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Corona-Virus: Antworten auf die wichtigsten Fragen
Lokales 2 8 Min. 13.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Corona-Virus: Antworten auf die wichtigsten Fragen

Corona-Virus: Antworten auf die wichtigsten Fragen

Foto: Chris Karaba
Lokales 2 8 Min. 13.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Corona-Virus: Antworten auf die wichtigsten Fragen

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Wie kann ich mich schützen? Wie gefährlich ist das Virus wirklich? Hier gibt es die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum neuen Erreger. Stand: Freitag, 13. März.

Weltweit sind bereits mehr als 5.000 Menschen an der Lungenentzündung Covid-19 gestorben, ein Großteil davon in China, etwa ein Fünftel in Italien.  Auch Luxemburg hat seit Freitag seinen ersten Todesfall zu beklagen. Knapp 70.000 von insgesamt gut 137.000 Infizierten sind wieder genesen. In Luxemburg gibt es mittlerweile 34 bestätigte Infektionsfälle. Die europäischen Gesundheitsbehörden, darunter die luxemburgische Direction de la Santé, haben mittlerweile zahlreiche Informationen zum neuartigen Corona-Virus für die Bevölkerung bereitgestellt. Im Folgenden die wichtigsten Punkte im Überblick, auf dem Stand vom 13. März

  • Ich lese dauernd von Covid-19 oder SARS-COV-2 - wo liegt der Unterschied?

SARS-CoV-2 ist der offizielle Name des neuartigen Corona-Virus. SARS steht für "Severe Acute Respiratory Syndrome", COV für die Virenfamilie namens "Corona-Virus". Bevor das Virus von der WHO seinen aktuellen Namen erhielt, sprach man einfach vom "neuartigen Corona-Virus". Die Atemwegserkrankung, die von diesem Virus ausgelöst wird, heißt Covid-19. ("Coronavirus Disease-2019"). 

  • Gibt es auch ein "altes" Corona-Virus?

SARS-CoV-2 ist eine Variante des altbekannten Sars-Virus, das während einer Pandemie 2002/03 mehr als 800 Menschen das Leben kostete. Corona-Viren sind laut dem Robert-Koch-Institut in Berlin bereits seit Mitte der 1960er bekannt. Sie können sowohl bei Menschen als auch Tieren auftreten. Die Viren können beispielsweise die gefährlichen Erkrankungen Sars ("Schweres Akutes Atemwegssyndrom") und Mers ("Middle East Respiratory Syndrome) auslösen.

  • Die WHO hat den momentanen Verlauf zur "Pandemie" erklärt. Was bedeutet das?

Eine Pandemie ist eine Krankheit, die örtlich unbegrenzt, also auf der ganzen Welt ausbrechen kann. Das unterschiedet sie von der Epidemie, die zwar ebenfalls unkontrolliert ausbricht, aber regional begrenzt auftritt. 

  • Wie ansteckend ist das "neue" Corona-Virus?

Ein Wert, wie viele andere Menschen ein Infizierter im Mittel ansteckt, lässt sich noch nicht gesichert angeben. Das Robert-Koch-Insitut beziffert die sogenannten Zweitinfektionen auf Grundlage verschiedener Studien zwischen 2,4 und 3,3. Es müssten also "ungefähr zwei Drittel aller Übertragungen verhindert werden, um die Epidemie unter Kontrolle zu bringen."

Das Virus verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion etwa beim Husten und Sprechen. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass das Virus auch über das Verdauungssystem und zumindest einige Tage über Oberflächen verbreitet werden kann. Ein bisher unterschätztes Risiko sei womöglich, dass in Stuhlproben von Patienten in der Initialphase einer Covid-19-Erkrankung „durchaus relevante Mengen“ von Sars-CoV-2 nachweisbar seien, hatte etwa Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin an der München Klinik Schwabing, erklärt.  


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Unklar war lange, ob weitgehend oder gänzlich symptomfreie Menschen die Erreger weiter verbreiten können. Mittlerweile geht das Robert-Koch-Institut davon aus, dass Menschen mit wenigen Krankheitszeichen andere anstecken können. 

  • Wie gefährlich ist das Virus?

Das ist noch immer eine schwierige Frage. Für eine abschließende Beurteilung der Schwere der neuen Atemwegserkrankung liegen gegenwärtig nicht genügend Daten vor. Es sei letztlich auch eine Frage des Rechenweges, so das Robert-Koch-Insitut. Teilt man die Anzahl der Verstorbenen durch die Zahl der gesamten gemeldeten Fälle, unterschätzt man den tatsächlichen Anteil der Verstorbenen. Teilt man die Anzahl der Verstorbenen durch die Fälle mit bekanntem Ende (also tot oder genesen) überschätzt man ihn. Letztlich ist auch die Dunkelziffer, also die Zahl noch nicht gemeldeter Fälle, zu hoch für eine konkrete Aussage. 

Unter diesem Vorbehalt sind Zahlen aus China und Südkorea aus dem Februar zu betrachten. Nach Analysen der "Centres for Disease Control" in den jeweiligen Ländern starben 2,3 Prozent der mit Sars-CoV-2 Infizierten. Betroffen sind demnach vor allem alte Menschen und solche mit schweren Vorerkrankungen wie Herzkreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Bei Menschen über 80 Jahren liegt die aus den dort vorliegenden Daten errechnete Todesrate bei knapp 15 Prozent, es sterben also in dieser Altersgruppe in China im Mittel etwa 15 von 100 Infizierten. In der Gruppe der 10 bis 39 Jahre alten Menschen sterben 0,2 Prozent der Infizierten, also etwa 2 von 1000 Betroffenen.


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Experten gehen davon aus, dass die Sterblichkeit eigentlich geringer ist, unter anderem weil in der chinesischen Statistik viele mild verlaufende Infektionen gar nicht erfasst werden. Gesicherte Analysen zur Sterblichkeit aus anderen Ländern gibt es bisher aber nicht.

Das Corona-Virus gilt als gefährlicher als das Influenza-Virus, weil die Krankheit mit größerer Häufigkeit schwerer verläuft. Zahlen aus China zeigen, dass zwischen 2% und 6% der hospitalisierten Fälle beatmet werden mussten. 

  • Welche Symptome verursacht das Coronavirus?

Die meisten Menschen haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. Hinzukommen können Fieber, Husten und Atemprobleme, wie sie auch bei einer Grippe auftreten. Auch Kopfschmerzen oder Durchfall sind möglich.

Nach Angaben der chinesischen Gesundheitsbehörde komme es bei mehr als 80 Prozent der Infizierten zu milden Infektionsverläufen, knapp 14 Prozent erkranken schwer. Bei knapp fünf Prozent komme es zu lebensbedrohlichen Auswirkungen wie Atemstillstand, septischem Schock oder Multiorganversagen.

Die Inkubationszeit - der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen - beträgt nach derzeitigem Stand meist 2 bis 14 Tage. Das ist der Grund dafür, dass Verdachtsfälle zwei Wochen isoliert werden.

  • Wie lässt sich die neue Lungenkrankheit behandeln?

Eine spezielle Therapie für die Erkrankung Covid-19 gibt es nicht. Schwer erkrankte Patienten werden symptomatisch behandelt: mit fiebersenkenden Mitteln, der Therapie etwaiger bakterieller Zusatzinfektionen und mitunter mechanischer Beatmung. In Einzelfällen werden auch antivirale Medikamente getestet. In vielen Fällen entsteht die Heilung aber von selbst, wie bei der normalen Grippe.

  • Wie kann man sich vor einer Ansteckung schützen?

In Luxemburg gibt es derzeit keine speziellen Verhaltensempfehlungen an die Bevölkerung. Im Prinzip können die selben Barrieremaßnahmen ergriffen werden wie in der winterlichen Grippezeit: 

  • In den Ellbogen husten 
  • Gebrauch von Einwegtaschentüchern
  • Tragen von Schutzmasken
  • Regelmäßiges Händewaschen, Gebrauch von Desinfektionsmittel
  • Engen Kontakt mit Mitmenschen eher vermeiden
  • Gibt es eine schützende Impfung? 

Nein. Etliche Labore weltweit forschen derzeit an Impfstoffen wie es sie auch für die Grippe gibt. Laut WHO gibt es aktuell mehr als 25 Impfstoff-Kandidaten, die sich aber fast alle in der prä-klinischen Entwicklungsphase befinden. Die Entwicklung einer Schutzimpfung nimmt viel Zeit in Anspruch. Ein zertifizierter Impfstoff für weitreichenden Einsatz stehe aber wohl erst in 18 Monaten zur Verfügung, so die WHO.

Experten raten älteren und chronisch kranken Menschen, sich mit bestehenden Impfstoffen vor Keuchhusten, Pneumokokken und der regulären Grippe zu schützen. Der Grund: Diese Impfungen schützen zwar nicht vor Covid-19, aber vor anderen Lungeninfektionen. 

  • Sind infizierte Personen nach überstandener Krankheit immun?

Es gibt noch keine gesicherten Erkenntnisse darüber, ob sich eine Person, die mit SARS-CoV-2 infiziert war und danach negativ getestet wurde, innerhalb kurzer Zeit erneut anstecken kann. Die Frage ist wichtig für den weiteren globalen Verlauf: Wenn eine dauerhafte Immunität eintreten würde, könnte das Virus nach dem aktuellen Ausbruch über Jahre verschwinden - vorausgesetzt, ein Großteil der Bevölkerung würde sich zunächst einmal anstecken. Wenn die Immunität nur kurz anhält, ist es wahrscheinlich, dass das Virus, ähnlich wie die jährliche Grippewelle, regelmäßig wiederkommt. Um diese Frage zu beantworten, wären aber mehrjährige Studien nötig. 

  • Welche Gebiete gelten derzeit als besonders betroffen vom Corona-Virus?

Während zu Beginn Asien, vor allem die Provinz Huabei in China, als Zentrum der Epidemie galt, hat sich das Bild mittlerweile gewandelt. Am Freitag verkündete WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf, dass nun in Europa mehr Infektionen und Todesfälle gemeldet werden als in allen anderen Ländern außerhalb Chinas zusammen. "Europa ist jetzt zum Epizentrum der Covid-19-Pandemie geworden", so Ghebreyesus. In Italien hat es bis zum Freitag 1.016 Tote gegeben.  

  • Was bringt eine Grippeschutzmaske eigentlich?

Laut dem luxemburgischen Gesundheitsamt ist das Tragen einer normalen Atemmaske kein wirksamer Schutz vor einer Infektion. "Das Tragen eines chirurgischen Mundschutzes wird für kranke Menschen empfohlen, die Symptome aufweisen, zum Beispiel Husten oder Niesen." Die Maske kann verhindern, dass sie die Krankheit durch Tröpfchen, welche beim Husten oder Niesen entstehen, an andere weitergeben.

In Luxemburg sind Schutzmasken zum Teil ausverkauft.
In Luxemburg sind Schutzmasken zum Teil ausverkauft.
Foto: Anouk Antony

Als sinnvollere Prävention erachten Experten, auf Hygiene zu achten, Umarmungen und Händeschütteln einzuschränken und von vielen Menschen berührte Oberflächen wie Türklinken, Haltegriffe und Aufzugknöpfe nicht anzufassen. 

  • Ist Luxemburg überhaupt für eine Pandemie gerüstet?

Eine Infektionswelle im Großherzogtum könnte Krankenhäuser und Arztpraxen vor große Herausforderungen stellen. Es sei durchaus problematisch, erklärte Jean-Claude Schmit, dass die Sars-CoV-2-Epidemie zeitgleich mit der jährlichen Grippewelle auftrete. Schmit betont jedoch, dass in Luxemburg genügend Kapazitäten zur Verfügung stehen, um Infizierte zu isolieren und die entsprechenden Tests durchzuführen.  

  • Was mache ich, wenn ich genau diese Symptome habe?

Die luxemburgische Gesundheitsbehörde empfiehlt im Verdachtsfall nicht einen Allgemeinarzt aufzusuchen, sondern sich telefonisch an die eigens eingerichtete Hotline 8002 8080 zu wenden. Die Notrufnummer 112 soll nur im Notfall gewählt werden.

  • Die Schulen und Kindergärten sind zu. Kann ich von der Arbeit zuhause bleiben?

Vom 16. bis einschließlich dem 27. März sind sämtliche Bildungs- und Betreuungseinrichtungen in Luxemburg geschlossen. Damit die Kinder zu Hause betreut werden können, können Eltern Sonderurlaub aus familiären Gründen (Congé pour raisons familiales) beantragen, zusätzlich zum regulären Sonderurlaub. Mehr dazu HIER. 

Wer aus medizinischen Günden selbst in Quarantäne muss, bekommt einen Krankenschein. 

Mit Material von der Deutschen Presse-Agentur.

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