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Damit die Korn ihr Krankenbett verlässt
Lokales 1 3 Min. 24.01.2019

Damit die Korn ihr Krankenbett verlässt

Von einem Sprung in die Korn ist derzeit nicht nur wegen der Kälte abzuraten. Der Zustand des Gewässers ist so, dass es untersagt ist, darin zu baden.

Damit die Korn ihr Krankenbett verlässt

Von einem Sprung in die Korn ist derzeit nicht nur wegen der Kälte abzuraten. Der Zustand des Gewässers ist so, dass es untersagt ist, darin zu baden.
Foto: Claude Piscitelli
Lokales 1 3 Min. 24.01.2019

Damit die Korn ihr Krankenbett verlässt

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Die Korn als Patient. Dem Bach wird nun eine neue Therapie verschrieben. Dies in Form einer Flusspartnerschaft. Von Verschmutzung ist der Bachlauf in seiner Geschichte nicht verschont geblieben.

„Manchmal war sie schwarz, manchmal dunkelbraun, manchmal grün. Wenn der Metzger gerade geschlachtet hatte, war sie rot. Und sie stank“, so hat Roland Breyer, Präsident des Syndicat intercommunal pour l'assainissement du Bassin de la Chiers (SIACH), die Korn während seiner Jugend wahrgenommen.

 Rot dürfte die Korn länger nicht mehr gewesen sein, sie ist aber immer noch weit davon entfernt, als sauber bezeichnet werden zu können. Baden ist weiterhin aus Gesundheitsgründen im Bach untersagt. Die Tierwelt bilden lediglich Arten, die in verschmutzten Gewässern überleben. 

Um dies zu verbessern, wurde gestern in der Petinger Kläranlage ein Flusspartnerschaftsvertrag unterzeichnet. Unterzeichner sind die vier Korntalgemeinden Differdingen, Käerjeng, Petingen und Sassenheim sowie das Umweltministerium und das SIACH.

Korn als Abflusskanal

Der kleine Bach, dessen Quelle in Oberkorn liegt und der am Dreiländereck das Land schon wieder verlässt, hat es in der dicht besiedelten Region mit viel Industrie nicht einfach.

Dies auch, weil das Bachbett lange als Art Abflusskanal missbraucht wurde: Regenwasser und Abwasser aus dem Raum Differdingen waren nicht getrennt und wurden gemeinsam zur Petinger Kläranlage gespült.

Besser getrennt

An diesem Standort werden die geklärten Abwasser aus der Petinger Kläranlage in die Korn gespült. Der Betreiber der 
Anlage, das Syndikat SIACH, wird die Arbeiten der Flusspartnerschaft koordinieren.
An diesem Standort werden die geklärten Abwasser aus der Petinger Kläranlage in die Korn gespült. Der Betreiber der 
Anlage, das Syndikat SIACH, wird die Arbeiten der Flusspartnerschaft koordinieren.
Foto: Claude Piscitelli

Erst seit vergangenem Jahr ist dies nicht mehr der Fall. An den Bau der Rocade in Differdingen war nämlich auch ein weiteres Projekt geknüpft: Die Verlegen von getrennten Leitungen unterhalb des Areals von ArcelorMittal, um das Wasser aus Differdingen und Zolver nach Petingen zu spülen.

Wie der Direktor der Petinger Kläranlage, Raymond Erpelding, am Donnerstag erklärte, sind diese Arbeiten nun abgeschlossen. Entsprechend dürfte die Korn nun sauber zwischen dem Kornsprung, unterhalb des Ronnebierg, und der Grenze sein.

Causa Kronospan


Das verschmutzte Rückhaltebecken unterhalb des "Kronospan"-Werks. Foto: Guy Jallay
Verschmutzung der Korn: Trübe Aussichten
Es könnte ein Fallbeispiel sein für vernachlässigten Gewässerschutz: Die Verschmutzung der Korn wirft viele Fragen auf. Mitverursacher soll eine Spanplattenfirma aus Sanem sein.

Zumindest wenn auch die Industrie mitspielt. So war im Juli vergangenen Jahres der Bach gekippt, dies, weil Industrieabwässer der Firma Kronospan in den Bachlauf abgelassen worden waren. Darauf angesprochen sagte Umweltministerin Carole Dieschbourg am Donnerstag, dass Kronospan verordnet wurde, Anpassungen durchzuführen.

Auch wurde ein Comité d'accompagnement, mit Vertretern der Firma, ins Leben gerufen. Die Situation habe sich seitdem wieder verbessert.

Carole Dieschbourg erinnerte in dem Zusammenhang auch daran, dass Bürger, denen eine Umweltverschmutzung auffällt, dies dank vorgefertigter Formulare an die zuständigen Behörden weiterleiten können. Diese Formulare sind unter anderem online auf www.guichet.lu zu finden.

Weitere Deponie geplant

Auch in Hinblick auf das Projekt von ArcelorMittal und Cloos, eine Deponie für Stahlwerksreststoffe auf dem Gelände der Schlackenhalde hinter dem Werk zu betreiben, versicherte die Ministerin, dass die Wasserproblematik streng im Vorfeld geprüft werde. Dies gelte allgemein für alle neuen Projekte.

„Das haben wir immer so gemacht“

Doch die Verschmutzung der Korn alleine auf die Industrie abzuwälzen, würde zu kurz greifen. Auch manch ein Einwohner ist nicht immer respektvoll mit dem Bach umgegangen.

„Zum Teil gibt es immer noch Leute, deren Gärten an die Korn grenzen und die dort ihren Abfall entsorgen“, weiß Roland Breyer zu berichten. „Wenn man sie darauf anspricht, sagen sie: ,Das haben wir immer so gemacht‘“. Deshalb sei es wichtig, die Mentalitäten zu ändern.


Kläranlage Petingen. SIACH. Foto: Guy Wolff
Kläranlage unter künstlicher Beatmung
Die Petinger Kläranlage ist am Limit. Zeitweilig sind ihre Wasserablaufwerte nicht konform, wodurch auch die Wasserqualität der Korn leidet. Ein Ausbau soll nun Abhilfe schaffen.

So liegt eines der Hauptziele der Flusspartnerschaft in der Informierung und Sensibilisierung der Bevölkerung über den Bachlauf. Dafür wird das SIACH einen halben Posten schaffen. Das Ministerium übernimmt 50 Prozent der Kosten. Es ist dies bereits die sechste Flusspartnerschaft in Luxemburg. Angedacht wird auch langfristig eine Zusammenarbeit mit den Grenzgemeinden.

Maas statt Rhein

Denn die Korn fließt nur über eine kurze Distanz in Luxemburg, ehe sie nach einer Reise von etwa 122 Kilometern nahe Sedan (F) in die Maas mündet. Damit ist die Korn der einzige Flusslauf Luxemburgs, der nicht zum Einzugsgebiet des Rheins zählt.


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