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Claude Meisch über Campari, Columbo und seine Studentenbude
Lokales 4 Min. 13.11.2014 Aus unserem online-Archiv
Zur "Foire de l'étudiant"

Claude Meisch über Campari, Columbo und seine Studentenbude

Früh übt sich: Schon während seiner Studentenzeit war Claude Meisch (r.) – hier mit Premier Xavier Bettel (l.) – politisch aktiv.
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Claude Meisch über Campari, Columbo und seine Studentenbude

Früh übt sich: Schon während seiner Studentenzeit war Claude Meisch (r.) – hier mit Premier Xavier Bettel (l.) – politisch aktiv.
Foto: Privat
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Claude Meisch über Campari, Columbo und seine Studentenbude

Hochschulminister Claude Meisch musste die Miete für seine Studentenbude immer in bar bezahlen. Aus welchem Grund - und was dies mit Campari-Orange und "Columbo" zu tun hat - erklärt er im Gespräch mit dem "Luxemburger Wort".

(DL/nas) - Hochschulminister Claude Meisch musste die Miete für seine Studentenbude immer in bar bezahlen. Aus welchem Grund und was dies mit Campari-Orange und "Columbo" zu tun hat, erklärt er im Gespräch mit dem "Luxemburger Wort".

Claude Meisch, was und wo haben Sie studiert?

Ich habe in Trier Wirtschaftsmathematik studiert. Mein Ziel war es, auf dem Finanzplatz in Luxemburg „unterzukommen“ und meinen Weg dort zu gehen.

Waren Sie sich denn von Anfang an mit der Wahl ihres Studienfaches sicher?

Ich hatte vor Trier noch eine Zwischenetappe: Ich habe ein Semester Chemie in Stuttgart studiert. Wie viele Jugendliche habe ich genau das getan, was man nicht tun sollte. Nach meinem Sekundarschulabschluss hält man sein Diplom in den Händen, man feiert dies ausgiebig und überlegt sich dann irgendwann, welche Schritte man in Zukunft machen will. Ich habe mich daraufhin für ein Chemiestudium entschieden, stellte mir aber weder die Frage nach meiner beruflichen Zukunft noch habe ich mich damit auseinandergesetzt, wie dieser Studiengang aussieht. Chemie kannte ich, es machte mir Spaß, doch kannte ich es nur theoretisch. Ich war schon etwas erschrocken, als ich dann den ganzen Tag im Labor verbringen musste. Irgendwann dachte ich mir aber, dass dies nichts für mich sei.

Wieso haben Sie sich schließlich für Trier entschieden?

Hierfür gibt es einige Gründe: Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits mit meiner Frau zusammen. Sie hat damals weiter in Luxemburg studiert, weshalb ich dann auch nicht zu weit weg wollte. Zudem war ich bereits politisch aktiv, so dass ich fast jedes Wochenende oder auch zwischendurch nach Hause kam, um an einer Versammlung teilzunehmen. Somit war Trier eigentlich optimal. Natürlich habe ich mich auch sehr für den Studiengang interessiert. Mathematik hat mich schon vor meinem Studium fasziniert und die Mischung mit der Wirtschaft trug mit zu meiner Entscheidung bei. Dazu muss ich sagen, dass die Uni neu war und mir gut gefallen hat. Die Mathematikfakultät war überschaubar und der Kontakt mit den Professoren war, im Gegensatz zu anderen Universitäten, sehr gut. Kam anfangs der 1990er-Jahre eher die Diskussion um überfüllte Hörsäle an den deutschen Universitäten auf, so war dies in Trier nicht der Fall.

Wie sah Ihre erste Studentenwohnung aus?

In Stuttgart wohnte ich in einer schönen, aber teuren Kellerwohnung einer Lehrerin und eines Ingenieurs. Da diese mir aber auf Dauer zu teuer war, einigten wir uns darauf, dass ich ein freies Zimmer in ihrem Haus beziehen durfte. In Trier zog ich dann wieder zurück in eine Kellerwohnung im Haus einer Witwe. Ich half ihr auch manchmal bei den Gartenarbeiten. Die Monatsmiete wollte sie allerdings stets in bar. Und dies aus gutem Grund: Wenn ich mit dem Geld zu ihr kam, gab es frisch gebackenen Kuchen, heiße Schokolade, Campari-Orange im Sommer und Glühwein im Winter und rein zufällig lief genau an dem Tag die Serie „Columbo“. Natürlich habe ich dieses Programm jeden Monat mitgemacht.

Wurden Sie als Student „getauft“?

Nein. Ich war eigentlich nie in einer Studentenverbindung. Ich habe zwar in Trier an einigen Veranstaltungen, wie unter anderem einem Staffellauf nach Luxemburg, teilgenommen, aber sonst war ich nie wirklich aktiv. Ich denke aber, dass ich mich auch in anderen Uni-Städten nicht hätte taufen lassen. Ich mag es nicht, wenn ein anderer mir sagt, was ich tun soll, um dazu zu gehören. Dazu bin ich nicht der Typ.

Hochschulminister Claude Meisch musste die Miete für seine Studentenbude immer in bar bezahlen. Warum erzählt er in unserem Interview.
Hochschulminister Claude Meisch musste die Miete für seine Studentenbude immer in bar bezahlen. Warum erzählt er in unserem Interview.
Foto: Gerry Huberty

Das Angebot an der Uni Luxemburg wird immer größer. Ist es für Sie trotzdem wichtig, dass die Jugendlichen im Ausland studieren?

Ja, ganz klar. Die Uni.lu hat absolut eine Daseinsberechtigung. Damit können wir auch Jugendliche von einem Studium überzeugen, die dies vorher aus irgendwelchen Gründen nicht im Ausland tun wollten. Wir haben natürlich auch ein Interesse daran, die Uni noch weiter auszubauen, um auch junge Studenten aus dem Ausland von einem Studium im Großherzogtum zu überzeugen. Als Land profitieren wir davon, weil die Chance besteht, dass die Jugendlichen, die in Luxemburg studieren, nach ihrem Abschluss hier eine Arbeit finden. Klar ist, dass wir auf dem Arbeitsmarkt sehr viele junge Akademiker brauchen und dies in sehr vielen Bereichen. Nichtsdestotrotz denke ich, dass es für die Jugendlichen wichtig ist, Luxemburg – zumindest für eine gewisse Zeit – zu verlassen, um im Ausland neue Erfahrungen zu sammeln, auf eigenen Füssen zu stehen, in einem völlig neuen Umfeld zu leben, einen neuen Freundeskreis aufzubauen, eine neue Kultur kennenzulernen und sich in einer Sprache zu verbessern. Nachher kommt man nicht nur mit seinem akademischen Wissen, sondern auch mit mehr Lebenserfahrung zurück. Hinzu kommt, dass man während des Studiums Kontakte knüpft, die einem selbst und dem Land später auch beruflich weiterhelfen.

Welchen Rat würden Sie den Studenten mit auf den Weg geben?

Auf jeden Fall sollten die Jugendlichen sich gut überlegen, was und wo sie studieren, und ob diese Wahl wirklich das Passende für sie ist. Zudem sollten sie sich Gedanken über den Berufsalltag und die Berufschancen machen. Auch sollten sie ein Fach nicht nur studieren, weil sie darin in der Sekundarschule gute Noten hatten, oder eine Uni-Stadt wählen, nur weil ihre Freunde dort studieren. Es handelt sich dabei schließlich um eine Entscheidung fürs Leben.


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