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Das Selbstverständnis eines Mörders
Lokales 4 Min. 14.05.2018

Das Selbstverständnis eines Mörders

Jamek M. hatte ein Waffenversteck in seinem Wagen eingerichtet. Kein Beweis für Vorsatz, sagt sein Verteidiger.

Das Selbstverständnis eines Mörders

Jamek M. hatte ein Waffenversteck in seinem Wagen eingerichtet. Kein Beweis für Vorsatz, sagt sein Verteidiger.
Foto: Pierre Matge/LW-Archiv
Lokales 4 Min. 14.05.2018

Das Selbstverständnis eines Mörders

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Der Mord am 7. Januar 2015 in einem Hinterhof in Esch/Alzette scheint von langer Hand geplant worden zu sein. Als der Angeklagte am Montag vor Gericht angehört wurde, befasste er sich aber mehr mit sich selbst, als mit der Bluttat.

Mit sechs Schüssen war eine 48-jährige Frau im Januar 2015 von ihrem getrennt lebenden Ehemann getötet worden. Nach vier Verhandlungstagen kam am Montag nun der Angeklagte ausführlich zu Wort. Doch über den Mord und die Hintergründe der Tat schweigt dieser sich nach wie vor aus. Desto mehr spricht er aber von seinem eigenen Leben und Leiden.

Vor dem Richterpult erklärt Jamek M., er habe sein Leben lang schwer gearbeitet, um seiner Frau und seinen Kindern ein schönes und besseres Leben zu bieten. Dies habe die Familie dann auch 1993 aus Montenegro über Deutschland nach Luxemburg geführt. Der Angeklagte verweist zudem auf seine Kriegserlebnisse, als Soldat an der Grenze zwischen Montenegro und Kroatien. Bilder von weinenden Frauen und verstümmelten Kindern würden ihn noch heute verfolgen und Angstzustände auslösen.

Und auch das: Das Haus, das er der Familie in Esch/Alzette gekauft habe, sei verhext. Das habe ihm auch ein Geistlicher bestätigt. „Ich habe Stimmen gehört“, erläutert er vor der Kriminalkammer. „Ich habe gespürt, dass wir dort nicht alleine waren.“ Einmal habe er auch eine fremde Frau an einem Fenster gesehen.

„Meine Familie war selig vor Glück“

Seine Familie habe davon nichts mitbekommen. Die sei immer selig vor Glück gewesen. „Nie, nie, nie habe ich sie geschlagen“, beteuert Jamek M.. Seine Kinder würden heute nur Lügen verbreiten. Er habe nicht einmal Zeit dafür gehabt, schließlich habe er Tag und Nacht gearbeitet und sei deswegen kaum zu Hause gewesen. Und genau wie in anderen Familien habe auch bei ihm zu Hause schon Mal der Haussegen schief gehangen. „Aber das haben wir über normale Gespräche geklärt“, führt er aus.


Am 7. Januar 2015 erschoss der Angeklagte seine 51-jährige Ehefrau in Esch/Alzette, weil diese sich scheiden lassen wollte.
Portrait eines Tyrannen
Vor der Kriminalkammer begann am Montag der Prozess gegen einen 59-jährigen Mann der am 7. Januar 2015 seine Frau in der Rue du Fossé in Esch/Alzette mit sechs Kopfschüssen hingerichtet hatte.

Auf eine Verurteilung wegen häuslicher Gewalt im Oktober 2004 angesprochen, meint er, seine Frau habe sich selbst verletzt. Sie habe sich selbst die Haare ausgerissen und dann sei auf einmal die Polizei da gewesen. Eine zweite Verweisung im November 2013 sei nach einem Streit erfolgt. „Ich habe damals die Verantwortung übernommen, nur damit die Familie wieder zusammenfindet“, sagt Jamek M., doch das sei ihm nicht gelungen.

Die Schuld am Streit gibt er seiner ältesten Tochter. Diese habe ihm nämlich erzählt, seine Frau habe etwas besseres gefunden als ihn, und sie werde sich etwas einfallen lassen, um ihn aus dem Haus zu entfernen. Diese Situation habe ihn krank gemacht. „Ich wurde depressiv und verlor jede Hoffnung“, meint er.

"Niemand wollte mir helfen"

Zu den Botschaften, in denen er seiner Frau drohte, er werde sie „von den Füßen nach oben in Stücke schneiden“, meinte er, das sei nicht so gemeint gewesen. Er habe das nie tun wollen, es sei ihm aber besser dadurch gegangen, dass er das auf Zettel geschrieben habe, die er dann seiner Frau in den Briefkasten warf. „Ich war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr normal“, beteuert er. „Aber niemand wollte mir helfen, auch die Ärzte nicht.“


Am 7. Januar 2015 schoss ein Mann in Esch/Alzette sechs Mal auf seine getrennt lebende Ehefrau.
"Ich schwöre bei Gott, ich werde dich zerstückeln"
Von langer Hand geplant, angekündigt und zielstrebig aus dem Hinterhalt ausgeführt. So fasste ein Ermittler am Dienstag vor Gericht den Mord an einer 48-jährigen Frau und Mutter von drei Kindern in Esch/Alzette zusammen.

Weit weniger ausführlich wird der 59-jährige Angeklagte allerdings, wenn es um die Bluttat selbst geht. Auf die Frage der Staatsanwaltschaft hin, ob er seine Frau erschossen habe und warum, meinte er, er könne sich nicht erinnern. Einen Grund, sie zu töten, habe er nicht gehabt. „Hier wurde so oft gesagt, dass ich es war, ich kann mit dem Schmerz nicht weiterleben“, sagt er. „Das war nicht ich selbst, das war jemand, der die Kontrolle über mich hat.“

Am Tatabend hatte Jamek M. die Tat jedoch im Polizeiverhör klar begründet: „Sie hat mich belogen, mich erniedrigt und mir alles weggenommen. Ich musste wie ein Hund auf der Straße leben, während sie sich mit anderen Männer aufhielt und mich schlecht machte“. Wenn sie Kontakt zu ihm gehalten und mit ihm geredet hätte, wäre es nicht dazu gekommen.

„Ausreden und Selbstmitleid“

Der Nebenkläger und Anwalt der Kinder der Familie des Opfers hebt in seinem Plädoyer hervor, er habe nicht ein einziges Wort der Entschuldigung vom Angeklagten gehört. Dieser habe nur Ausreden von sich gegeben. Jamek M. habe nur mit seinem eigenen Schicksal gehadert.


In einem Hinterhof in der Escher Rue du Fossé schoss der Täter dem Opfer zunächst zweimal in den Schulterbereich. Nach einer Ladehemmung feuerte er dann noch viermal aus nächster Nähe in den Kopf.
Zwischen Amnesie und Rechtfertigung
Das Verfahren um den gewaltsamen Tod einer 48-jährigen Frau neigt sich dem Abschluss zu. Von Einsicht und Schuldbewusstsein ist der Täter nach wie vor weit entfernt.

Dabei sei er ein kaltblütiger Mörder, der seine Familie über Jahre hinweg terrorisiert habe. Als die Mutter und die Kinder sich dann gewehrt hätten, habe er keinen anderen Weg mehr gesehen, als seine Frau zu töten. 

Im Namen der drei Kinder fordert er den symbolischen Euro Schadenersatz. Für die Schwester des Opfers und deren Sohn beantragte er jeweils 50.000 Euro.

„Kein Vorsatz sondern Affekttat“

Der Verteidiger von Jamek M. stellt indes wie schon zuvor im Prozessverlauf die Aussagen der Kinder infrage und spricht von regelrechten Grabenkämpfen mit ihrem Vater. Zur Tat meint er, er werde zwar keine Unzurechnungsfähigkeit anführen, eine Amnesie aufgrund des Schocks sei aber dennoch möglich. Der Mord sei im Affekt erfolgt, es gebe keinen Beweis für einen Vorsatz. Allerdings seien bedeutende mildernde Umstände in Betracht zu ziehen. Bewährung sei möglich und sollte großzügig ausgelegt werden, so der Verteidiger.

Am Dienstag wird der Prozess mit dem Strafantrag des Anklägers abgeschlossen.


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