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Das „Klibberen“ - eine liebgewonnene Tradition
Lokales 17 2 Min. 29.03.2013

Das „Klibberen“ - eine liebgewonnene Tradition

Ungewöhnliche, aber dennoch vertraute Klänge sind es, die am Karfreitag und am Karsamstag die Straßen der Städte und Dörfer erfüllen. Glockengeläut ist es bekanntlich nicht, da die Kirchengelocken derzeit schweigen. Stattdessen kündigen emsige „Klibberkanner“ den Gläubigen die Gottesdienste an.

(LW) - Ungewöhnliche, aber dennoch vertraute Klänge sind es, die am Karfreitag und am Karsamstag die Straßen der Städte und Dörfer erfüllen. Glockengeläut ist es bekanntlich nicht, da die Kirchengelocken derzeit schweigen. Stattdessen kündigen emsige „Klibberkanner“ den Gläubigen die Gottesdienste an. Womit wir dann auch schon beim Thema wären: das „Klibberen“.

Dem Volksmund zufolge sind die Kirchenglocken, die seit Gründonnerstag schweigen, nach Rom geflogen, um in Sankt Peter den Osterjubel anzustimmen und die Osterbeichte abzulegen. Bis zu ihrer „Rückkehr“ übernehmen traditionell die Messdiener oder die Dorfjugend die Aufgabe der zurzeit verstummten Kirchenglocken und rufen die Gläubigen zum Gebet, sprich kündigen die Gottesdienste an.

Brauch aus dem Mittelalter überliefert

Nachweisbar wurde der Brauch des „Klibberen“ aus dem Mittelalter bis in unsere heutige Zeit überliefert und soll auf die damals unglücklichen Leprakranken zurückzuführen sein. Berichtet wird, dass diese mit einem wallenden schwarzen Mantel und einem breitkrempigen schwarzen Hut bekleidet waren. In der linken Hand trugen sie einen langen Holzstab, der ausgestreckt die gesunden Mitbürger wegen der Ansteckungsgefahr auf Distanz halten sollte. In der anderen Hand dienten dazu sogenannte „Siechenklappen“, die einfach auch „Klibberen“ hießen. Das „Klibberen“ soll eben von diesem Brauch herstammen.

Mit unserem heutigen „Klibberen“ ist aber zumeist ein glücklicherer Umstand verknüpft, nämlich das Festhalten an liebgewonnenen Traditionen. Mit ihren „Klibberen“ – auch Karfreitagsratschen oder Drehratschen, Turmraffeln, Knarren oder hölzerne Klappergeräte genannt – ziehen Jungen und Mädchen an Karfreitag und Karsamstag morgens, mittags und abends durch ihre Dörfer und Städte. Um bei der „Klibberei“ im Takt zu bleiben, bestimmen Begleitrufe wie „d'Moiesklack laut“ oder „d'Klack laut éischt, zweet an zu af“ den Rhythmus.

Verdienten Lohn abholen

Und auch morgen, am Karsamstag, machen sie sich dann, vielerorts mit geschmückten Karren, wieder auf den Weg durch die Gassen und Straßen, um ihren wohlverdienten „Klibberloun“ (in Form von Eiern, Schokolade oder Geld) einzuklagen. In einigen Pfarreien verteilen die Messdiener zudem heiliges Weihwasser an die Menschen.

Da die jungen Menschen, vor allem bereits zu früher und später Stunde durch die Straßen ziehen, ergeht an dieser Stelle noch ein Appell an die anderen Verkehrsteilnehmer, doch bitte wachsam im Straßenverkehr zu sein und ein zusätzliches Auge für die „Klibberkanner“ zu haben.