Concorde-Überfall: "Nie Gewalt angewandt"
(SH) - Im Prozess wegen des Überfalls im Shoppingcenter Concorde, bei dem am 24. Juni 1997 ein Geldbote erschossen worden war, blieb der Angeklagte auch am Donnerstag seiner Linie treu. Joël C., der sich 21 Jahre nach dem Vorfall als bisher einziger Angeklagter vor Gericht verantworten muss, beteuerte erneut, nicht an der Tat in Luxemburg beteiligt gewesen zu sein. „Es ist das erste Mal, dass ich unschuldig auf der Anklagebank sitze“, erklärte er. Deshalb würden sich einige seiner Aussagen von früheren unterscheiden. „Wenn man schuldig ist und weiß, dass man sitzen geht, kann man sagen, was man will.“ Das sei hier nun nicht der Fall.
Seiner Meinung nach könne man nicht wirklich von einer Ähnlichkeit zwischen der Tat in Luxemburg und jenen, die er begangen habe, sprechen. Davon, dass er an mehreren Überfällen beteiligt war, sprach er erneut mit Selbstverständlichkeit, betonte gar, dass er als Räuber bekannt sei. Er sei aber nie gewalttätig geworden. Und das, obwohl er sich ab und zu durchaus in verzwickten Situationen wiedergefunden hätte. Etwa, als ihm jemand auf den Rücken sprang oder bei einem Banküberfall in Frankreich, bei dem man ihn wiedererkannt hatte, und ihm sowie seinem Komplizen den Geldschrank nicht öffnen wollte. „Wir haben keine Gewalt angewandt, sondern einfach eine andere Bank überfallen. 30 Meter von der ersten entfernt.“
Sicherlich hätten die Täter damals ebenso wie in der Concorde Perücken getragen. „Wir hatten in der Bank keine andere Wahl“, so Joël C. Mit Sturmhauben hätte man ihnen den Zugang zum Geldschrank nämlich verwehrt.
„Waffe nie benutzt“
Durch die Anwendung von Gewalt gebe es aber einen großen Unterschied zwischen „dem, was ich mein ganzes Leben über getan habe“ – und wofür der 64-jährige Angeklagte bereits zu Freiheitsstrafen von 67 Jahren verurteilt wurde – und dem Überfall in Luxemburg. Er habe immer eine Waffe bei sich gehabt, diese aber nie benutzt. Wäre er tatsächlich jener Täter gewesen, der als groß und schlank bezeichnet wurde, hätte er dem Geldboten nicht mit der Waffe auf den Kopf geschlagen. „Ich wog 110 Kilo. Ich hätte dem Mann den Geldkoffer einfach abnehmen können“, so Joël C.
Auch sah er keine Parallelen zwischen jenen Gegenständen, die für die Tat benutzt worden waren und in einem Bach in Belgien gefunden worden waren, und seinem Vorgehen bei einem anderen Überfall. „Wir hatten damals alles in einen Fluss geworfen, nicht in einen kleinen Bach. Schwimmer mussten stundenlang nach den Objekten suchen.“
Sein Anwalt, Maître Philippe Penning, forderte einen Freispruch. Der Prozess wird am Freitag mit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft fortgesetzt.