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Das Herz und der Krebs
Lokales 3 Min. 18.08.2018

Das Herz und der Krebs

56 Prozent der Todesfälle 2016 in Luxemburg wurden in Krankenhäusern verzeichnet.

Das Herz und der Krebs

56 Prozent der Todesfälle 2016 in Luxemburg wurden in Krankenhäusern verzeichnet.
Foto: Anouk Antony
Lokales 3 Min. 18.08.2018

Das Herz und der Krebs

Elisabeth GILLEN
Elisabeth GILLEN
Es sind bedrückende Zahlen. Dennoch hat die Statistik des Gesundheitsministeriums über die Todeszahlen 2016 ihre Berechtigung: Gesundheitspolitik und Medizin verbessern.

Die Statistik verzeichnet 3.978 Todesfälle für das Jahr 2016; im Schnitt waren das elf Menschen pro Tag. Mit 93,3 Prozent sind fast alle Sterbefälle auf eine Krankheit zurückzuführen; am häufigsten sind, wie auch in den vorangegangenen Jahren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit einem Anteil von 31,8 Prozent. Im Jahr 2016 starben deshalb 1 264 Menschen. Damit ist diese Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 6,5 Prozent gestiegen; über zehn Jahre betrachtet sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Todesursache aber laut Gesundheitsministerium um gut fünf Prozent zurückgegangen.

Zweithäufigste Todesursache ist und bleibt der Krebs. 2016 sind 1.121 Menschen daran gestorben, das entspricht knapp einem Drittel aller Todesfälle. 50,9 Prozent davon waren Männer,49,1 Prozent Frauen. Am meisten verbreitet ist bei den Männern Lungenkrebs, gefolgt von Darmkrebs und Prostatakrebs. Bei den Frauen ist die Ursache der meisten Todesfälle Brustkrebs, gefolgt von Lungen- und Darmkrebs.

An dritter Stelle der Erkrankungen, die zum Tod geführt haben, stehen Atemwegerkrankungen. 298 Menschen sind 2016 in Folge einer solchen Krankheit verstorben.

Zahl der Suizide sinkt

Darüber hinaus nennt die Statistik 267 Sterbefälle, die nicht mit einer Krankheit oder einer natürlichen Todesursache in Zusammenhang zu bringen sind; davon waren mit einem Anteil von 61,1 Prozent hauptsächlich Männer betroffen. So mussten 2016 61 nachgewiesene oder mögliche Suizide verzeichnet werden; ein leichter Rückgang im Vergleich zu den Jahren 2011 bis 2015 mit durchschnittlich 80 Sterbefällen per anno.

Traurige Erkenntnis auch diesmal: Der Suizid bleibt die häufigste Todesursache unter den 25- bis 39-Jährigen. Auch Unfälle fasst das Gesundheitsministerium in dieses Kapitel: 55 Personen sind nach Stürzen gestorben, 38 durch Verkehrsunfälle.

Auf den ersten Blick erschreckend ist der Anstieg bei der Kindersterblichkeitsrate: 25 Kinder sind 2016 noch vor ihrem ersten Geburtstag gestorben; in den fünf Jahren davor waren es im Durchschnitt 15.

Aus diesen Zahlen lässt sich nach Auskunft des Gesundheitsministeriums aber nicht schließen, dass es eine steigende Tendenz gibt. Man müsse das Phänomen über mehrere Jahre hinweg beobachten: „Erst dann kann man den Schluss ziehen, dass mehr Kinder vor ihrem ersten Geburtstag sterben, und dann diesen Aspekt genauer untersuchen.“ Generell liegt die Kindersterblichkeitsrate in Luxemburg aber unter dem europäischen Durchschnitt.

Einfluss durch bessere Diagnostik

Ebenfalls zugenommen haben die Todesfälle im Zusammenhang mit Geistes- und Verhaltensstörungen: Sterbefälle aufgrund solcher Erkrankungen sind von 2011 bis 2016 von 99 auf 233 Fälle gestiegen. Hierfür nennt das Gesundheitsministerium mehrere Gründe. So beeinflussen zum Beispiel eine bessere Diagnostik oder höhere Lebenserwartung die Statistiken.

Außerdem wurde die Bedeutung der Demenz als Todesursache in der Definition der Weltgesundheitsorganisation nach und nach verstärkt. Da Geistes- und Verhaltensstörungen immer häufiger vorkommen, hat das Gesundheitsministerium einen Präventionsplan ausgearbeitet. Einige Maßnahmen sind zum Beispiel die Möglichkeit einer frühzeitigen Diagnose oder die Bemühungen, die Entwicklung der Krankheit zu verlangsamen.

Auch das zeigen die Zahlen: Mehr als die Hälfte aller Todesfälle im Jahr 2016 wurden in Krankenhäusern verzeichnet, fast ein Viertel in Altenheimen. Nur 17 Prozent der Menschen starben in häuslichem Umfeld. Und: Frauen leben im Schnitt länger als Männer. Im Jahr 2016 wurden Frauen im Schnitt 80 Jahre alt, Männer hingegen nur 76 Jahre.

Insgesamt weist man im Gesundheitsministerium darauf hin, dass nur die Abfolge und Auswertung mehrerer Jahresberichte konkrete Rückschlüsse möglich machen können. Hierfür müsse man eher die Tendenzen über einen längeren Zeitraum hinweg betrachten.


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