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Cloche d'Or: Bevor es zu spät ist
Lokales 8 5 Min. 31.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Cloche d'Or: Bevor es zu spät ist

Cloche d'Or: Bevor es zu spät ist

Foto: Steve Eastwood
Lokales 8 5 Min. 31.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Cloche d'Or: Bevor es zu spät ist

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Erst 2020 entsteht in Cloche d'Or ein Fußgängerweg mit Brücke. Eine schnelle Übergangslösung soll die Gefahr nun bannen.

Es ist eine unhaltbare, weil lebensbedrohliche Situation: Neben vielen Kunden tagsüber, bahnen sich allabendlich zwischen 20 und 22 Uhr Hunderte Mitarbeiter des Einkaufszentrums Cloche d'Or Experience einen gefährlichen Weg entlang einer ungesicherten Straße vom Ban de Gasperich zum Park&Ride-Parkplatz Luxembourg-Sud in Howald.

Ganz gleich, welche Fahrbahnseite sie dabei wählen, ihr Fußweg in der Dunkelheit führt jeweils über eine Autobahnauffahrt sowie über Leitplanken, und das nur wenige Handbreit von dem mit rund 70 km/h fließenden Verkehr entfernt.

Dass es hier jederzeit zu einem schweren Unfall kommen kann, ist offensichtlich. Zu sagen, wer sich so in Gefahr bringt, ist selbst schuld, so wie das Problem bereits mehrfach in sozialen Medien dargestellt wurde, kann nicht ausreichen. Denn das Problem ist seit mindestens fünf Monaten bekannt.

Verändert hat sich in dieser Zeit auf dem Streckenabschnitt nichts. Die politische Verantwortung ist geteilt: Für die Fahrbahn sind Ministerium und Straßenbauverwaltung zuständig. Für die Urbanisierung des Ban de Gasperich und für Bürgersteige und Fußgängerwege entlang der Staatsstraßen die Kommunen.

Lösung mit Brücke

Eine Lösung liegt auf dem Tisch und die kommt vom Ministerium für Mobilität und öffentliche Bauten. „Obwohl das eigentlich nicht unsere Zuständigkeit ist, werden wir einen neuen Fußgängerweg bauen und finanzieren“, erklärt Ressortminister François Bausch. „Weil wir nicht wollen, dass sich die Menschen dort in Gefahr bringen und weil wir helfen wollen.“

So wird die Straßenbauverwaltung einen neuen Weg mitsamt Brücke bauen, der vom Kreisverkehr am Cactus Howald, über den Park&Ride-Parkplatz zum Ban de Gasperich führt. Die Route soll für Fußgänger und Radfahrer gleichermaßen zugänglich sein und verläuft südlich des CR 231, also zur Seite des Centre douanier.

Wichtigster Bestandteil soll, wie Bausch ausführt, eine Brücke sein, die am Ban de Gasperich über den Autobahnzubringer der Autobahnen A3 und A6 führen wird (siehe Grafik unten).

Die Bauarbeiten, die in zwei Lose aufgeteilt wurden, werden in den kommenden drei Monaten ausgeführt. Der Brückenschlag dürfte dabei die meiste Zeit in Anspruch nehmen, so der Minister. Je nach den Witterungsverhältnissen könnte der neue Weg dann frühestens im Januar und spätestens im Februar fertiggestellt sein.

Das sind weitere vier Monate, in denen sich täglich Menschen in Cloche d'Or in Lebensgefahr begeben – auch wegen eines unfertigen Gesamtkonzepts.

Ausweg liegt vor aller Augen

Dabei liegt die provisorische Zwischenlösung eigentlich vor aller Augen: Auf dem CR 231 ist bereits seit Längerem eine Fahrbahn in Richtung Hesperingen zwischen der Autobahnauffahrt und dem Park&Ride-Parkplatz gesperrt. Den Weg macht sich bereits jetzt ein Großteil der Fußgänger zunutze. Dieser Bereich könnte durch eine kalifornische Mauer zusätzlich geschützt werden. Kurz vor der Schikane in der Fahrbahn sollte der Weg dann hinter die Leitplanken verlegt werden.

Der schwierigste Teil betrifft den Übergang über die Autobahnfahrt. Aber auch hier liegt die Lösung auf der Hand. Am Ende des Boulevard Raiffeisen steht nämlich eine voll funktionsfähige Ampelanlage.

Foto: Steve Eastwood

Die Ampeln sind allerdings derzeit mit grauen Planen zugehängt, da sie dort derzeit noch keinen Zweck erfüllen. Und, es ist noch kein Zebrastreifen eingezeichnet – ein Umstand, der in wenigen Stunden behoben werden könnte.

Die Autobahnauffahrt befindet sich nur wenige Meter von dieser Ampelanlage entfernt. Hier sollte dann eine zweite Ampelanlage aufgerichtet werden, die zur bestehenden parallel geschaltet wird. Das erlaubt es dann, die Fußgänger sicher über die Auffahrt hinter die Leitplanken des CR 231 zu bringen.

Es gibt auch eine zweite Alternative für einen provisorischen Fußgängerweg – auf der gegenüberliegenden Fahrbahnseite in Fahrtrichtung Cloche d'Or. Dieser würde direkt an der südlichen Ecke des Einkaufszentrums in der Rue Rosalind Franklin beginnen.

Ein provisorisches Brückengerüst, wie es beispielsweise an Baustellen eingesetzt wird, könnte die Fußgänger hier über die dortige Autobahnauffahrt führen. Dann müsste nur noch der bestehende Trampelpfad hinter den Leitplanken befestigt werden. Dieser führt nämlich direkt zur neu errichteten Nordhälfte des Park&Ride.

Wach gerüttelte Akteure

Mitarbeiter des Ministeriums für Mobilität und öffentliche Bauten haben sich bereits am Dienstag vor Ort mit diesen provisorischen Lösungen befasst.

Mitarbeiter der Hauptstadtverwaltung wollen sich am Donnerstag nach Cloche d'Or begeben, bestätigte Bürgermeisterin Lydie Polfer dem „Luxemburger Wort“ am Mittwochabend. „Wir wollen jetzt sofort eine Lösung finden, welche die Zeit bis zur Fertigstellung der dauerhaften Verbindung überbrückt“, betont sie und fährt fort: „Auch wenn diese Lösung nicht allen Regeln der Kunst entspricht, wir wollen, dass es zumindest einen gesicherten Weg gibt.“


Lokales, Auchan Cloche D'Or, Verkehr, Schwierigkeiten beim Strassen überqueren, Sicherheit, gefährliches Manöver der Passanten,   Foto: Anouk Antony/Luxemburger Wort
Cloche d'Or: Gefahr am Fahrbahnrand
Im Juni wurde das Einkaufszentrum Cloche d'Or eröffnet. Viele Fußgänger warten aber noch immer auf einen sicheren Weg zum P+R-Platz in Howald.

Es sei eine sehr empfindliche Situation, betont Lydie Polfer. Dass der Weg so abrupt an der Autobahnauffahrt aufhört, habe auch einen Grund: Es habe konkrete Pläne für das Midfield-Gelände gegeben, also für jenes, auf dem sich derzeit der Park&Ride-Parkplatz und das Centre douanier befindet. Doch diese Vorhaben seien alle auf Eis gelegt worden. Deshalb entstehe dieser unfertige Eindruck.

„Lösung noch diese Woche“

„Menschen suchen sich den kürzesten und einfachsten Weg, auch wenn es wie hier gerade die gefährlichste Lösung ist, die sie überhaupt finden konnten“, fährt die Hauptstadtbürgermeisterin fort. „Wir können von Glück reden, dass bislang noch nichts geschehen ist, und wir wollen auch nicht, dass es dazu kommt. Wenn ich ein Kind zu Hause sitzen hätte, das auf mich warten würde, dann wäre ich auch unruhig“, so Lydie Polfer.


Lokales, Auchan Cloche D'Or, Verkehr, Schwierigkeiten beim Strassen überqueren, Sicherheit, gefährliches Manöver der Passanten,   Foto: Anouk Antony/Luxemburger Wort
Kommentar: Scheinlösung
Die Planung der Infrastrukturen rund um das Shoppingcenter Cloche d'Or wurde nicht zu Ende gedacht. Die Leidtragenden sind die Fußgänger.

Am Mittwochvormittag habe sie ein Gespräch mit Minister Bausch geführt und man sei sich einig, gemeinsam eine schnelle Lösung zu finden. Deshalb habe sie bereits am Mittwochnachmittag ihren Diensten einen Vorschlag unterbreitet, den sie noch am Donnerstag dem Ministerium und der Straßenbauverwaltung vorstelle.

„Die Stadt Luxemburg wird sich bemühen, sehr, sehr kurzfristig einen besser gesicherter Weg anzubieten“, bekräftigt Lydie Polfer abschließend – am Tag 155 nach der Eröffnung des Shopping-Centers.


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Ver(w)irrung
So wie den Ban de Gasperich würde man ein modernes Stadtviertel heute wohl nicht mehr planen.