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Classe d'accueil im Sportlycée: Sport verbindet Jugendliche
Lokales 3 Min. 19.01.2016

Classe d'accueil im Sportlycée: Sport verbindet Jugendliche

Seit Montag drücken 15 Flüchtlinge die Schulbank im "Sportlycée".

Classe d'accueil im Sportlycée: Sport verbindet Jugendliche

Seit Montag drücken 15 Flüchtlinge die Schulbank im "Sportlycée".
Foto: Stefanie Hildebrand
Lokales 3 Min. 19.01.2016

Classe d'accueil im Sportlycée: Sport verbindet Jugendliche

Seit Montag gibt es im „Sportlycée“ eine „classe d'accueil“ mit 15 Schülern aus Afghanistan und dem Irak, die dort alphabetisiert werden und hauptsächlich Französisch lernen.

(SMH) - Seit Montag gibt es im „Sportlycée“ eine „classe d'accueil“ mit 15 Schülern aus Afghanistan und dem Irak, die dort alphabetisiert werden und hauptsächlich Französisch lernen. Geplant ist aber auch die Teilnahme am regulären Unterricht wie z. B. Sport, Musik oder Kunst.

Jeden Monat kommen ca. 15 Kinder im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren, die keine der hiesigen Unterrichtssprachen beherrschen, nach Luxemburg. Sie kommen in eine sogenannte „classe d'accueil“ oder „classe d'insertion pour 
jeunes adultes“ in verschiedenen Sekundarschulen im Land wie z. B. dem „Lycée technique du centre“, um eine der Unterrichtssprachen zu erlernen.

Von 21 auf 25

Bisher gab es 21 Klassen dieser Art. Da sich die Anzahl der Kinder, die mit und ohne Eltern nach Luxemburg kommen, in letzter Zeit erhöht hat, werden mehr „classes d'accueil“ gebraucht. Das Bildungsministerium plant die Anzahl von derzeit 21 „classes d'accueil“ in diesem Jahr auf 25 zu erhöhen.

Im „Lycée classique“ in Diekirch und im hauptstädtischen „Lycée Robert Schuman“ wurden diesen Winter neue „classes d'accueil“ eingerichtet. Am Montag startete eine Alphabetisierungsklasse im „Sportlycée“ in Luxemburg-Cents. In der Europaschule und im „Lycée Nic Biever“ in Düdelingen sind weitere Klassen geplant.

Zuerst die lateinische Schrift

Die besondere Herausforderung für die Schüler der „classe d'accueil“ im „Sportlycée“ ist, dass sie bisher nur in arabischer Schrift geschrieben haben. In der neuen Klasse lernen sie deshalb zuerst die lateinische Schrift, hinzu kommt Französisch, ein wenig Luxemburgisch und Mathematik.

Raymond Conzemius, Direktor des „Sportlycée“, erklärt: „Für uns ist das Neuland. Wir müssen im Bereich Alphabetisierung auch noch dazulernen. Daher haben wir unsere Lehrerschaft gefragt, ob sie das machen will. Die Lehrerinnen und Lehrer haben sich freiwillig für den Unterricht in der neuen Klasse gemeldet.“

Am Montagmorgen kamen Jugendliche aus drei verschiedenen „Foyers de premier accueil“ mit ihren Betreuern zu einer Informationsveranstaltung ins „Sportlycée“. Das Bildungsministerium entsandte für diesen Tag die interkulturelle Mediatorin Amel Senhadji, die für drei irakische Kinder ins Arabische übersetzte. Ein zweiter Übersetzer für Dari, die Landessprache Afghanistans, erschien leider nicht, sodass der Betreuer der afghanischen jungen Schüler einsprang, der Englisch verstand.

Direktor Conzemius stellte deshalb die Schule, die Lehrerinnen sowie die Verantwortlichen des Spos (Service de psychologie et d'orientation scolaire) einmal auf Französisch, für die Übersetzerin ins Arabische und anschließend auf Englisch für den Betreuer der afghanischen Gruppe vor.

Ohne viele Worte

Geplant ist, die ausländischen Schüler an den sportlichen Aktivitäten der Schule teilhaben zu lassen. „Sport ist wie eine Sprache, die man auch ohne viele Worte versteht“, so der Direktor, der die Jugendlichen an der „Hall of Fame“, dem Mittelgang mit den Bildern der sportlich erfolgreichen Abgänger des Lycée, vorbeiführte.

Genauso wie die lokalen Schüler bekamen auch die Neuzugänge eine Schülerkarte, mit der sie in die Schulkantine essen gehen können. In der Kantine wurden alle Speisen mit Bildern über deren Inhalt beschildert, damit man erkennt was „halal“, d. h. was erlaubt ist.

Der 15-jährige Hasibulla Gharibyar, der drei Monate brauchte, um ohne Eltern von Kundus nach Luxemburg zu gelangen, freut sich auf das „Sportlycée“. Er spielt Fußball und trainiert gerne. Sein Lieblingsfußballer ist Cristiano Ronaldo. Damit dürfte er sich nicht sonderlich von seinen hiesigen Schulkollegen unterscheiden.

Die Schwestern Fatima (15 Jahre) und Zahraa (zwölf Jahre) Al-Inizi machen gerne Fitness. Sie sind mit ihrem Vater und zwei Geschwistern in der alten „Maternité“ untergebracht. Ihre hochschwangere Mutter ist noch in Bagdad. Sie interessieren sich für Mode sowie arabische und indische Musik. Fatima möchte gerne Stricken lernen. Neben dem Sprachunterricht sollen die Schülerinnen und Schüler sobald wie möglich am regulären Unterricht teilnehmen können.


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