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Corona-Virus: Aire de Berchem und Findel spüren Auswirkungen
Lokales 4 Min. 14.03.2020

Corona-Virus: Aire de Berchem und Findel spüren Auswirkungen

Taxiunternehmer Toni Fernandes (l.) und Fahrer Paulo Santos klagen über ausbleibende Kundschaft.

Corona-Virus: Aire de Berchem und Findel spüren Auswirkungen

Taxiunternehmer Toni Fernandes (l.) und Fahrer Paulo Santos klagen über ausbleibende Kundschaft.
Lokales 4 Min. 14.03.2020

Corona-Virus: Aire de Berchem und Findel spüren Auswirkungen

Pierre SCHOLTES
Pierre SCHOLTES
An den Drehkreuzen des Landes trifft sich die Welt. Das "Luxemburger Wort" hat nachgefragt, welchen Einfluss die Corona-Pandemie auf das tägliche Leben hat.

Die Corona-Pandemie zieht auch in Luxemburg weite Kreise: Veranstaltungen werden abgesagt, Schulen schließen. Grund genug, jene Orte zu besuchen, an denen in Luxemburg die Welt zusammenkommt. Das „Luxemburger Wort“ war auf der Aire de Berchem und am Flughafen Findel, um zu erfahren, wie Lastwagen- und Taxifahrer, Touristen und Flughafenmitarbeiter die Situation empfinden. 

Die Laster stehen an diesem Tag nach wie vor Schlange vor den Zapfsäulen der größten Tankstelle Europas. Die Kennzeichen lassen erkennen, dass hier ganz Europa den Tank befüllt. Bulgaren und Rumänen stehen neben Deutschen und Niederländern. Schnell wird vollgetankt, ein Ticket gezogen und bezahlt; dann geht es weiter quer über den Kontinent. 

 Von Gelassenheit bis Zwangspause 


Alexander Kudzis
Alexander Kudzis
Foto: Guy Jallay

Alexander Kudzis ist Kraftfahrer aus Ungarn und fährt für eine deutsche Spedition. Ob er auf seiner Route etwas vom Corona-Virus bemerke? „Nein. Was zählt, ist das Geld. Heute Abend muss ich in München sein. Ich komme gerade vom Laden aus den Niederlanden. Ich finde aber, es müsste mehr Kontrollen geben.“ 

 

 



 

Angel Pinzón
Angel Pinzón
Foto: Guy Jallay

Ganz anders sieht Angel Pinzón die Situation zwei Zapfsäulen nebenan. Der gebürtige Ecuadorianer pendelt mit seinem Bus einmal die Woche zwischen dem spanischen Almería und Düsseldorf. „Das hier ist meine letzte Fahrt. Wegen des Corona-Virus wird der Betrieb ab nächster Woche eingestellt – vorerst für die nächsten zwei Wochen. In Spanien gibt es mittlerweile Tausende Fälle, das ist zu riskant.“ 

Frans Kornet ist gelassener. Der Binnenschiffer aus Werkendam in den Niederlanden kommt gerade mit seinem Sohn aus dem Urlaub in Straßburg. Für sich sieht er dennoch keine Gefahr: „Schiffe sind isoliert, da passiert schon nichts. Bisher haben wir auch keine Auswirkungen aufs tägliche Geschäft bemerkt.“ Generell sei die Epidemie aber auch ein großes Thema in den Niederlanden, so Kornet zum Schluss. 

Frans Kornet
Frans Kornet
Foto: Guy Jallay

Immer in Kundenkontakt 

Während Busfahrer und Touristen meist nur auf der Durchfahrt sind, ist die Aire de Berchem für andere der alltägliche Arbeitsplatz: für Tankstellenmitarbeiter etwa. 

Eigentlich dürfte die Mitarbeiterin nicht mit der Presse reden, aber dennoch gibt sie Auskunft über ihre Lage: „Für uns ändert das Virus bisher wenig, auch wenn wir mit vielen Menschen in Kontakt kommen. Nach wie vor halten wir uns an alle Hygienevorschriften – wie in jedem Beruf, in dem man mit Lebensmitteln in Berührung kommt. Ich selbst habe gerade eine Bronchitis und wurde deswegen auch auf das Corona-Virus getestet. Das Ergebnis war zum Glück negativ. Meiner Meinung nach sollte man trotzdem nicht in Panik verfallen.“ 

 Spürbare Folgen am Findel 

 


4.3. Groussregion / Report Pendler / Arloner Autobahn bei Sterpenich Foto: Guy Jallay
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 Während die Auswirkungen des Corona-Virus auf der Aire de Berchem bisher kaum zu bemerken sind, sieht die Lage am Flughafen Findel schon anders aus. Das obere Parkdeck ist fast leer und die Anzeigetafel im Flughafeninnern zeigt allein an diesem Tag fünf gestrichene Flüge an. Es sind nur wenige Reisende zu sehen, und auch vor den Schaltern fehlt die gewohnte Schlange. 

"Wir merken, dass viel weniger los ist. Zahlreiche Fluggäste lassen ihre Tickets einfach verfallen und treten ihre Reise nicht an."

Flughafenmitarbeiterin

Vor der Abflughalle schildern zwei Flughafenmitarbeiterinnen die Auswirkungen auf den Betrieb: „Wir merken, dass viel weniger los ist. Zahlreiche Fluggäste lassen ihre Tickets einfach verfallen und treten ihre Reise nicht an.“ Auf die persönliche Situation am Schalter angesprochen, bestätigt eine der beiden Mitarbeiterinnen, dass ihnen Desinfektionsgels und Handschuhe zur Verfügung gestellt wurden, aber eine Maske dürften sie nicht tragen. 

Da wir den ganzen Tag Personenkontakt haben, bin ich schon etwas beunruhigt. Vor allem, weil bis dato ja noch Flüge nach Italien starten“, so die junge Frau weiter. Ihre Kollegin fügt hinzu: „Ich beobachte bisher keine Veränderungen in der Gebäudereinigung. Ich finde, es müsste jetzt häufiger geputzt werden.“ 

"In einer normalen Woche haben wir mindestens acht Fahrgäste. Jetzt ist es 15 Uhr und ich hatte erst einen Fahrgast."

Paulo Santos, Taxifahrer

Paulo Santos aus Kayl reiht sich gerade mit seinem Hyundai in die merklich ausgedünnte Taxischlange vor dem Haupteingang des Flughafens ein. Der Taxifahrer berichtet: „Meine Schicht beginnt morgens um 5 Uhr. In einer normalen Woche haben wir mindestens acht Fahrgäste. Jetzt ist es 15 Uhr und ich hatte erst einen Fahrgast.“ 

"Seit Anfang März ist unser Geschäft um 80 Prozent eingebrochen."

Toni Fernandes, Taxiunternehmer

Wenig später stößt der Chef des Fahrers, Toni Fernandes, dazu und bestätigt die Aussagen seines Mitarbeiters: „Seit Anfang März ist unser Geschäft um 80 Prozent eingebrochen. Wenn es so weitergeht, stehen wir vor der Insolvenz. Uns wurden zwar Hilfen versprochen. Wann diese ausbezahlt werden, ist aber noch völlig unklar.“ 

So stellt das Corona-Virus die Taxibranche gewissermaßen vor eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Keine Gäste heißt: keine Einnahmen, aber auch weniger Ansteckungsgefahr. Viele Gäste hieße: gesicherte Einnahmen, aber auch eine erhöhte Ansteckungsgefahr

Paulo Santos erklärt: „Wir sind immer in direktem Kontakt mit Menschen – nehmen die Koffer der Gäste in die Hand, um sie zu verstauen. Da kann es schnell zu einer Ansteckung kommen.“ Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen das Virus in den kommenden Wochen noch auf das öffentliche Leben in Luxemburg haben wird.


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