Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Das Südspital sucht einen neuen Partner
Lokales 4 Min. 03.09.2021
Geduldsfaden ist gerissen

Das Südspital sucht einen neuen Partner

Vor 2024 werden die Baumaschinen wohl nicht auf dem geplanten Standort anrücken.
Geduldsfaden ist gerissen

Das Südspital sucht einen neuen Partner

Vor 2024 werden die Baumaschinen wohl nicht auf dem geplanten Standort anrücken.
Foto: Raymond Schmit
Lokales 4 Min. 03.09.2021
Geduldsfaden ist gerissen

Das Südspital sucht einen neuen Partner

Raymond SCHMIT
Raymond SCHMIT
Der Vertrag mit dem österreichischen Architekten wurde gekündigt. Das Projekt ist bereits 19 Monate in Verzug.

Der Geduldsfaden ist gerissen. Nach einer Serie von Pleiten, Pech und Pannen hat der Verwaltungsrat des Centre hospitalier Emile Mayrisch (CHEM) den Vertrag mit der österreichischen Arbeitsgemeinschaft Health Team Europe, kurz HTE, die die Planung und den Bau des neuen Südspitals begleiten sollte, aufgekündigt.


Projet Südspidol
Architekt ohne Erfahrung
Bisher hat der Architekt Albert Wimmer erst ein Krankenhaus gebaut – und das sorgt für einen handfesten Skandal in Wien. Nun soll er das Südspidol in Esch/Alzette bauen.

Der Schritt sei bedauerlich, aber unumgänglich, weil keine Vertrauensbasis mehr vorhanden gewesen sei, erklärten gestern einmütig Verwaltungsratspräsident Georges Mischo, Generaldirektor Dr. René Metz und der Generalkoordinator des Projekts, Sam Saberin, vor der Presse. „Die Kündigung war die einzige Möglichkeit, um mit dem Projekt voranzukommen“, ist Georges Mischo überzeugt.

Und er versichert, man habe sich den Schritt gut überlegt. So wurden auch die zuständigen Parlamentsausschüsse einbezogen, bevor der Scheidungsbrief am Donnerstag via Einschreiben in die Alpenrepublik abgeschickt wurde.

Am Anfang stand ein Architektenwettbewerb

Das Projekt war im Juni 2014 im Rahmen eines internationalen Architektenwettbewerbs ausgeschrieben worden. Am 23. Oktober 2015 wurde der Entwurf des Wiener Architekten Albert Wimmer von einer Jury zurückbehalten. Dass dem Österreicher ein zweifelhafter Ruf vorausgegangen sei, weil er in seiner Heimatstadt ein ähnliches Projekt in den Sand gesetzt haben soll, habe man nicht gewusst, beteuern die Verantwortlichen des CHEM.

So soll das neue Südspital aussehen.
So soll das neue Südspital aussehen.
Foto: Pierre Matgé / LW-Archiv

Die Fachjury habe bei ihrer Auswahl die Namen der insgesamt 170 Wettbewerber nicht gekannt. Das Projekt soll nun doch auf Basis der vorliegenden Pläne verwirklicht werden. Für die Ausführung sollen allerdings neue Partner ins Boot geholt werden, nachdem man den Österreichern einen Korb gegeben hat.


So soll das neue Südspidol entlang der renaturierten Dipbech aussehen.
Südspidol: "Wir bauen eine Success-Story"
Die Fehler, die im Wiener Baudebakel um das Krankenhaus Nord begangen wurden, könnten dem CHEM nicht passieren, hieß es am Dienstag im Gesundheitsausschuss.

„Es ist extrem wichtig für mich, dass wir an dem Konzept für das Südspital festhalten“, betonte Generaldirektor René Metz. Einige Anpassungen an den ursprünglichen Plänen wird es allerdings geben, und das nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen, die man während der Corona-Epidemie gemacht habe.

Auch in den Filialen Düdelingen und Niederkorn seien laut Dr. Metz „kleinere Anpassungen vorgesehen, um unter den besten Bedingungen weiterzuarbeiten.“ Und er versichert weiter: „Die Verzögerung beim Bau wird keine Auswirkungen auf die medizinische Versorgung in der Region haben.“ Um die neuen Partner zu finden, muss es zu einer weiteren Ausschreibung kommen.

Es ist extrem wichtig für mich, dass wir an dem Konzept für das Südspital festhalten.

CHEM-Generaldirektor René Metz

Dadurch wird allerdings der Zeitplan gehörig durcheinandergerüttelt. Waren Optimisten bei der Vorstellung des zurückbehaltenen Projekts 2015 noch von einer Inbetriebnahme des Südspitals Ende 2023 ausgegangen, so rechnet man inzwischen damit, dass die Arbeitsmaschinen im Escher Viertel Raemerich frühestens 2024 anrücken könnten. Die ersten Patienten dürften dann nach sechs- bis siebenjähriger Bauzeit 2030 oder sogar erst 2031 im neuen Südklinikum aufgenommen werden.

Man habe dem Architekten Albert Wimmer mehrmals eine letzte Chance angeboten, beteuern die Verantwortlichen des CHEM. Dabei sei es weiterhin das erklärte Ziel gewesen, das Projekt mit der Arbeitsgemeinschaft HTE zu verwirklichen.

Drei Hauptgründe

Dass letztlich der Geduldsfaden in der Chefetage des Escher Klinikums riss, führen sie auf drei kritische Hauptpunkte zurück. Erstens hätten die Österreicher bisher keine Planung vorgelegt, die belastbar sei. Zweitens habe man nicht, wie verlangt, Klarheit über die Kosten bekommen, auch wenn mitgeteilt worden sei, es sei mit einem substanziellen Risikobudget zu rechnen.


Présentation de la nouvelle  équipe de direction à la tête du CHEM - Esch/Alzette - Hôtel de Ville - 25/02/2021 - photo: claude piscitelli
Centre Hospitalier Emile Mayrisch mit neuer Leitung
Das Krankenhaus CHEM in Esch stellt eine umgestaltete Führungsmannschaft vor und blickt dem Projekt Südspidol entgegen.

Drittens sei der Vertrag an der Frage der Bauüberwachung gescheitert. Bisher habe es keine verbindliche Zusage von HTE gegeben, ob diese Dienstleistung ohne zusätzliche finanzielle Mittel durchgeführt würde. Schließlich habe man immer noch keine abgeschlossene Ausführungsphase, sodass das Projekt bereits 19 Monate in Verzug geraten sei.

Lange Mängelliste und ungelöste Probleme

Hinzu kommen noch eine ellenlange Liste von Baumängeln und ungelöste Probleme mit der Haustechnik. 8.000 dieser Mängel habe ein Architektenbüro festgestellt. Zum Vergleich: 200 bis zu 250 sind es deren in der Regel bei einem normalen Einfamilienhaus.

Die Kündigung war die einzige Möglichkeit, um mit dem Projekt voranzukommen.

CHEM-Verwaltungsratpräsident Georges Mischo

Angesichts der Ansammlung von Unzulänglichkeiten sei eine Kündigung der einzige Ausweg, sagte Verwaltungsratspräsident Georges Mischo, der von „Augenwischerei“ und „Hinhaltetaktik“ sprach. Dass der Schuss finanziell nach hinten losgehen könnte, befürchtet Mischo nicht.

522 Millionen Euro ohne Mehrwertsteuer sollen in das „größte und ehrgeizigste Projekt in Luxemburg und der Großregion“ investiert werden. 32,1 Millionen flossen bisher in Baunebenkosten und 5,7 Millionen in Erschließungskosten auf dem Standort. Das Geld sei nicht in den Sand gesetzt, ist Georges Mischo überzeugt, sondern es sei investiert worden in erbrachte Leistungen, die bei der Verwirklichung des Projekts verwendbar seien.

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Im Gespräch mit dem "Luxemburger Wort" erklärt Dr. Serge Meyer, Leiter der Krisenzelle des Centre hospitalier Emile Mayrisch, dass er eine Eskalation der Pandemie befürchtet.
visite aménagements Covid-19 au CHEM - Xavier  Bettel - Paulette Lenert - - Foto: Pierre Matgé/Luxemburger Wort
Die Tage des Krankenhauses in Niederkorn sind gezählt. Ein anderes "Minispital" werde es in der Gemeinde nicht geben, hieß es im Gemeinderat Differdingen. Dafür aber eventuell eine Art bessere Maison médicale.
CHEM - Centre Hospitalier Emil Mayrisch - Hôpital Princesse Marie-Astrid - Niederkorn -  - 09/01/2019 - photo: claude piscitelli
Der Spezialbericht des Rechnungshofs über die öffentliche Finanzierung von Krankenhausinvestitionen zeigt auf: jede Menge Versäumnisse und Gesetzesbrüche im Gesundheitsministerium.
18.10.2017 Luxembourg, Strassen, clinique CHL, journée ménopose,  photo Anouk Antony
Bisher hat der Architekt Albert Wimmer erst ein Krankenhaus gebaut – und das sorgt für einen handfesten Skandal in Wien. Nun soll er das Südspidol in Esch/Alzette bauen.
Projet Südspidol