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Colling-Rücktritt: "Keine wirkliche Überraschung"
Lokales 3 Min. 24.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Gemeinderat Junglinster

Colling-Rücktritt: "Keine wirkliche Überraschung"

Im Rathaus in Junglinster wird künftig ein Anderer das Sagen haben.
Gemeinderat Junglinster

Colling-Rücktritt: "Keine wirkliche Überraschung"

Im Rathaus in Junglinster wird künftig ein Anderer das Sagen haben.
Foto: Chris Karaba
Lokales 3 Min. 24.04.2015 Aus unserem online-Archiv
Gemeinderat Junglinster

Colling-Rücktritt: "Keine wirkliche Überraschung"

Nach dem Rücktritt der Junglinster Bürgermeisterin Francine Colling-Kahn sprechen „Déi Gréng“ von „einem internen Machtkampf innerhalb der CSV-Sektion“, der zum Rücktritt geführt habe. CSV, LSAP und DP wollen nichts von einem Zwist wissen.

(asc) - „Ich habe meinen Rücktritt als Bürgermeisterin eingereicht, weil ich nach sechsjähriger Amtszeit als Bürgermeisterin wieder mehr Zeit für meine Familie haben möchte“, mit diesen Worten hatte die 60-jährige Francine Colling-Kahn am Donnerstag ihre Entscheidung begründet. Seit zehn Jahren ist die CSV-Politikerin Francine Colling-Kahn in der Gemeinde politisch aktiv, seit 2009 leitete sie als Bürgermeisterin die Geschicke der Kommune.

Kmiotek (Déi Gréng): „Machtkampf in der CSV-Sektion“

Foto:Gerry Huberty

Unmittelbar nach Bekanntgabe dieser Demission schrieb der Oppositionsrat Christian Kmiotek (Déi Gréng) auf seiner Facebookseite, dass dieser Demission „ein interner Machtkampf innerhalb der CSV-Sektion Junglinster zugrunde liegt“. Auf Nachfrage des „Luxemburger Wort“ meinte Christian Kmiotek, dass Francine Colling-Kahn „innerhalb des CSV-LSAP-Schöffenrates zwischen zwei Stühlen gesessen hat und sich ständig den Vorwurf der lokalen CSV-Sektion hat gefallen lassen müssen, dass sie sich bei den beiden LSAP-Schöffen Mike Hagen und John Breden nicht durchsetzen könne“.

Kmiotek warf der Christlich-Sozialen Volkspartei „Konzeptlosigkeit vor, insbesondere in den Bereichen der Energieeffizienz und des Klimaschutzes“. Laut dem Oppositionspolitiker hätte etwa beim Projekt „Jong Mëtt“ längst eine Reihe von Entscheidungen getroffen werden müssen, dies sei jedoch bisher nicht geschehen. Nichtsdestotrotz unterstrich der Lokalpolitiker, dass „Déi Gréng“ in den vergangenen Jahren gut mit Francine Colling-Kahn zusammengearbeitet hätten, demnach seien die Fraktionsmitglieder von „Déi Gréng“ „von der Demission überrascht worden“.

Baum: „CSV-LSAP-Koalition 
hat Sand im Getriebe“

Laut DP-Oppositionsrat Gilles Baum hat es zwar „verständlicherweise politische Divergenzen mit der CSV und der LSAP gegeben“, dies sei aber nicht ungewöhnlich innerhalb eines Gemeinderates. Gleichwohl sei „die DP nicht überrascht worden von diesem Rücktritt“. In den Augen von Gilles Baum „funktioniert die CSV-LSAP-Koalition auch nicht mehr einwandfrei“. Der DP-Mann stellt der scheidenden Bürgermeisterin jedoch ein gutes Zeugnis aus, „auch wenn die DP verschiedene Dinge anders gemacht hätte“.

Hetto-Gaasch: „Aussagen 
der Opposition sind Quatsch“

Foto: LW-Archiv

Für die CSV-Sektionspräsidentin Françoise Hetto-Gaasch kam der Rücktritt ihrer Parteikollegin nicht überraschend. „Ich wusste schon längere Zeit, dass sie eine Amtsniederlegung ins Auge fasste. Als Sektionspräsidentin bedauere ich diesen Schritt natürlich sehr, denn sie hat in ihrer zehnjährigen Amtszeit als Bürgermeisterin eine gute Arbeit geleistet“, betonte Françoise Hetto-Gaasch auf Nachfrage hin.

Die 7.000 Einwohner zählende Gemeinde Junglinster habe sich im vergangenen Jahrzehnt gut weiterentwickelt, demnach lasse sie den Vorwurf nicht gelten, dass die lokale CSV kein Konzept für die Gemeinde habe, betonte Hetto-Gaasch mit Nachdruck. „Dies ist Quatsch!“, kommentiert die Abgeordnete die Aussagen der Opposition. „Auch gibt es keinen Machtkampf innerhalb der CSV-Sektion“, so Hetto-Gaasch. Unter den Mitgliedern der CSV-Sektion gebe es keine Zwietracht. 


Hagen: „Wir haben 
mit dem Rücktritt gerechnet“

Foto: LW-Archiv/Nadine Schartz

Auch für Schöffe Mike Hagen vom Koalitionspartner LSAP kam der Rücktritt nicht unverhofft, die scheidende Bürgermeisterin habe in den vergangenen Monaten öfters Andeutungen gemacht, die auf eine mögliche Demission schließen ließen. Als Koalitionspartner müsse man diese Entscheidung natürlich respektieren, so Mike Hagen, der die gute Zusammenarbeit innerhalb der CSV-LSAP-Koalition unterstrich.

Die möglichen Nachfolger

Bei den Wahlen von 2011 war Colling-Kahn mit 1.967 Stimmen Erstgewählte auf der CSV-Liste vor Romain Reitz (1.498 Stimmen), Gilles Dimmer (984 Stimmen), Jean Boden (976 Stimmen) und Tessy Schlesser-Theis (827 Stimmen). Nach den Wahlen wurde die CSV-Fraktion von Colling-Kahn, Reitz, Dimmer und Boden gebildet, nach dem Rücktritt von Gilles Dimmer aus dem Gemeinderat rückte Tessy Schlesser-Theis nach. Als Nachfolger auf dem Bürgermeisterstuhl kommen demnach Romain Reitz, Jean Boden und Tessy Schlesser-Theis in Frage. Werden die Wahlresultate bei der Bestimmung des Nachfolgers berücksichtigt, müsste der nächste Bürgermeister Romain Reitz heißen.



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