Das Ende der Spur Flammang

Johny Michels gab an, er habe Henri Flammang bei den Vorbereitungen zum Anschlag am Staffelter erwischt.
Johny Michels gab an, er habe Henri Flammang bei den Vorbereitungen zum Anschlag am Staffelter erwischt.

(str) - Mit dem denkwürdigen Auftritt von Johny Michels am Dienstag im Zeugenstand dürfte nun auch die Spur Henri Flammang endgültig erloschen sein. Hartknäckig hatten sich vor allem innerhalb des Sicherheitsapparats über Jahre hinweg die Gerüchte zu einer möglichen Tatbeteiligung des Waffenmeisters der Polizei Henri Flammang gehalten.

Hintergrund waren dessen Sammelleidenschaft für Waffen und Militaria jeglicher Couleur, seine Ansichten zu einer Bedrohung durch den Kommunismus und vor allem sein Freitod, zum Zeitpunkt, als die Aufdeckung seiner umfangreichen illegalen Waffensammlung drohte.

Befeuert wurden die Gerüchte zudem durch eine Ausbildung in unkonventionellen Sprengtechniken, die Flammang absolviert hatte. Fakt ist allerdings, dass er diese Fortbildung erst 1987 absolvierte, also nach den Anschlägen – eine Tatsache, die offensichtlich gut und gerne ignoriert wurde.

Direkt belastet wurde Flammang im Zusammenhang mit den Bombenattentaten von zwei Zeugen: André Steffen und Johny Michels.

Kein Hinweis auf Attentate

Steffen hatte ausgesagt, ein Gespräch von Kriminalpolizisten belauscht zu haben, bei dem es hieß, der Bommeleeër habe Selbstmord begangen und in einem Abschiedsbrief ein Geständnis abgelegt. Später setzte Steffen die Aussagen in Zusammenhang mit dem Selbstmord von Henri Flammang.

Die betroffenen Polizisten bestritten im Zeugenstand, dass je ein solches Gespräch stattgefunden habe. Aus dem Ermittlungsdossier geht zudem hervor, dass keinem der Abschiedsbriefe von Flammang ein Hinweis auf die Attentate zu entnehmen ist. Ein negatives Ergebnis erbrachte zudem ein linguistisches Gutachten, mit dem überprüft wurde, ob Flammang als möglicher Verfasser der Erpresserbriefe in Frage kommt. Auch ein DNA-Abgleich erbrachte kein Ergebnis.

Nur ein Produkt der Fantasie

Hauptbelastungszeuge gegen Flammang im Bommeleeër-Prozess war jedoch Johny Michels, der 2005 gegenüber der Kriminalpolizei, 2011 gegenüber RTL und 2012 gegenüber dem „Luxemburger Wort“ mit stets zunehmenden Detailreichtum erklärt hatte, er habe Flammang und einen weiteren Polizisten bei den Vorbereitungen zu einem Attentat am Staffelter auf frischer Tat erwischt.

Michels Aussagen machten von Beginn an einen abenteuerlichen Eindruck. Nach seiner Aussage am Dienstag vor der Kriminalkammer scheint es offensichtlich, dass seine Beschuldigungen nur ein Produkt seiner Fantasie waren. Die Spur Flammang dürfte hiermit begraben sein.