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Cluedo-Spiele im Gerichtssaal
Lokales 2 Min. 25.05.2018 Aus unserem online-Archiv

Cluedo-Spiele im Gerichtssaal

Die Auseinandersetzungen begannen vor einer Gaststätte in der Avenue de la Gare.

Cluedo-Spiele im Gerichtssaal

Die Auseinandersetzungen begannen vor einer Gaststätte in der Avenue de la Gare.
Foto: Guy Wolff
Lokales 2 Min. 25.05.2018 Aus unserem online-Archiv

Cluedo-Spiele im Gerichtssaal

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Mit einer Unmenge von Puzzleteilen muss sich seit Mittwoch die Kriminalkammer auseinandersetzen: Zwölf junge Männer sind wegen mehrstündigen und bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen zwei Escher Jugendgruppen im Februar 2012 angeklagt.

Dass die Nacht zum 11. Februar 2012 nicht ohne Folgen bleiben würde, dürfte den Beteiligten schon damals klar gewesen sein. Dass diese nun sechs Jahre auf sich warten ließen, war aber wohl weniger absehbar.

Seit Mittwoch müssen sich nun insgesamt zwölf Angeklagte im Alter zwischen 25 und 33 Jahren wegen gewaltsamen und teils bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen zwei Gruppen von etwa 20 jungen Menschen mit kapverdisch-portugiesischem Hintergrund vor der Kriminalkammer verantworten.

Nur drei Personen waren in der Nacht selbst in Esch/Alzette festgenommen worden und hatten am darauffolgenden Tag einen Termin beim Untersuchungsrichter. Gegen andere Beteiligte sind die Ermittlungen auch nach sechs Jahren nicht abgeschlossen, sie könnten aber jederzeit in einem weiteren Prozess angeklagt werden.

Zwölf Angeklagte – 14 erhebliche Straftaten

Die zwölf in diesem Verfahren beschuldigten Angeklagten, von denen neun aus einer Gruppe stammen, drei aus der anderen, müssen sich wegen insgesamt 14 teils erheblichen Straftaten verantworten, die von den Ermittlern nachvollzogen werden konnten. Zu diesen Straftaten zählt auch versuchter Totschlag in drei Fällen sowie mehrfache schwere Körperverletzung mit Folgeschäden.

Die Kriminalkammer hat nun in den kommenden fünf Wochen insgesamt 18 Verhandlungen angesetzt, um festzustellen, wer, wann wo, welche Straftaten begangen hat. Und bereits der Prozessauftakt entpuppte sich als regelrechtes Cluedo-Spiel.

Was der Auslöser für den mehrstündigen Gewaltexzess war, scheint auch nach sechs Jahren nicht geklärt. Seinen Anfang nahm er aber, wie es scheint, kurz vor 0.30 Uhr an jenem Samstagmorgen vor einer Gaststätte in der Avenue de la Gare.

Die Polizei wurde zu diesem Zeitpunkt über eine erste handfeste Auseinandersetzung informiert. Hier wurde sowohl mit Fäusten, aber auch mit einem Baseballschläger zugeschlagen. Gedroht wurde allerdings auch mit einer Machete. Und es kam zu einem ersten Totschlagversuch durch ein Mitglied der Gruppe, aus der drei Personen angeklagt sind.

Genau wie beim restlichen Verlauf der Nacht sind in diesem Zusammenhang nur Puzzlestücke bekannt, die es im Prozess nun zusammenzufügen gilt.

Ein zweiter und ein dritter Totschlagsversuch

Die Auseinandersetzungen verlagerten sich scheinbar nach dem Eintreffen der Polizei weiter ins Brillviertel. Hier kam es dann zu weiteren Vorfällen, darunter einem mit einem Elektroschocker. Zudem beschädigten zwei Männer in der Rue Nothomb den Wagen eines Kontrahenten. Dieser sann dann offensichtlich später in der Nacht auf Rache. Gegen 2.20 Uhr versuchte er nämlich, drei Mitglieder der gegnerischen Gruppe in Höhe der Metzgerei in der Rue du Brill mit eben diesem Wagen zu überfahren – den Ermittlungen zufolge mit der klaren Absicht, drei Menschen zu töten.

Es sollte nicht der einzige Totschlagsversuch an diesem Schauplatz bleiben. Denn alle neun Angeklagten aus der einen Gruppe sind beschuldigt, versucht zu haben, vor der Metzgerei einen anderen Mann zu töten – jenen, der zuvor mit der Machete gedroht hatte.

Die Verhandlungen in diesem Fall, in dem es schwer fällt, die Übersicht zu behalten, wird kommende Woche fortgesetzt.