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Das Virus an der Grenze
Lokales 3 Min. 15.02.2019 Aus unserem online-Archiv

Das Virus an der Grenze

Die kranken Tiere sterben wenige Tage nach der Infizierung.

Das Virus an der Grenze

Die kranken Tiere sterben wenige Tage nach der Infizierung.
dpa
Lokales 3 Min. 15.02.2019 Aus unserem online-Archiv

Das Virus an der Grenze

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Das Wildschweinvirus hat in Belgien bereits mehr als 400 Tiere getötet. In Luxemburg setzt man weiter auf präventive Maßnahmen, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Luxemburg bleibt vorerst von der Afrikanischen Schweinepest verschont. Man werde insbesondere Jäger und Schweinezüchter mit einer Informationskampagne aufklären und weiterhin auf präventive Maßnahmen setzen. Landwirtschaftsminister Romain Schneider und Umweltministerin Carole Dieschbourg zeigten sich am Freitag nach der vierten Sitzung der Schweinepest-Task-Force zuversichtlich, dass die Schweinebestände in Luxemburg vom gefährlichen Virus verschont werden können.

Bis zum 14. Februar waren insgesamt 109 tote Wildschweine aus Luxemburg getestet worden, sämtliche Ergebnisse waren negativ.

Kilometerlanger Zaun

Die Afrikanische Schweinepest rückt allerdings näher an das Großherzogtum heran. Seit dem Ausbruch der Krankheit Mitte September sind in Belgien insgesamt 1.473 Wildschweinkadaver analysiert worden, in 494 Fällen waren die Ergebnisse positiv. In der Umgebung von Arlon wurden seit dem 10. Januar insgesamt fünf weitere Wildschweinkadaver positiv auf das für die Tiere tödliche Virus getestet, dies östlich der von den belgischen Behörden eingerichteten Quarantänezone. Als Sicherheitsmaßnahme haben die belgischen Behörden einen kilometerlangen Zaun entlang der Sicherheitszone gezogen. Er verläuft auch entlang der Nationalstraße 81 von der französischen Grenze bis nach Arlon. „Wir gehen davon aus, dass dieser Zaun und die angrenzende Nationalstraße eine ausreichende Barriere für die Tiere darstellen“, so Schneider.


ARCHIV - 27.01.2018, Mecklenburg-Vorpommern, Glaisin: Wildschweine stehen in einem Wildgatter. Nur 60 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze sind in Belgien Fälle von Afrikanischer Schweinepest festgestellt worden.(zu dpa «Belgien: Afrikanische Schweinepest nahe deutscher Grenze nachgewiesen» vom 13.09.2018) Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Fälle von Afrikanischer Schweinepest in Etalle
Bislang war der jüngste Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest auf Osteuropa beschränkt. Nun werden aus Belgien die ersten Fälle gemeldet - nur 30 Kilometer von Luxemburg entfernt.

In Luxemburg wurde präventiv eine Überwachungszone im Südwesten des Landes zwischen den Autobahnen A 4 und A 6 in der Nähe der belgischen und französischen Grenze eingerichtet. Die Jagd kann dort weiterhin ohne Einschränkungen betrieben werden. Die Jäger werden sogar aufgefordert, möglichst viele Wildschweine zu erlegen und so den hohen Bestand zu verkleinern.

Auflagen für Schweinezüchter

Im September beschloss die Regierung zudem, als Schutzmaßnahme zehn nationale Sammelzentren wieder in Betrieb zu nehmen. Dort sollen die Jäger die Innereien der Tiere entsorgen. In der Überwachungszone gilt die Verpflichtung für Schweinezüchter, die Tiere in den Ställen zu lassen. Zudem müssen spezielle Hygieneauflagen eingehalten werden. Ist ein Tier in einer Zuchthaltung befallen, müssen sämtliche Schweine notgeschlachtet werden. Hierzulande gibt es rund 100 Schweinezüchter, die insgesamt 92.300 Tiere halten. „Innerhalb der ausgewiesenen Zonen befinden sich zwei größere Zuchtbetriebe“, so Felix Wildschütz, Direktor der staatlichen Veterinärdienste.

Festnahmen in Belgien

Eine unerwartete Wendung im Falle des Ausbruchs der afrikanischen Schweinepest in der belgischen Grenzregion könnte die Festnahme von zwei Personen im Rahmen einer juristischen Untersuchung darstellen. Laut belgischen Medien werden die Männer, der Sohn eines staatlichen Jagdaufsehers und zugleich Pächter des Jagdgebietes von Buzenol bei Etalle sowie der Verwalter des gleichen Jagdgebiets, ein Einwohner aus Brüssel, dringend verdächtigt, im Auftrag verschiedener Jagdpächter aus Brüssel Wildschweine aus Osteuropa für Vergnügungsjagden nach Belgien importiert zu haben. Betroffen sei ein privates Jagdlos in Buzenol. Beide Männer wurden diese Woche der Chambre de conseil vorgeführt. Diese entschied, dass die Untersuchungshaft um einen Monat verlängert wird.

Laut der belgischen Presse werden den Männern Verstöße gegen das Jagdgesetz im weiteren Sinne vorgeworfen. Eine öffentliche Stellungnahme der belgischen Justiz liegt zurzeit nicht vor. In den belgischen Medien wurde allerdings darüber spekuliert, dass die Festnahmen im Rahmen von illegalen Importen von Wildschweinen stehen könnten. Jagdexperten hatten bereits darauf hingewiesen, dass der Import von Wildschweinen aus ost- oder südeuropäischen Staaten das größte Risiko sei, das afrikanische Wildschweinvirus zu verbreiten.

Sandra Cellina, Expertin für Jagdmanagement in der Naturverwaltung, will die These des Imports von Wildschweinen aus Osteuropa nicht komplett ausschließen, sie bleibt aber sehr skeptisch: „Erstens sind der Transport und das Freilassen von Wild innerhalb der EU verboten oder zumindest sehr streng reglementiert. Erlaubt ist nur das Importieren von Damwild, und dies unter der Bedingung, dass es in einem privaten Gehege gehalten wird“.

Auch wenn die Jagdexpertin nicht komplett ausschließen kann, dass es vereinzelt zu illegalen Importen kam, stellen sich laut ihr weitere Fragen: „Weshalb sollte man Wildschweine in eine Region importieren, die ohnehin sehr hohe Populationen aufweist? Zudem würden infizierte Tiere bereits in einem sehr schlechten Zustand angeliefert werden beziehungsweise bereits auf dem Transportweg verenden. Das Virus tötet innerhalb kürzester Zeit.“ Die Afrikanische Schweinepest führt bei infizierten Tieren in wenigen Tagen zum Tode. Für Menschen und andere Tiere ist das Virus hingegen ungefährlich.


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