lungenkapazität testen.

Das Wichtigste ist ein starker Wille

Foto: Gerry Huberty
Mit diesem Apparat konnten die Besucher ihre Lungenkapazität testen.
Lokales 2 Min. 15.03.2012

Das Wichtigste ist ein starker Wille

Das Rauchen ist weltweit die zweithäufigste Todesursache. Doch ganz ohne Schreckensbilder und mit einer positiven Botschaft werben vier Luxemburger Krankenhäuser dafür, mit der Zigarette ein für alle Mal Schluss zu machen.

Vor dem überdachten Eingang des "Centre hospitalier de Luxembourg" fordern Schilder die Patienten auf, hier wenigstens einen Tag lang auf die Zigarette zu verzichten. Und tatsächlich: Nur ein hartgesottener Raucher zieht dort an seinem Glimmstängel, wo sonst Dutzende um den Aschenbecher versammelt sind.

Am Dienstag ist überall auf der Welt Nichtrauchertag – eine Gelegenheit für Raucher, ihr Verhalten zu überdenken und alte Gewohnheiten fallen zu lassen. In der Eingangshalle des Krankenhauses werden die reuigen Raucher zu Ständen geleitet, wo sie von Krankenschwestern wie Florence Dessoy zu einem Gespräch und mehreren Tests eingeladen werden. Apparate überprüfen die Lungenkapazität und den Ausstoß von Kohlenmonoxid und bestimmen so die Leistungsfähigkeit dieses lebenswichtigen Organs.

Besonders drastisch führt ein Experiment die Folgen des Rauchens vor Augen. Die Krankenschwester Florence erklärt, wie es funktioniert: "Wir machen ein digitales Foto von den Leuten. Im Computer lassen wir sie künstlich altern, damit sie sehen, was das Nikotin aus ihnen machen wird."

Vier Krankenhäuser in Luxemburg beteiligen sich an der Aktion zur Tabak-Information. Wer mitmacht, kann dort erfahren, wie stark seine Nikotin-Abhängigkeit ausgeprägt ist und Tipps für die Entwöhnung bekommen.

Moderne Möglichkeiten

Diese ist übrigens keine einfache Angelegenheit. Raucher, die schon einen gescheiterten Versuch hinter sich haben, wissen, dass es ohne Hilfe von außen kaum funktioniert. Dr. Catherine Charpentier, Lungenärztin am CHL, erklärt den neuesten Stand der Wissenschaft: "Am erfolgversprechendsten ist eine doppelte Herangehensweise: Einmal helfen Nikotinpflaster und -kaugummis gegen die körperliche Sucht, zum anderen gibt es neue Medikamente, die das psychische Verlangen nach der Zigarette abmildern." Sie empfiehlt Rauchern, den Rat eines Arztes einzuholen, bevor sie die Zigarette ein für alle Mal beiseite legen. In hartnäckigen Fällen kann auch ein Psychologe mit einer Verhaltenstherapie die Entwöhnung unterstützen. Dr. Charpentier: "Dabei geht es darum, mit alten Gewohnheiten zu brechen, zum Beispiel jeden Tag zur gleichen Zeit einen Kaffee mit einer Zigarette zu verbinden."

Rund um die Stände haben die Krankenschwestern Plakate aufgehängt, die den Rauchern Mut machen sollen. Deren Bildersprache hat sich von Grund auf geändert. Während noch vor zehn, zwanzig Jahren Bilder von Raucherlungen Angst verbreiten sollen, setzen heutige Kampagnen auf eine positive Botschaft. Ein Rettungsring oder – besonders vielsagend – ein Feuerlöscher sollen die positive Wirkung der Rauchentwöhnung in den Vordergrund stellen.

80-jähriges Ehepaar im Nikotin-Entzug

Die Entwöhnung rentiert sich übrigens für jeden, erklärt Lungenärztin Charpentier. Selbst Menschen, die 30 Jahre lang oder mehr geraucht haben, können etwas für ihre Gesundheit tun, indem sie das Rauchen aufgeben. "Dem Kreislauf nützt es vom ersten Tag an. Ich hatte sogar schon ein altes Ehepaar, das mit 80 Jahren gemeinsam von der Zigarette wegkommen wollte."

Zu einem so großen Schritt braucht es vor allem eines: einen starken Willen – und zwar nicht nur am Weltnichtrauchertag.