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Das Bommeleeër-Bilderrätsel
Lokales 5 Min. 15.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Das Bommeleeër-Bilderrätsel

Wer ist der Mann auf dem Bild? Private Fotos von Wilmes (links) und Weydert (rechts).

Das Bommeleeër-Bilderrätsel

Wer ist der Mann auf dem Bild? Private Fotos von Wilmes (links) und Weydert (rechts).
Lokales 5 Min. 15.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Das Bommeleeër-Bilderrätsel

Das Rätselraten um das Foto von zwei BMG-Beamten ist am Mittwoch in die nächste Runde gegangen. Sowohl Jos Wilmes wie auch Marcel Weydert reichten nämlich Privatfotos ein, mit denen sie belegen wollen, dass sie der Mann neben Marc Scheer auf dem LW-Foto sind. Interessant war am 114. Verhandlungstag aber auch eine Aussage von Ex-BMG-Hundeführer François Hentzen zu Jos Steil.

(str) - Das Rätselraten um das Foto von zwei BMG-Beamten ist am Mittwoch in die nächste Runde gegangen. Sowohl Jos Wilmes wie auch Marcel Weydert reichten nämlich Privatfotos ein, mit denen sie belegen wollen, dass sie der Mann neben Marc Scheer auf dem LW-Foto sind. Interessant war am 114. Verhandlungstag aber auch eine Aussage von Ex-BMG-Hundeführer François Hentzen zu Jos Steil.

Das Bild von LW-Fotograf Lé Sibenaler zeigt zwei Männer. Einer ist unschwer als Marc Scheer zu erkennen - links auf dem Foto. Bei dem zweiten Mann scheiden sich allerdings die Geister: Sowohl Jos Wilmes wie auch Marcel Weydert behaupteten in der Verhandlung am Dienstag der Mann rechts im Bild zu sein. Fakt ist, dass Wilmes und Weydert sich Mitte der 80er Jahre ziemlich ähnlich sahen. Das Bild ist nicht ganz scharf, denn es handelt sich um einen Ausschnitt aus einer Aufnahme bei der ein ganz anderer Mann im Vordergrund stand. Die zwei BMG-Beamten mit dem weißen Plastikkanister gaben damals wohl ein besseres Motiv ab.

Das "Luxemburger Wort" hatte sich bereits am 16. Juni 2012 mit der Frage beschäftigt, wer neben Marc Scheer auf dem Bild zu sehen ist. Aus dem Ermittlungsdossier der Kriminalpolizei ging hervor, dass es sich um Jos Wilmes handeln würde. Damaligen Informationen vom "Luxemburger Wort" zufolge, handelte es sich aber um Marcel Weydert. Die Frage wird wohl in Kürze vor der Kriminalkammer beantwortet werden.

Drei Zeugen waren am Mittwoch geladen. Allesamt waren sie Mitglieder der Gendarmerie-Einheit „Brigade Mobile“. Romain Immer ist heute noch immer bei der Polizei-Spezialeinheit. Claude Carelli und François Hentzen waren zur Zeit der Anschläge BMG-Hundeführer.

„Säckdréier!“

Hentzens Aussage war es, die wohl die größte Aufmerksamkeit erregte. Er erzählte nämlich, dass nachdem er am 7. November 1985 aus dem Urlaub zurückgekehrt war, ein Briefing stattfand, bei dem Jos Steil von anderen Gendarmen oder Polizisten in die Mangel genommen wurde. „Well de Steil si bäi der Geiben-Observatioun bäilafe gelooss hat“, betonte der Zeuge. “Den Här Steil huet en erbärmlechen Androck gemach, sou wéi e klenge Jong, dee bäi enger Ligen erwëscht gouf.“ Bei der Diskussion sei es laut hergegangen. Man könne schon fast von einem Streit sprechen, meinte Hentzen.

Das Wort „Säckdréier“ sei gefallen. Wer eine derartige Wut auf Steil hatte, wusste der Zeuge nicht mehr. Es sei aber möglich, dass der Polizist Georges Zenners einer der Kontrahenten war, betonte er. Auch an das Datum konnte Hentzen sich nicht erinnern. Es könne sich aber um eine Versammlung zur Vorbereitung des Gipfeltreffens in Kirchberg gehandelt haben. Bisher hatte es immer geheißen, die Geiben-Beschattung sei nie wieder ein Thema in der Gendarmerie gewesen.

Hentzen und Scheer in der Presse-Bar

Als die Bombe beim Gipfeltreffen explodierte, habe Marc Scheer neben ihm in der Presse-Bar gesessen, sagte Hentzen. Scheer, deen er als „mäi beschte Frënd“ bezeichnete, sei ohne Unterbrechung in der Bar gewesen und erst nach dem Knall rausgerannt. Mit Scheer sei er zur Schule, zur Armee, zur Gendarmerie und schließlich zur Brigade Luxemburg gegangen. Weniger freundschaftlich gesinnt war Hentzen dem Waffenmeister der Polizei, Henri Flammang, der seiner Auffassung nach in Sachen Munition und „Booby Traps“ sehr bewandert gewesen sei. Beim Gipfeltreffen am Kirchberg sei ein neuer Hund aus England bei der Suche nach Sprengstoff zum Einsatz gekommen, erzählte Hentzen. Der Hund habe in einem Saal plötzlich angeschlagen. Es habe sich dann herausgestellt, dass Flammang ein Magazin mit Munition versteckt hatte – um den Hund zu testen. „Maach, datt deen dech deemools net gelénkt huet“, habe Hentzen später gedacht, sagte er, ohne den Gedanken weiter auszuführen. Auch der Zeuge Romain Immer sagte am Mittwoch, er habe sich über Flammang als möglichen Täter Gedanken gemacht.

Thema in der Verhandlung am Mittwoch war auch ein Brief, den die BMG-Mitglieder geschlossen und offenbar hinter dem Rücken ihres Chefs Reuland an den Gendarmerie-Kommandanten Harpes geschickt hatten. Romain Immer erinnerte sich zwar am Mittwoch nicht an den Brief, aber sehr wohl daran, dass es nach dem Weggang von Geiben eine gewisse Unzufriedenheit in der BMG gegeben habe. Er könne sich vorstellen, dass sich vielleicht erwartet wurde, dass der Brief eher das gewünschte Ergebnis erbracht hätte, als wenn „den Här Reuland bei den Här Harpes gepilgert wier“. Scheer bemühte sich in diesem Zusammenhang klarzustellen, dass es sich bei dem Brief nicht um eine Beschwerde, sondern um eine Bitte gehandelt habe. „Éischter fir den Här Reuland ze ënnerstëtzen, wéi fir him eng auszewëschen“, betonte er.

Mit „Jupiter“ in Echternach

Romain Immer betonte auf eine Frage der Richterin hin, dass es nicht üblich gewesen sei, jemand aus dem Urlaub zurück zum Dienst zu beordern, bei „Récup“-Tagen sei das aber öfters vorgekommen. Marcel Weydert hatte am Dienstag ausgesagt, er sei trotz seines Urlaubs zum Anschlagsort in den Kasematten beordert worden. Eigentlich hätte sich die Leitstelle nämlich an Schickes und ihn wenden müssen, unterstrich Immer. Sie hatten Bereitschaftsdienst. Zuvor seien sie mit „Jupiter“ – der Codename für den Großherzog – in Echternach gewesen. Auch Scheer bekräftigte, dass er nicht nachvollziehen könne, warum Weydert zum Tatort bestellt worden sein könnte. Außerdem widersprechen auch die Einträge im BMG-Logbuch der Darstellung von Weydert. Letzterer war damals wohl längere Zeit im Urlaub.

Zu Beginn der Sitzung war am Mittwoch Claude Carelli angehört worden. Carelli war von 1982 bis 2001 Hundeführer. Die „Section canine“ habe nie viel mit dem Rest der BMG zu tun gehabt, erläuterte er. Die Einheit sei zwar der BMG verwaltungstechnisch zugeteilt gewesen, habe aber eigene Missionen gehabt. So habe er auch kaum etwas von den Ermittlungen im Bommeleeër-Dossier mitbekommen. Zu der Zeit habe man viele Stunden gearbeitet. Man sei hauptsächlich im Patrouillendienst im Zusammenhang mit den Banküberfällen der „Waldbëlleger“ eingebunden gewesen. Neben ihren üblichen Aufgaben seien die Hundeführer zudem oft anderweitig als Unterstützung angefordert worden.

Heute verspricht, der Prozess erneut interessant zu werden. Zunächst soll nämlich die Anhörung von Marcel Weydert weitergeführt werden. Anschließend sind die BMG-Mitglieder Fränk Birmann und Bernard Reuter vorgeladen.


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