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Corona-Krise: Ackern fürs Allgemeinwohl
Lokales 2 Min. 19.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Corona-Krise: Ackern fürs Allgemeinwohl

Lange war die Bedeutung des Agrarsektors im nationalen Wirtschaftsgefüge nicht mehr so deutlich sichtbar wie heute.

Corona-Krise: Ackern fürs Allgemeinwohl

Lange war die Bedeutung des Agrarsektors im nationalen Wirtschaftsgefüge nicht mehr so deutlich sichtbar wie heute.
Foto: John Lamberty
Lokales 2 Min. 19.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Corona-Krise: Ackern fürs Allgemeinwohl

John LAMBERTY
John LAMBERTY
Auch die Landwirtschaft bleibt von der Corona-Krise nicht unberührt. Selten war ihre Systemrelevanz dabei so deutlich wie heute.

Auf den ersten Blick scheint zurzeit nirgendwo mehr Alltagsnormalität zu herrschen als auf den Äckern und Weiden im Lande. Allerorten sind Traktoren mit Güllefässern und Düngerstreuern unterwegs, werden die Felder für die anstehende Aussaat bereitet. Die gewohnte Arbeit im ewigen Kreislauf der Natur ...


Täglich meldet sich Premier Xavier Bettel (DP) zu Wort, um die Bevölkerung über den aktuellen Stand der Dinge und neue Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu informieren.
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Die Regierung hat den Notstand verhängt. Ausgehen ist nur noch in streng geregelten Fällen erlaubt, sonst drohen Geldbußen. Das sagte Premierminister Xavier Bettel (DP) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Doch bleiben auch die Luxemburger Bauern- und Winzerbetriebe nicht von den Folgen der Corona-Pandemie und der weitgehenden Stilllegung des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens verschont.

Produktionsanlagen am Anschlag

Dabei gelangt die essenzielle Bedeutung der Landwirtschaft für die Ernährungssicherung momentan in einem Maße zur Geltung wie es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr der Fall war. Ein seit langem schrumpfender Wirtschaftszweig zeigt sich nichts weniger als systemrelevant. 

„Unsere Anlagen arbeiten am Anschlag um die rasant gestiegene Nachfrage an UHT-Milch zu liefern“, sagt etwa Guy Feyder, Vizepräsident der Luxlait und Vorsitzender der Luxemburger Landwirtschaftskammer.

Guy Feyder, Präsident der Landwirtschaftskammer, sieht die Aufrechterhaltung möglichst hoher Belegschaftsstärken in allen Bereichen des Agrarsektors zurzeit als elementarstes Ziel.
Guy Feyder, Präsident der Landwirtschaftskammer, sieht die Aufrechterhaltung möglichst hoher Belegschaftsstärken in allen Bereichen des Agrarsektors zurzeit als elementarstes Ziel.
Foto: Chris Karaba

Die größere Herausforderung sei aber, auch den entsprechenden Belegschaftsbedarf bestmöglich aufrechtzuerhalten. „Wir bleiben vor allem darauf angewiesen, dass unsere Pendler weiterhin über die Grenze dürfen und dass die Ausfälle von Mitarbeitern aus familienbedingten oder gesundheitlichen Gründen so gering wie möglich bleiben“, so Feyder.

Belegschaftsstärke bleibt A und O

Ganz ähnlich erweist sich die Lage am Ettelbrücker Schlachthof. „Unsere Mitarbeiter haben in den vergangenen Tagen allesamt am Limit gearbeitet, um der explodierenden Nachfrage gerecht zu werden. Wir können unsere Leute aber auch nicht endlos überstrapazieren“, betont Geschäftsführer Claude Graff, der deshalb nochmals den dringlichen Appell an die Bevölkerung richtet, endlich mit den völlig überzogenen Hamsterkäufen in den Supermärkten aufzuhören. Zurzeit sei die Lebensmittelversorgung überall gesichert – und so müsse es auch bleiben.

Von der Milchabholung über die Verfügbarkeit sämtlicher Produktionsmittel bis hin zum Reparaturdienst für die Maschinen: An der Aufrechterhaltung der Nahrungsmittelversorgungskette hängen viele wichtige Dienstleistungen.
Von der Milchabholung über die Verfügbarkeit sämtlicher Produktionsmittel bis hin zum Reparaturdienst für die Maschinen: An der Aufrechterhaltung der Nahrungsmittelversorgungskette hängen viele wichtige Dienstleistungen.
Foto: Pierre Matgé

Ministerium: Versorgungskette hat Vorrang

Genau diese Zusage bekräftigte am Mittwoch denn auch das Agrarministerium in einer offiziellen Mitteilung: Sämtliche beruflichen Tätigkeiten, die zur Aufrechterhaltung der Versorgungskette nötig sind, bleiben demnach auch weiterhin erlaubt, insofern sich die Landwirte und alle anderen Akteure an die geltenden sanitären Sicherheitsvorschriften halten (möglichst wenig Fremdkontakt und Abstand halten).

Ein wichtiges Signal, immerhin muss weiterhin garantiert bleiben, dass die Bauern – auch grenzüberschreitend – auf ihre Ländereien dürfen, dass die Milch abgeholt wird, der Viehhandel läuft, Dünger oder andere Produktionsmittel vorhanden bleiben, Reparaturarbeiten an Landmaschinen durchgeführt werden können ...


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Welche wirtschaftlichen Folgen sich aus der Corona-Krise für die Landwirtschaft ergeben, bleibt derweil abzuwarten. In einem Sektor, der schon in Normalzeiten mit stark schwankenden Erzeugerpreisen kämpft und am Rande der Rentabilität arbeitet, sind die Sorgenfalten allerdings schon jetzt tief, wie Direktor Vincent Glaesener von der Landwirtschaftskammer meint.

Winzer erwarten schwere Umsatzeinbußen

Zeichneten sich zurzeit, etwa beim Rindfleisch, zwar erste beunruhigende Preistendenzen ab, so gelte es die Gesamtentwicklung im Fleisch- und Milchbereich, doch erst einmal abzuwarten. Dramatisch kündige sich die Lage aber aktuell schon im Weinhandel ab.

Eine Aussage, die auch Paul Funck, Vize-Präsident der Vinmoselle, bestätigt. „Durch das fast gänzliche Wegbrechen des Horeca-Gewerbes gehen die Genossenschafts- wie die Privatwinzer bereits jetzt von einem Umsatzeinbruch von 50 bis 60 Prozent aus“, so Funck.


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Und wie überall bleiben auch im Agrarsektor noch viele Fragen offen. „Das A und O ist, dass die personelle Besetzung in allen Bereichen in größtmöglichem Umfang erhalten bleibt“, sagt Guy Feyder. Auf den Felgen fahre man immerhin schon zu Normalzeiten.


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