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Cui prodest: Wem nützt das Verbrechen?
Lokales 2 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Cui prodest: Wem nützt das Verbrechen?

Die Antwort auf die Frage "Cui produit?" fällt den Ermittlern inzwischen leicht: den Ordnungshütern.

Cui prodest: Wem nützt das Verbrechen?

Die Antwort auf die Frage "Cui produit?" fällt den Ermittlern inzwischen leicht: den Ordnungshütern.
Lokales 2 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Cui prodest: Wem nützt das Verbrechen?

Fast so schleierhaft wie die Identität der „Bommeleeër“ war auch ihr Motiv. Die Attentatsserie hatte genau so überraschend begonnen, wie sie wieder aufhörte. Dies stellt auch die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift fest: „Le fait est que la série d'attentats a commencé (…) de manière inexplicable qu'elle s'est arrêtée“

(ham) - Fast so schleierhaft wie die Identität der „Bommeleeër“ war auch ihr Motiv. Die Attentatsserie hatte genau so überraschend begonnen, wie sie wieder aufhörte. Dies stellt auch die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift fest: „Le fait est que la série d'attentats a commencé (…) de manière inexplicable qu'elle s'est arrêtée“.

Auch die Erpresserbriefe, mit denen sich die Täter nicht zurückhielten, ließen keine Schlüsse auf die Hintergründe der Tat zu. Sechs von acht Briefen richteten sich direkt an die Cegedel. Im Endeffekt war aber kein einziges Lösegeld geflossen.

237 neue Beamte

„Terroristischer Natur“ seien die Attentate auch nicht gewesen, da sich in den Wortmeldungen der Täter nie politische Forderungen wiederfanden. Allerdings stellt die Staatsanwaltschaft fest, dass die „Urheber der Attentate“ von Beginn an den Staat im Visier hatten – genauer gesagt: die Gendarmerie. Dennoch seien die Taten nie ausgeübt worden, um finanzielle, terroristische oder politische Ziele durchzusetzen, bemerkt die Staatsanwaltschaft in Kapitel IV „A qui profite le crime?“.

Aufhorchen lassen dürfte wohl die Aussage des damaligen beigeordneten Staatsanwalts, Jean-Marie Hary, vor der Untersuchungsrichterin: „Was mich persönlich stutzig gemacht hat, ist der Umstand, dass, nachdem 100 zusätzliche Gendarmen eingestellt worden waren, die Serie der Sprengstoffanschläge aufhörte.“

Tatsächlich wurden die finanziellen Mittel der Ordnungskraft in fünf Haushaltsperioden ab 1986 um 64 Prozent erhöht. In dem gleichen Zeitraum wurden 237 neue Beamte eingestellt, was einer Erhöhung des Personalbestands um 28 Prozent entspricht.

So ginge auch aus den Ermittlungen hervor, dass „unzählige Personen, die in der einen oder anderen Manier mit den Ermittlungen zu tun hatten, der Ansicht waren, dass – einzig – die Ordnungskräfte von den Attentaten profitiert hatten.“

Grenzenloser Unmut

Allerdings relativiert die Staatsanwaltschaft in dem Dokument auch wieder die Umstände, indem sie die sozio-politische Lage der entsprechenden Jahre anführt. So habe nicht nur die sogenannte „Jahrhundertaffäre“ das Land in Atem gehalten, sondern auch die „Waldbilliger Bande“. Bis Ende 1985 konnten letztere rund 20 gewaltätige Überfälle auf Banken, Tankstellen und andere Etablissements begehen.

Als dann am 30. Oktober auch noch ein Polizist von Carlo Fett erschossen wurde, kannte der Unmut in Reihen der Ordnungskräfte keine Grenzen mehr. Zu den Forderungen damals zählten mehr Material, ein Aufstocken des Personalbestands und die Modernisierung der Ermittlungstechniken.

Die Staatsanwaltschaft schließt das Kapitel denn auch mit der Schlussfolgerung, dass sämtliche Empfehlungen der damals einberufenen „Commission de sécurité publique“ von der Regierung auch umgesetzt wurden. Neben der Aufstockung der Beamten und Finanzmittel wurden u.a. auch ein moderneres Kommunikationssystem, schusssichere Westen, moderne Munition und ein besseres Informatiksystem eingeführt.