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Corona-Virus: So wird in Luxemburg getestet
Lokales 1 4 Min. 11.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Corona-Virus: So wird in Luxemburg getestet

Sicherheitsstufe drei: Das Speziallabor, in dem die Corona-Viren untersucht werden, unterliegt strengsten Sicherheitsbestimmungen.

Corona-Virus: So wird in Luxemburg getestet

Sicherheitsstufe drei: Das Speziallabor, in dem die Corona-Viren untersucht werden, unterliegt strengsten Sicherheitsbestimmungen.
LNS
Lokales 1 4 Min. 11.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Corona-Virus: So wird in Luxemburg getestet

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Das nationale Gesundheitslaboratorium LNS ist seit Ende Januar offiziell validiert, um Corona-Tests durchzuführen. Chef-Virologe Dr. Trung Nguyen Nguyen mit Erklärungen.

Der eigentliche Corona-Virentest erfolgt über einen Abstrich des Nasen- oder Rachenraumes. Die Probe wird dann  in eine Drei-Komponenten-Verpackung gesteckt: Ein Tupferrohr, welches sich in einem verschraubten, wasserdichten Plastikröhrchen befindet, das ganze wiederum eingepackt in eine Styroporbox. Das Virus wird anschließend im nationalen Gesundheitslaboratorium LNS in einer eigens abgesicherten Abteilung chemisch abgetötet und dessen Erbgut isoliert. 

Mit einem speziellen Verfahren, das als RT-PCR oder "Real time Polymerase chain reaction" bezeichnet wird, werden die einzelnen Abschnitte des Virus-Erbgutes, also dessen RNA, so oft vervielfältigt, bis sie im Messgerät nachweisbar sind. In Echtzeit wird dann der charakteristische Fingerabdruck des Virus erkannt und grafisch dargestellt. Das Verfahren wird auch bei Vaterschaftstests oder Gentests im Zuge der Gerichtsmedizin angewendet.

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Die ersten Tests, die in Düdelingen durchgeführt wurden, mussten noch durch einen zweiten Nachweis in Rotterdam bestätigt werden. Nach fünf bestätigten positiven und zehn bestätigten negativen Tests erhielt das LNS schließlich die Validierung als Referenzlaboratorium. Eine zweite Überprüfung in einem anderen Referenzlabor ist damit nicht mehr notwendig. 

Dr.Trung Nguyen Nguyen leitet die Virologie am LNS.
Dr.Trung Nguyen Nguyen leitet die Virologie am LNS.

Dr. Trung Nguyen Nguyen, was geschieht mit den medizinischen Proben, die hier angeliefert werden? 

Wenn die versiegelten Analyseproben hier eintreffen, werden sie zuerst digital erfasst um sie den Patienten zuordnen zu können. Die dreifach verpackten Teststäbchen werden anschließend in einem Sicherheitsraum der Stufe drei geöffnet. Das Virus wird dann auf chemischen Wege desaktiviert, sodass es nicht mehr infektiös ist. Alle weiteren Untersuchungsschritte erfolgen also nur mehr am inaktiven Virus. 

Wie genau identifiziert man dann das Virus?

Ist das Virus inaktiviert, wird es geöffnet und das Erbmaterial, in diesem Falle die RNS (Ribonukleinsäure) isoliert. Da das Virus bereits wenige Wochen nach seinem Auftauchen von Wissenschaftlern genetisch komplett ausgelesen wurde, kann man es anhand dieses speziellen Fingerabdrucks identifizieren. Es gibt mehrere hundert Corona-Viren, die wir nachweisen können. Aber nur dieses spezifische Corona-Virus, nach dem wir suchen, hat diesen charakteristischen genetischen Fingerabdruck, welcher es von allen anderen Viren unterscheidet. In einem speziellen Verfahren, das sich PCR (Polymerase chain reaction) werden Teile dieses Fingerabdrucks so oft vervielfältigt, bis sich genug Substanz zum Nachweis bildet. Früher erfolgte diese Prozedur, die 1983 entwickelt wurde in mehreren, langwierigen Schritten. Heute können modernste Geräte, wie sie im LNS zur Verfügung stehen, dies in Echtzeit bewältigen. Eine nach oben verlaufende Kurve im Schirm des Messgerätes zeigt mir dann Anwesenheit des Virus.

Dreifach verpackt: So erreichen die Proben das nationale Gesundheitslaboratorium.
Dreifach verpackt: So erreichen die Proben das nationale Gesundheitslaboratorium.

Sie gelten heute als Referenzlabor für die Corona-Tests. Welche Schritte waren dafür notwendig?

Auch wenn die Methodik nicht neu ist, so war die Prozedur zum erfolgreichen Test eine Herausforderung. Wir standen sehr unter Zeitdruck. Es war zum ersten Mal, dass wir ein Virus so schnell beschreiben konnten. Es tauchte zum ersten Mal im Dezember in China auf, Ende Dezember hatten chinesische Wissenschaftler es entschlüsselt und am 9. Januar war das Virus identifiziert, das war schon sehr schnell. Am 14. Januar bestand bereits ein weltweites Testprotokoll der WHO. Das Protokoll ist aber nur das Küchenrezept: ob der Kuchen wirklich gelingt, liegt in den Händen des Kochs. Manchen gelingt er, anderen nicht. Am 16. Januar haben wir beschlossen die Testmethodik auszuarbeiten, am 28. Januar gelang es uns dann. Das schwierigste war aber herauszufinden, ob wir das richtige Material hatten. Denn wir hatten ja noch kein Virus zum Üben in Luxemburg. Da hat uns dann die Berliner Charité ausgeholfen, indem wir den Test mit Genmaterial abgleichen konnten.

Also ähnlich wie in der Gerichtsmedizin oder einem Vaterschaftstest?

Das Protokoll ist für dieses Virus, aber die Nachweismethode ist die gleiche wie in der Forensik oder Gerichtsmedizin. Bloß müssen wir hier das Personal vor den Viren schützen, während wir in der Gerichtsmedizin die Spuren vor den Mitarbeitern schützen müssen. 

RT-PCR heißt das Zauberwort: Mit Gentechnik wird das Virus identifiziert. Die Kurve zeigt ein positives Resultat.
RT-PCR heißt das Zauberwort: Mit Gentechnik wird das Virus identifiziert. Die Kurve zeigt ein positives Resultat.

Ist ein solch neues Virus eine trotz aller Gefährlichkeit eigentlich auch etwas Faszinierendes?

Ein Virologe sieht das neue Virus nicht nur rein wissenschaftlich, ja, es ist auch faszinierend. So oft kommt es im Leben eines Virologen nicht vor, dass er ein neues Virus erforscht.  Das ist ein bisschen wie ein Archäologe, der ein Dinosaurierskelett entdeckt.  Das gibt einem auch Motivation, an einer Lösung zu arbeiten. 

Was halten Sie denn von den sogenannten Schnelltests, die jetzt angeboten werden?

Diese Tests arbeiten mit dem Nachweis von Antikörpern,  diese Methode  ist zurzeit aber noch  nicht validiert. Sie wurde der WHO vorgeschlagen und diese wird zurzeit geprüft. Aber der Körper bildet erst zehn Tage nach der Infektion Antikörper, wenn die Person bereits erkrankt ist und andere Menschen infiziert hat. Unsere Methode kann die Viren aber bereits zwei bis drei Tage nach der Infektion nachweisen. Wir können bereits 100 Viruskopien pro Milliliter Flüssigkeit nachweisen, ein ernsthaft Erkrankter hat mehrere Millionen Viren pro Milliliter. Der Test ist also sehr sensibel. 

Wie sehen ihre Kapazitäten aus?

Wir wollen eine Maximalkapazität von 250 Tests pro Tag erreichen, das reicht für einen Anstieg der Epidemie. Wir haben damit die beste Testkapazität pro 100.000 Einwohner. Wenn aber das halbe Land erkrankt, wird das auch unsere Kapazitäten übersteigen. 


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