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Cybermobbing: So können Betroffene sich wehren
Wer Opfer einer Straftat wird, hat das Recht, Anzeige zu erstatten. Das gilt auch bei Cybermobbing.

Cybermobbing: So können Betroffene sich wehren

Foto: Shutterstock
Wer Opfer einer Straftat wird, hat das Recht, Anzeige zu erstatten. Das gilt auch bei Cybermobbing.
Lokales 2 Min. 20.02.2018

Cybermobbing: So können Betroffene sich wehren

Diane LECORSAIS
Diane LECORSAIS
Beleidigungen, Belästigungen, Erpressung: Die Polizei und die Beratungsstelle Bee Secure sehen sich zunehmend mit Fällen von Cybermobbing konfrontiert. Ein neuer Ratgeber soll Kindern und Jugendlichen helfen, dagegen vorzugehen. Etwa, indem sie Anzeige erstatten.

„Mobbing im Schulhof hat es immer schon gegeben. Das Problem ist, dass es sich nun zunehmend ins Internet verlagert, wo es sich viel stärker multipliziert und die Spuren nicht wieder verschwinden“, erklärt Georges Metz vom Service national de la jeunesse (SNJ). Plötzlich sind es also nicht mehr nur die umstehenden Schüler, die es mitbekommen. Sondern im schlimmsten Fall die ganze Schule.

So haben die Mitarbeiter des Kanner-Jugendtelefon (KJT) denn auch regelmäßig mit Fällen von Mobbing und Cyberbullying zu tun. „Kinder rufen an, weil sie beleidigt werden, geschubst, mit Papierkugeln beworfen, mit Nachrichten auf dem Handy belästigt“, berichtet Barbara Gorges-Wagner vom KJT. „Cyberbullying heißt, dass heimliche Nacktfotos verbreitet werden, dass man bloßgestellt wird, Gerüchte in die Welt gesetzt werden, man beschimpft wird und bedroht.“

Wir hatten Neunjährige, die angerufen haben und sagten, dass sie nicht mehr leben wollen.“

Erschwerend kommt hinzu, dass das Phänomen nach Schulschluss nicht aufhört: „Cyberbullying endet nicht an der Haustür. Es gibt keine Schutzzone“, so Barbara Gorges-Wagner. Eine Situation, die dramatische Konsequenzen nach sich ziehen kann, weiß die Leiterin des Kanner-Jugendtelefon: „Wir hatten Neunjährige, die angerufen haben und sagten, dass sie nicht mehr leben wollen.“

Schuldgefühle, Angst und Scham

Doch wer im Internet belästigt wird, der kann etwas dagegen tun. „Es gibt Hilfe. Aber man muss sie sich holen“, sagt Barbara Gorges-Wagner. Oft würden nämlich Schuldgefühle, Angst und Scham das Opfer daran hindern, sich Unterstützung zu holen. Betroffenen wird jedoch geraten, sich unbedingt an eine Person ihres Vertrauens zu wenden, an die Bee Secure Helpline unter der Telefonnummer 8002 1234 oder aber an das Kanner-Jugendtelefon unter der 116 111 – kostenlos und anonym. Und gegebenenfalls Anzeige zu erstatten.

Den Begriff Cybermobbing findet man zwar so nicht im Gesetz – doch werden dabei sehr verschiedene Artikel im Strafgesetzbuch berührt, wie Bob Leesch von der Polizei erklärt: von Belästigung, Stalking, Verleumdung, Verletzung der Privatsphäre über Veröffentlichung persönlicher Daten, rassistischen Äußerungen bis hin zum Verstoß gegen den Kinder- und Jugendschutz.

Täter zur Rechenschaft ziehen

Mit dem gemeinsam von Polizei und Bee Secure ausgearbeiteten Flyer wolle man Betroffenen daher folgende Botschaft übermitteln: Wer Opfer einer solchen Straftat wird, soll sich an die Polizei wenden. „Oft gibt es eine Hemmschwelle, wenn es darum geht, zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten. Der Flyer soll Betroffenen zeigen, dass es eigentlich relativ einfach ist, sich an eine Polizeidienststelle zu wenden“, erklärt Bob Leesch. Dabei gehe es einerseits darum, dass ein solches Verhalten strafrechtliche Folgen für den Täter mit sich bringt, andererseits aber auch um das Wohlbefinden des Opfers.

Manchmal reichen jedoch auch schon weniger drastische Schritte aus, um sich gegen Mobbing zu wehren. „Man kann auch schon sehr viel selber erreichen“, erklärt Eric Krier von Bee Secure. Auf dem Flyer sind denn auch verschiedene Lösungsansätze aufgelistet, die Abhilfe schaffen können. Dies beginnt beim Blockieren von Kontakten über das Ändern von Passwörtern bis zum Sicherstellen von Beweisen. Der Ratgeber von Bee Secure ist ab sofort in sämtlichen Polizeidienststellen des Landes erhältlich und wird ferner in den Schulen, Jugendhäusern und Beratungsstellen verteilt. Das Dokument, auf Deutsch und Französisch verfasst, steht außerdem hier auf der Internetseite von Bee Secure zum Download bereit.