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Das Therapiezentrum „Äddi-c“ in der Hauptstadt: Der Sucht Lebewohl sagen
Im „Äddi-c“ erhalten Menschen Hilfe, die noch am Anfang einer Suchterkrankung stehen.

Das Therapiezentrum „Äddi-c“ in der Hauptstadt: Der Sucht Lebewohl sagen

Foto: Guy Jallay
Im „Äddi-c“ erhalten Menschen Hilfe, die noch am Anfang einer Suchterkrankung stehen.
Lokales 2 Min. 14.12.2016

Das Therapiezentrum „Äddi-c“ in der Hauptstadt: Der Sucht Lebewohl sagen

Cheryl CADAMURO
Cheryl CADAMURO
Eine Alkohol- oder Medikamentensucht muss nicht zwingend mit einem Krankenhausaufenthalt enden. Im „Centre Äddi-C“ liegt der Schwerpunkt auf der ambulanten Therapie.

(che) - „Äddi“ und Sucht, aus diesen beiden Wörtern setzt sich das Wort „Äddi-C“, das auf englisch addict, also Abhängigkeit bedeutet, zusammen. Und genau so heißt das neu eröffnete Informations- und Behandlungszentrum für Suchtkranke in der Hauptstadt.

Ob Alkohol, Medikamente, Glücksspiel oder Internet: Vieles kann zu einer Sucht ausarten – und bevor es dies tut, erhält man in diesem Zentrum, das sich in der hauptstädtischen Rue Adolphe Fischer befindet, Hilfe. Das Besondere an diesem neuen Therapiezentrum: Im „Äddi-C“ werden nicht nur Menschen mit einer Abhängigkeit behandelt, sondern hier erhalten auch Angehörige Informationen zum Thema Abhängigkeit.

Dr. Claude Besenius, die Leiterin der beiden Therapiezentren, erklärt das Behandlungskonzept: „Die Menschen, die hier hinkommen, werden nicht aus ihrem Alltag gerissen, sondern erhalten eine auf sie zugeschnittene psychotherapeutische Behandlung. Dies aber nicht stationär, wie beispielsweise im Therapiezentrum des „Centre hospitalier neuro-psychiatrique“ (CHNP) in Useldingen, sondern ambulant.“

Das Praktische an diesem Zentrum sei auch der Anmeldungsablauf: „Interessierte, sei es Betroffene oder Angehörige, können sich einfach per E-Mail oder Telefon an uns wenden und erhalten dann einen Termin. Eine Überweisung durch einen Mediziner ist nicht notwendig. Das Einzige, was zählt ist der Wille des Betroffenen“, so Besenius weiter.

Das Therapieangebot ist indes breit gefächert. Wichtig sei es, den Umgang mit Emotionen sowie Selbstbehauptung zu lernen. Ergotherapie und Achtsamkeitstraining, Psychomotorik sowie Rückfallprophylaxe gehörten ebenso zum Programm, wie psychologische Beratungen in Form von Einzelgesprächen oder Gruppensitzungen. Dies variiere, so Besenius, von Fall zu Fall.

Doch warum dieses neue Zentrum? „Manche Menschen stehen erst am Anfang einer Suchterkrankung und können sich eine Abwesenheit auf der Arbeit oder in der Familie nicht leisten. Genau an diese Menschen richtet sich unser Angebot“, erklärt Claude Besenius weiter.

Problem Verharmlosung

Abhängigkeiten, vor allem von Alkohol, stellen für viele Menschen ein großes Problem dar, wie Dr. Marc Graas, Generaldirektor des „Centre hospitalier neuro-psychiatrique“ (CHNP) ergänzt: „Rund 30 000 Menschen in Luxemburg leiden unter einer Störung durch Alkohol, etwa 4 000 bis 5 000 von ihnen sind schwer abhängig. Nicht zu vergessen, dass jede zweite Hospitalisierung hierzulande auf Alkoholkonsum zurückzuführen ist.“

Auch Dr. Juliana D´Alimonte vom Gesundheitsministerium warnt: „Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht Alkoholmissbrauch in der europäischen Union an dritter Stelle als Ursache für vorzeitiges Versterben.“

Deswegen soll auch in Luxemburg der Kampf gegen diese oft verharmloste Droge angetrieben werden. Noch feilen die Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums an dem Projekt, doch 2017 soll er endlich umgesetzt werden: der erste nationale Alkohol-Aktionsplan. Im „Äddi-C“ erhalten Betroffene aber auch jetzt schon Hilfe.

www.addic.lu


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