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Corona-Virus: Die Schulen sind zu, gelernt wird trotzdem
Lokales 5 Min. 16.03.2020

Corona-Virus: Die Schulen sind zu, gelernt wird trotzdem

So leer wie dieser Klassensaal bleiben seit Montag alle.

Corona-Virus: Die Schulen sind zu, gelernt wird trotzdem

So leer wie dieser Klassensaal bleiben seit Montag alle.
Foto: Guy Jallay
Lokales 5 Min. 16.03.2020

Corona-Virus: Die Schulen sind zu, gelernt wird trotzdem

Pierre SCHOLTES
Pierre SCHOLTES
Die Schulen in Luxemburg haben bis zum 29. März geschlossen. Die Schüler sollen von zu Hause aus lernen. Eine Herausforderung für alle.

Es ist fast wie ein zweiter Schulbeginn. Seit Montag bleiben die Klassenräume in Luxemburg leer – die Tafeln unbeschrieben. Trotzdem läuft der Schulbetrieb weiter; nur eben unter völlig neuen Bedingungen. Das „Luxemburger Wort“ hat mit Lehrpersonal und Eltern gesprochen, um zu erfahren, wie sie mit der ungewohnten Situation umgehen.

Für Steve Neiers ist es Neuland. Der Grundschullehrer ist gleichzeitig Vater von zwei Söhnen. Von den Schulschließungen erfuhr auch er erst am Donnerstag. „Ich betreue einen Cycle 4.2 und wir stecken mitten in den Orientierungsexamen. Die sind jetzt alle verschoben.“ Dennoch sieht er sich und die Schüler gut auf die Herausforderungen des Fernunterrichts vorbereitet: „Am Freitag bin ich noch einmal alle Lernplattformen mit den Schülern durchgegangen. Wir haben sofort feste Termine festgelegt, an denen wir uns online austauschen.“ 


Lok ,Schulen wegen Corona Virus vielleicht geschlossen, Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort
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Während bei älteren Grundschülern die Benutzung von E-Mail und Computer schon fest in den Lernprozess integriert ist, sieht die Situation bei jüngeren Schülern anders aus. „Mit den Kindern aus meinem Cycle 2.2. bin ich am Freitag ganz genau durchgegangen, was sie im Deutschen zu tun haben. Ich habe den Eltern einen Plan mitgegeben und die Schüler haben sich ein Buch ausgeliehen,“ berichtet eine Grundschullehrerin aus der Hauptstadt. Zudem habe sie darauf geachtet, dass nur Wiederholungen auf dem Lehrplan stehen, so die Lehrerin weiter. „Wir haben auch eine Chatgruppe mit allen Eltern gestartet, sodass wir bei Fragen immer sofort erreichbar sind.“ 

Eltern gefordert 

Der Unterricht zu Hause stellt Eltern, vor allem jene ohne pädagogische Ausbildung, sicherlich vor ganz neue Herausforderungen. Wie diese gemeistert werden, hängt maßgeblich vom Engagement der Lehrkräfte ab. 

Eine Mutter aus dem Westen des Landes berichtet etwa, dass sie sich vom Lehrpersonal alleingelassen fühlt: „Am Freitag bekam ich eine E-Mail von der Lehrerin meines Sohnes. In forschem Ton wurde mir mitgeteilt, dass es ab jetzt meine Verantwortung sei, mich um den schulischen Fortschritt meines Kindes zu kümmern.“ 

Als ihr Sohn nach dem vorerst letzten Schultag nach Hause kam, wurde die Überraschung der Mutter noch größer: „Da sah ich, dass er über 100 Seiten Aufgaben dabei hatte. Bei einigen fehlten die Verbesserungen und Lösungen komplett. Das Schlimmste war aber, dass es sich durchweg um neuen Lernstoff handelte. Ich finde das unfassbar“ berichtet die Mutter. Vor allem Eltern, die selbst nicht die Zeit oder die Fähigkeiten hätten, sich selbst mit dem Stoff zu beschäftigen, ließe man so im Regen stehen. 

Ganz anders stellt sich die Situation für „Luxemburger Wort“-Redakteurin Nadine Schartz dar, deren beide Kinder in Wasserbillig die Grundschule besuchen: „Ich bin gut vorbereitet auf die kommenden Wochen. Meine Tochter hat eine genaue Liste mitbekommen, was wir wann zu erledigen haben. Es ist auch jetzt nichts dabei, was völlig neu für sie wäre. Und mein Sohn ist noch im Kindergarten, da läuft das alles etwas spielerischer ab.“ Vom Lehrpersonal alleingelassen fühlt sich Nadine Schartz keineswegs: „Geplant ist, dass wir jeden Tag im Austausch mit den Lehrern stehen. Es ist natürlich ungewöhnlich, dass man als Eltern jetzt eine Doppelrolle als Lehrkraft übernimmt, aber ich glaube, es ist auch eine Chance, noch mehr Zeit mit seinen Kindern zu verbringen.“ 

Eigenverantwortung im Lyzeum 

Während bei Kindern im Grundschulalter noch elterliche Hilfe beim Lernen erforderlich ist, wird bei Lyzeumsschülern Wert auf Eigenständigkeit gelegt. So berichten Lehrer und Schüler gleichermaßen, dass der Einsatz von neuen Technologien die Konsequenzen des ausfallenden Schulbetriebs abfedern könnte. 

Wenn auch mit deutlicher Mehrarbeit, wie eine junge Geschichtslehrerin aus einem Lyzeum aus dem Süden des Landes berichtet: „Als ich wusste, dass die Schule ausfallen wird, bin ich am Freitag alle elektronischen Plattformen, die uns zur Verfügung stehen, noch einmal mit den Schülern durchgegangen. Der Unterricht hat dann gewissermaßen schon am Wochenende begonnen, da ich alles einrichten musste, die Teams erstellt habe und schon die ersten Fragen von Schülern kamen.“ Ganz ohne Probleme sei dies alles bisher jedoch nicht abgelaufen, so die Lehrerin weiter. Angefangen bei ganz praktischen Fragen, etwa, dass Schüler aus unteren Klassen, nicht wüssten wie man einen Anhang an eine E-Mail anhängt. Aber auch die Fachdidaktik komme zu kurz, so die Lehrerin weiter, die sich fragt, wie etwa sei ein Tafelbild online zu vermitteln. 

Diese technischen Probleme bestätigt auch eine Geografielehrerin aus der Privatschule Sainte-Anne in Ettelbrück: „Wir benutzen Office365 von Microsoft und die Plattform Showbie, um die Schüler mit Quizzen und Lernaufgaben auf die anstehenden Prüfungen vorzubereiten. Aber einige jüngere Schüler sind den Umgang mit E-Mails nicht gewohnt. Das ist dann etwas komplizierter.“ 

Liliana Rosas Macedo ist selbst Schülerin auf der Privatschule in Ettelbrück. Für die 18-Jährige klappt das Lernen von zu Hause am ersten Tag reibungslos: „Wir haben eine Chatgruppe für die Klasse und wenn wir nicht weiter wissen, fragen wir die Lehrerin. Im digitalen Klassenbuch sehen wir immer genau, was wir auf haben. Man muss sich halt nur selbst organisieren.“ 

Koordination zwischen Schulen 

Eine Schule ohne Schüler zu verwalten, stellt auch die Direktion der Lyzeen vor neue Herausforderungen. Als das LW Marcel Kramer, Direktor des Lycée Classique de Diekirch (LCD), erreicht, hat dieser gerade von den neuesten Maßnahmen der Regierung erfahren: „Ab morgen gilt die zweite Stufe der Schutzmaßnahmen. Dann müssen wir mit einem reduzierten Personalbestand arbeiten.“ 

„Ich bin beeindruckt von der Disziplin. Schon am Wochenende war die Lernplattform teilweise überlastet."

Marcel Kramer, Direktor LCD

Der Direktor ist aber positiv von der Reaktion der Schulgemeinschaft überrascht: „Ich bin beeindruckt von der Disziplin. Schon am Wochenende war die Lernplattform teilweise überlastet. Die Schüler wissen genau, dass es sich um eine außergewöhnliche Situation handelt und sie nicht einfach freihaben.“ Auch die Koordination mit den anderen Lyzeen und dem Ministerium funktioniere bisher vorbildlich, so Kramer weiter. Einzig bei den Abschlussexamen müsse man die Lage genau im Auge behalten, auch weil es durch die Anmeldefristen an ausländischen Universitäten einer europäischen Lösung bedürfe.



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