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Das geschah bisher: Ein Stausee ohne Trinkwasser
Lokales 3 Min. 02.10.2014

Das geschah bisher: Ein Stausee ohne Trinkwasser

Was für eine Idylle am Stausee, mag man beim Anblick dieses Bildes denken. Doch breitet sich in den unteren Wasserschichten das Pestizid aus.

Das geschah bisher: Ein Stausee ohne Trinkwasser

Was für eine Idylle am Stausee, mag man beim Anblick dieses Bildes denken. Doch breitet sich in den unteren Wasserschichten das Pestizid aus.
Gerry Huberty
Lokales 3 Min. 02.10.2014

Das geschah bisher: Ein Stausee ohne Trinkwasser

Mitte September laufen in Wallonien unweit der luxemburgischen Grenze 6000 Liter Pflanzenbekämpfungsmittel aus. Wenige Tage später findet sich das Pestizid im Obersauer-Stausee wieder. Eine Chronik.

(ks) - Mitte September laufen in Wallonien unweit der luxemburgischen Grenze 6000 Liter Pflanzenbekämpfungsmittel aus. Wenige Tage später findet sich das Pestizid im Obersauer-Stausee wieder. Eine Chronik.

17. September: Im wallonischen Witry, etwa 20 Kilometer von der belgisch-luxemburgischen Grenze entfernt, laufen rund 6000 Liter eines Pflanzenvernichtungsmittel aus der Feldspritze eines Landwirts aus. Das Rapsherbizid Metazachlor gelangt in den nahegelegenen Bach Moyémont, einem Zufluss der Sauer, die in den Obersauer-Stausee führt.

18. September: Die luxemburgischen Behörden werden über den Vorfall in Wallonien informiert.

23. September: Das Umweltministerium macht den Fall öffentlich und gibt bekannt, dass erste Analysen bereits am 19. September zeigten, dass die Sauer leicht belastet ist. Das gewonnene Trinkwasser sei sauber.

Täglich wird an fünf Stellen im See Wasser entnommen, um es auf das Pestizid zu testen.
Täglich wird an fünf Stellen im See Wasser entnommen, um es auf das Pestizid zu testen.
Jacques Ganser

26. September: Das Umweltministerium teilt mit, dass die im See entdeckten Pestiziden nicht von dem Vorfall aus Belgien stammen, sondern dass vielmehr "andere landwirtschaftliche Quellen" dafür verantwortlich sind. Die Behörden raten präventiv davon ab, Fisch aus dem Obersauer-Stausee zu essen.

29. und 30. September: Das Pestizid aus Belgien ist im Stausee angelangt und breitet sich vor allem in den unteren Wasserschichten aus. Mehrere hundert Meter in Richtung Staumauer, wo das Wasser zur Aufbereitung entnommen wird, hat es bereits zurückgelegt. "Sollte keine Änderung eintreten, bleiben die oberen Wasserschichten vom Pestizid unbelastet und können für die Trinkwasseraufbereitung genutzt werden. Parallel kann die Verschmutzung durch einen erhöhten Grundabfluss des Stauseewassers ausgetragen werden", heißt es noch hoffnungsvoll beim Trinkwassersyndikat Sebes.

1. Oktober: Das Pestizid wandert weiter, bleibt laut Sebes in den unteren Wasserschichten des Sees. Im parlamentarischen Umweltausschuss ziehen Staatssekretär Camille Gira und Agrarminister Fernand Etgen eine erste Bilanz. Laut Gira sieht es danach aus, dass Luxemburg "mit einem blauen Auge" davonkommt. Dennoch blieben alle alternativen Lösungen zur Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser auf "Stand-by".

2. Oktober: Am letzten Messpunkt vor der Talsperre wird das Pestizid in einer Tiefe von 15 bis 25 Metern nachgewiesen. Sebes rechnet damit, dass erste Spuren des Pflanzenvernichtungsmittels in den nächsten Tagen an der Staumauer auftreten. An dieser Stelle wird das Wasser zur Aufbereitung entnommen. Aus präventiven Gründe werde das Syndikat ab dem 3. Oktober, 12 Uhr kein aufbereitetes Wasser aus dem Stausee mehr ins luxemburgische Netz einspeisen, kündigt Sebes an.

3. Oktober: Umweltministerin Carole Dieschbourg beschwichtigt: Luxemburg verfügt über genügend Trinkwasser. Das Anzapfen der Grundwasserquellen sei über Wochen und Monate möglich.

6. Oktober:Nichts Neues an der Wasserfront: Das Pestizid konnte noch nicht an der Talsperre nachgewiesen werden. Dennoch bleibt es dabei, dass weiterhin kein Wasser aus dem Stausee ins luxemburgische Netz eingespeist wird.

10. Oktober: Die Grundbelastungen im luxemburgischen Wasser, das zur Aufbereitung genutzt wird, sind höher als gedacht - möglicherweise seit Jahren. Die Regierung beantragt bei der EU-Kommission eine Erhöhung der Grenzwerte für das Pestizid Metazachlor. Das Wasser aus dem Stausee wird wieder genutzt, um Trinkwasser daraus zu gewinnen.

15. Oktober: Die Regierung schiebt in einem LW-Artikel die Verantwortung für die generelle Belastung des Wassers in Luxemburg auf die Bauern. Diese wiederum fordern verlässliche Informationen über die Pestizide von der Chemie-Industrie.

4. November: Das Umweltministerium legt neue Analyseergebnisse vor. Demnach ist ein Drittel der Trinkwasserquellen derart pestizidbelastet, dass der vorgegebene Grenzwert überschritten wird.

Unser Dossier zum Thema finden Sie an dieser Stelle.


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