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Corona-Virus: Hausärzte vermissen Regeln
Lokales 03.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Corona-Virus: Hausärzte vermissen Regeln

Hausärzte stehen an der Corona-Front. Doch ausgerechnet hier fehlt ein klares Regelwerk.

Corona-Virus: Hausärzte vermissen Regeln

Hausärzte stehen an der Corona-Front. Doch ausgerechnet hier fehlt ein klares Regelwerk.
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Lokales 03.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Corona-Virus: Hausärzte vermissen Regeln

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Die Vereinigung der Allgemeinärzte will klare Vorschriften für den Umgang mit Corona-Patienten.

Die Allgemeinärzte fühlen sich im Zuge der aktuellen Corona-Epidemie in die zweite Reihe versetzt, obwohl sie eigentlich an vorderster Front stehen. Vergangene Woche bereits hatte der Allgemeinmediziner Dr. Frank Kirsch gegenüber dem „Luxemburger Wort“ darauf hingewiesen, dass keine konkreten Verhaltensempfehlungen für Hausärzte veröffentlicht wurden. 


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In die gleiche Kerbe schlägt nun die Präsidentin des Cercle des médecins généralistes. Dr. Stéphanie Obertin. "Ich will keine Polemik starten, die Patienten wurden wohl sehr gut informiert und auch die Krankenhäuser sind gut gerüstet, aber die Allgemeinmedizin wurde nicht berücksichtigt." Zwar habe man bisher nur einen einzigen Infektionsfall in Luxemburg festgestellt und der sei auch noch importiert gewesen. Trotzdem müsse man sich Regeln geben für den Fall, dass die ersten Infektionen ohne Bezug zu Risikogegenden auftauchen. 

Fehlende Information

"Wir sollten eigentlich maximal vorbereitet sein, doch die notwendigen Informationen haben wir zurzeit nicht". Obertin verweist dabei auf die Herausforderungen der täglichen Praxis. "Was machen wir, wenn wir einen infizierten Patienten im Wartesaal sitzen haben? Müssen wir dann als Arzt zusammen mit sämtlichen Patienten unter Quarantäne gestellt werden? Oder brauche ich einen getrennten Warteraum?"

Laut Obertin riskiere man schlimmstenfalls, die medizinische Grundversorgung des Landes nicht mehr garantieren zu können. Schließlich müssten auch ältere Menschen, chronisch Erkrankte, Patienten mit Bluthochdruck oder Grippeinfizierte behandelt werden. "Es wäre besser, wir würden uns jetzt im Vorfeld bereits Gedanken darüber machen". Obertin verweist dabei auf lokale Krankheitsausbrüche in Deutschland, bei denen ganze Arztpraxen während zwei Wochen geschlossen werden mussten. Da die Praxen der Allgemeinmediziner ohnehin gut gefüllt sind, würde jeder Ausfall zu einer Kettenreaktion führen. "Momentan sieht die Alltagspraxis so aus, dass wir Patienten bei Symptomen befragen, ob sie sich in den bekannten Krisenregionen aufhielten und verweisen dann auf die Inspection sanitaire."

Gesprächsangebot angenommen

Die Allgemeinärztin zeigt sich allerdings kooperativ und wartet jetzt auf die angekündigten Gespräche mit der Leitung der Santé. Positiv zu bewerten ist zudem der Umstand, dass die saisonale Grippewelle seit letzter Woche am Abklingen ist. Zumindest treffen dann beide Epidemien zeitlich nicht aufeinander. Für Menschen mit Symptomen, die sich in Krisenregionen aufhielten, gilt weiterhin die Empfehlung, keinen Arzt aufzusuchen und die Hotline 8002- 8080 zu verständigen.


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