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Corona: Neuland für Behindertenbetreuung
Lokales 2 Min. 24.03.2020

Corona: Neuland für Behindertenbetreuung

Auch im Foyer Éisleker Heem muss man sich an die neue Normalität des Notstands erst einmal gewöhnen.

Corona: Neuland für Behindertenbetreuung

Auch im Foyer Éisleker Heem muss man sich an die neue Normalität des Notstands erst einmal gewöhnen.
Foto: John Lamberty
Lokales 2 Min. 24.03.2020

Corona: Neuland für Behindertenbetreuung

John LAMBERTY
John LAMBERTY
Der Umgang mit der Corona-Krise ist für jeden schwer verdaulich. Besonders einschneidend ist das Umkrempeln des gewohnten Lebens für Menschen mit mentaler Beeinträchtigung.

Der alltägliche Umgang mit den fortdauernden Ausgangsbeschränkungen und den nagenden Ungewissheiten der Corona-Krise: All dies ist schon für den rundum gesunden Durchschnittsbürger eine nur schwer verdauliche Kost.

Noch weitaus einschneidender muss das radikale Umkrempeln des gewohnten Lebensrhythmus derweil für Menschen mit einer mentalen Beeinträchtigung sein, die noch in viel stärkerem Ausmaß auf einen geregelten Tagesablauf angewiesen sind.


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Möglichst behutsam und unaufgeregt

Wie man sie möglichst behutsam und unaufgeregt durch die kommenden Tage und Wochen lotst, daran tasten sich zurzeit nun die Behindertenbetreuungsstätten des Landes heran. Unter ihnen auch das Foyer Éisleker Heem in Lullingen, das dabei – trotz mehr als 40-jähriger Erfahrung – ebenfalls Neuland betritt.

„Aufgrund der geltenden sanitären Maßnahmen sind auch unsere Bewohner zurzeit stark eingeengt. Die geschützten Werkstätten des Lëlljer Gaart und das angegliederte Entdeckungszentrum Park Sënnesräich sind – wie viele andere Unternehmen – geschlossen, sodass sich ihre Aktivitäten momentan auf interne Betätigungen wie die Mithilfe im Haushalt oder manch unterhaltenden Zeitvertreib beschränken müssen. Ansonsten können wir nur hin und wieder einen kurzen Spaziergang wagen“, erklärt die Direktionsbeauftragte Tania Majeres.

So wie die betreuten Werkstätten des Lëlljer Gaart ist auch das Entdeckungszentrum Park Sënnesräich zurzeit geschlossen. Die Bewohner des Éisleker Heem gehen derweil notgedrungen anderen Dingen nach.
So wie die betreuten Werkstätten des Lëlljer Gaart ist auch das Entdeckungszentrum Park Sënnesräich zurzeit geschlossen. Die Bewohner des Éisleker Heem gehen derweil notgedrungen anderen Dingen nach.
Foto: John Lamberty

Hinzu komme, dass diejenigen, die normalerweise die Wochenenden bei Angehörigen verbringen, nun durchgehend im Foyer bleiben müssen und die betreuten Besucher der hauseigenen Tagesstätte bis auf Weiteres nicht empfangen werden können.

Aktuelle Umstände nur schwer erklärbar

„All das ist auch bei der angemessensten Erklärung der aktuellen Umstände für mental beeinträchtigte Menschen eben nur schwer zu verstehen und erhöht bisweilen auch schon mal den Frustpegel unter den Bewohnern“, so Tania Majeres, die mit Blick auf den derzeitigen Gemütszustand im Hause dennoch von bislang recht geordneten Bahnen spricht.


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Zurzeit umfasst die Wohngemeinschaft des Foyer Éisleker Heem in Lullingen 21 Personen, von denen drei in separaten Wohnungen vor Ort leben. Betreut werden darüber hinaus noch neun Menschen in foyereigenen Appartements in Clerf, Wiltz und Wintger.

Da sich unter den Bewohnern des Éisleker Heem auch einige befinden, die aufgrund von Alter oder Vorerkrankungen zu den Risikogruppen mit Blick auf das Corona-Virus zählen, sind die aktuellen Schutzvorkehrungen in Lullingen dabei umso wichtiger.

„Infektionsfall wäre Worst-Case-Szenario“

„Das Worst-Case-Szenario wäre mit Sicherheit, wenn sich jemand im Hause infizieren würde und wir ihn hier isolieren müssten. Dann wären auch noch Veränderungen bei der Wohnaufteilung notwendig. Vor allem aber dürfte eine solche Komplettabschottung für einen Menschen mit mentaler Beeinträchtigung wohl nur sehr schwer erträglich sein“, meint Tania Majeres. „Was uns da alles erwarten würde, weiß ich ehrlich gesagt nicht.

Umso dankbarer ist sie daher für die vorbildliche Arbeitsmoral des hauseigenen Personals sowie für die so beispielhafte Hilfestellung durch die Ministerien für Familie, Arbeit und Gesundheit. Das laufe bislang wie am Schnürchen. Es gibt eben auch manch Erfreuliches in diesen unerfreulichen Zeiten.

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