Concorde-Überfall: Spurensuche im Nichts
21 Jahre sind seit dem Überfall im Einkaufszentrum in Helfenterbrück vergangen. Das ist viel Zeit. Antworten auf die Frage, warum es so lange dauerte, bis ein Tatverdächtiger vor Gericht gestellt werden konnte, gab am Mittwoch ein Kriminalermittler.
Nach dem Raubüberfall im Juni 1997 gab es zunächst überhaupt keine konkreten Anhaltspunkte zu den Tätern. Dann aber, so erklärte gestern zunächst ein an den ursprünglichen Ermittlungen beteiligter Polizist, gab es einen Tipp aus Frankreich, einen Informanten, der einen Namen nannte.
Wie der heutige Ermittler in Berufung auf die damaligen Akten ausführte, fiel der Verdächtige kurze Zeit später dabei auf, wie er ein Einkaufszentrum in Bereldingen ausspähte. Der Mann aus dem Süden des Landes wurde daraufhin unter Observierung gestellt.
Parallelen zu Cactus-Überfall
Als der Mann dann am 12. September 1997 zur Tat schritt, und mit zwei Komplizen einen Geldboten im Cactus Bereldingen unter Waffengewalt ausraubte, war eine Zivilstreife der Gendarmerie sofort zur Stelle. Es kam zu einem Schusswechsel, den der Hauptverdächtige nicht überleben sollte. Ein Komplize ergab sich, ein dritter Tatbeteiligter wurde zwei Jahre später in Belgien festgenommen.
„Es war richtig, dass dieser Spur nachgegangen wurde“, erklärte gestern der Ermittler. Alle drei Männer hätten über sehr viel Geld verfügt, ohne dafür zu arbeiten. Das Tatmuster sei auf den ersten Blick identisch gewesen, auf den zweiten Blick habe es aber dann doch bedeutende Unterschiede gegeben, so der Polizist. Er spricht von Trittbrettfahrern.
Ein Blick ins LW-Archiv gibt zudem eine Erklärung für den Wohlstand der Verdächtigen. Den beiden Überlebenden und einem weiteren Mann wurde im November 1998 wegen eines Überfalls auf ein weiteres Cactus-Geschäft in Diekirch und mehr als 50 teils spektakulären Einbrüchen und Diebstählen im ganzen Land der Prozess gemacht.
Cold-Case wird wiederbelebt
Dann war es lange ruhig um die Ermittlungen, bis 2008 entschieden wurde, den Fall neu aufzurollen. Nach elf Jahren wurden die sichergestellten Asservate erneut untersucht – mit inzwischen weit fortgeschrittener Technik.
DNS-Spuren, etwa an einer Jeanshose, über die zwei Experten am Donnerstagnachmittag vor der Kriminalkammer Auskunft geben werden, führen 2010 zu einem einschlägig vorbestraften Franzosen: Joël C., der wegen seiner langjährigen Karriere als Räuber von der französischen Presse „Papy braqueur“ genannt wird.
„Rien à déclarer“
Nachdem 2011 ein internationaler Haftbefehl gegen den Verdächtigen ausgestellt wird, wird dieser zwar verhaftet. Doch zunächst muss er sich in Frankreich wegen Überfällen auf Supermärkte verantworten. Seine Aussagen bei einer Anhörung zum Raub im Großherzogtum beschränken sich auf drei Worte: „Rien à déclarer“.
Nach seiner Verurteilung wird der heute 64-Jährige 2015 nach Luxemburg ausgeliefert. Nun ist er bereit auszusagen. Er selbst habe nichts mit dem Raub zu tun. Er kenne aber den Fluchtfahrer. Und dessen Namen würde er nur nennen, weil dieser seit 2003 tot sei.
Der habe ihm erzählt, er habe den Geldboten auf der Flucht zwei Mal in die kugelsichere Weste geschossen. Allerdings trug das Opfer keine Schussweste und es gilt als unwahrscheinlich, dass der Fahrer während der Flucht zwei Mal gezielt durch die Rückscheibe auf den Sicherheitsmann schoss.
Der Ermittler wird seine Ausführungen am Freitag fortsetzen. Am Donnerstag haben zunächst die DNS-Experten das Wort und am kommenden Dienstag werden Augenzeugen des Überfalls in der City Concorde angehört.
