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Concorde-Überfall: Kleine Waffenkunde im Gerichtssaal
Bei dem Überfall im Einkaufszentrum City Concorde waren am 24. Juni 1997 vier Schüsse abgefeuert worden.

Concorde-Überfall: Kleine Waffenkunde im Gerichtssaal

Foto: Lé Sibenaler/LW-Archiv
Bei dem Überfall im Einkaufszentrum City Concorde waren am 24. Juni 1997 vier Schüsse abgefeuert worden.
Lokales 3 Min. 20.11.2018

Concorde-Überfall: Kleine Waffenkunde im Gerichtssaal

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Der Geldbote Yvan Lecomte wurde am 24. Juni 1997 nicht mit der eigenen Dienstwaffe erschossen. Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse am ersten Verhandlungstag im Prozess um den blutigen Überfall vor 21 Jahren im Einkaufszentrum City Concorde.

Der Mann auf der Anklagebank wirkt sehr ruhig. Er hört aufmerksam und geduldig zu, legt den Kopf meist etwas nach hinten, streckt das Kinn hervor. Rein äußerlich könnte der 64-Jährige mit den etwas zu breiten Schultern für seine zierliche Statur und der stolzen Brust, seinem weißlich grauen Haar, dem ebenso verblichenen Vollbart und der Rockermiene auch zur Sicherheitstruppe eines Johnny Hallyday gehören.

Joël C. bringt sich ein, wenn er es für nötig hält und macht seinen Verteidiger regelmäßig auf Punkte aufmerksam, die ihm wichtig erscheinen. Er zeigt sich respektvoll, aber unbeeindruckt, von dem, was um ihn geschieht. Man merkt deutlich, dass Joël C. nicht zum ersten Mal vor Gericht steht. Auf die Frage, ob die Tatvorwürfe gegen ihn der Wahrheit entsprechen, meinte er entschieden: Nein!

Textilspuren im Fluchtauto

Damit war sein Auftritt zum Prozessauftakt auch schon beendet. Im Mittelpunkt standen am Dienstag andere: ein deutscher Gutachter, der Auskunft über gesicherte Textilspuren im Fluchtauto gab und zwei ehemalige Mitarbeiter der Police technique, die sich mit den Tatwaffen und der Spurensicherung am Tatort befassten.


Gerichtsgebäude evakuiert
An der hauptstädtischen Cité judiciaire konnte der Betrieb am Dienstagmorgen nicht wie geplant aufgenommen werden. Ein Alarm sorgte für eine Evakuierung der Gebäude.

Die Räuber hatten nach ihrer Tat und ihrer Flucht nach Belgien nämlich Tatwerkzeuge zurückgelassen – dem Anschein nach so, dass diese zumindest auch gefunden und dem Raub in Luxemburg zugeordnet werden mussten.

Als besonders interessant entpuppte sich dabei eine von drei gefundenen Perücken und ein Pullover: Von beiden wurden nämlich Faserspuren im Fluchtauto entdeckt, erklärte der Experte in einer ausführlichen Erklärung zu Farbspektren, Glanzelementen und Zusammensetzung.

Die Täter hatten aber auch die Tatwaffen entsorgt. Sie hatten diese allerdings in einem Bach bei Rulles (B) geworfen, und zwar so, dass sie nicht entdeckt werden sollten. Das wurden sie trotzdem, allerdings erst ein Jahr später, zu einem Zeitpunkt, als sie bereits stark verrottet waren.

Zwei Revolver, eine Pistole

Und doch. Schon alleine die Zusammenstellung der Waffen ist erkenntnisreich. Es sind eine kurzläufige Colt Cobra vom Kaliber .38, der beim Raub gestohlene Smith & Wesson-Dienstrevolver des Geldboten und eine US-Armeepistole vom Typ Colt .45 mit ausradierter Seriennummer.

Aufgrund der starken Verwitterung waren die Waffen für präzise Analysen nicht zu gebrauchen. Dazu kommt, dass die Luxemburger Spurensicherung 1997 schlecht ausgestattet war. Eine Lupe und ein Mikroskop, erzählt der Polizeibeamte im Zeugenstand, während beim deutschen Bundeskriminalamt bereits zehn Jahre zuvor auf elektronische Datenverarbeitung gesetzt wurde.


Die Räuber entwenden dem Geldboten beim Überfall den Dienstrevolver.
Kaltblütig erschossen
Am Dienstag beginnt vor der hauptstädtischen Kriminalkammer der Prozess gegen einen 64-jährigen Mann, dem vorgeworfen wird, vor 21 Jahren bei einem Überfall in Bartringen einen Geldboten erschossen zu haben.

Dennoch ist insbesondere die Armeepistole interessant. Diese weist die gleichen Systemmerkmale auf, wie die beiden Kugeln, die den Geldboten Yvan Lecomte ins Herz und in die Lunge trafen. Allerdings ist eine über alle Zweifel erhabene Identifizierung über Riefen und Einkerbung wegen des schlechten Zustands der Waffe nicht möglich.

Im Lauf befindet sich allerdings noch eine weitere Patrone – perkutiert, aber nicht abgefeuert. „Ein klassischer Versager“, wie der Experte meint. Der Täter mit dieser Waffe hat demnach noch einen dritten Schuss abgegeben.

Auch die Merkmale des Cobra-Revolvers passen zu den beiden Kugeln, die in der Drehtür des Einkaufszentrums und auf dem Parkplatz sichergestellt wurden. Lediglich die erbeutete Waffe des Geldboten wurde nicht abgefeuert. In ihr waren noch alle sechs Kugeln vorhanden.

DNS im Brennpunkt

Am Mittwoch wird der Prozess mit der Anhörung des ersten Polizisten, der am Ort des Geschehens in Bartringen eintraf sowie eines damaligen Ermittlungsbeamten fortgesetzt.


Prozess nach 21 Jahren
Auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums Concorde findet am 24. Juni 1997 das Leben eines 35-jährigen Geldboten ein jähes Ende. Mitte November beginnt nun der Prozess gegen seinen mutmaßlichen Mörder, einen 63-jährigen französischen Berufsverbrecher.

Am Donnerstag versprechen dann die Aussagen von zwei DNS-Experten spannend zu werden. Denn schließlich waren Genspuren, die erst ein Jahrzehnt nach dem Überfall gesichert wurden, ausschlaggebend für die Ermittlungen gegen den heutigen Angeklagten Joël C.

Am Freitag kommt dann voraussichtlich jener Polizist zu Wort, der die Ermittlung in diesem Fall seit 2008 führte.



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