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CIGR Syrdall: Pikante Details zu schwerwiegenden Vorwürfen
Lokales 3 Min. 21.10.2019

CIGR Syrdall: Pikante Details zu schwerwiegenden Vorwürfen

Seit die Gemeinde Contern Anzeige erstattet hat, brodelt es in den Gremien der Beschäftigungsinitiative CIGR Syrdall.

CIGR Syrdall: Pikante Details zu schwerwiegenden Vorwürfen

Seit die Gemeinde Contern Anzeige erstattet hat, brodelt es in den Gremien der Beschäftigungsinitiative CIGR Syrdall.
Foto: Anouk Antony
Lokales 3 Min. 21.10.2019

CIGR Syrdall: Pikante Details zu schwerwiegenden Vorwürfen

Rita RUPPERT
Rita RUPPERT
Beim CIGR Syrdall brodelt es weiter. Immer mehr Informationen sickern durch und werfen ein schlechtes Licht auf die Verantwortlichen.

Knapp zwei Wochen nachdem die Gemeinde Contern Anzeige gegen Unbekannt und einen Mitarbeiter des CIGR (Centre d'initiative et de gestion régional) Syrdall wegen Missständen im Finanz- und Personalmanagement eingereicht hat, sickern weitere Informationen über die Hintergründe durch. Dabei geraten sowohl der langjährige Leiter der Koordinationsstelle als auch Verwaltungsratsmitglieder der Beschäftigungsinitiative ins Kreuzfeuer der Kritik. 

Laut LW-Informationen soll der Coordinateur général immer wieder Mitarbeiterinnen sexuell belästigt, ihnen unmissverständliche Fotos und Botschaften via sein Betriebsmobiltelefon geschickt und Geschlechtsverkehr mit ihnen gehabt haben. 

Fernand Schiltz, Vertreter der Gemeinde Contern, Sekretär des Verwaltungsrates und des Bureau exécutif, erfuhr davon am 21. Mai durch ein Mitglied der Personaldelegation. 

Die Beschäftigungsinitiative hat ihren Sitz in der Industriezone Schaedhaff in Sandweiler.
Die Beschäftigungsinitiative hat ihren Sitz in der Industriezone Schaedhaff in Sandweiler.
Foto: Anouk Antony

Verwaltungsrat bereits im Mai informiert

Er zeigt sich auch fünf Monate später noch immer schockiert: „Bei den Opfern handelt es sich um Frauen, die es zu Hause nicht einfach haben. Sie sind auf diese Arbeit angewiesen. Für mich war klar, dass sie vom Coordinateur général ausgenutzt werden.“ 


Lokales,CIGR Syrdall De Syrdaller Atelier.Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
Leiter von CIGR Syrdall unter Verdacht
Die Gemeinde Contern klagt wegen Missständen beim CIGR Syrdall – und belastet den Leiter der Beschäftigungsinitiative.

Sprachlos habe ihn die Reaktion der anderen Verwaltungsratsmitglieder gemacht, als er die Suspendierung dieses Mannes forderte: „Ich stand alleine mit meinem Ansinnen. Die anderen meinten, das käme auch in anderen Unternehmen vor. Fazit: Es geschah nichts.“ 

Und weiter: „Mehr noch, die Frauen, die bei einer ersten Anhörung noch bereitwillig über das Geschehene gesprochen hatten, sagten bei der zweiten Anhörung, der Geschlechtsverkehr habe einvernehmlich stattgefunden“, erzählt Schiltz. „Das ist für mich nur so zu erklären, dass zwischenzeitlich Druck auf sie ausgeübt wurde. Meines Wissens hat später nur eine Frau Anzeige erstattet.“ 

Im Gespräch mit dem LW zeigt sich auch ein ehemaliger Angestellter empört: „Dass lange nichts dagegen unternommen wurde, ist erstaunlich. Schließlich wurden die Mitglieder des Verwaltungsrates in einem frühen Stadium darüber informiert. Sie befanden es nicht für nötig, etwas zu tun. Das ist nachlässig. Die Leute wurden mit ihrem Leid alleine gelassen.“ Und: „Nichts sollte an die Öffentlichkeit gelangen.“ 

Wie in einem schlechten Film

„Es war wie in einem schlechten Film“, sagt indes eine frühere Angestellte, die ihre Konsequenzen gezogen hat, damit wieder Ruhe in ihr Leben einkehrt. Sie hat sowohl von den Botschaften per Handy als auch von den Ungereimtheiten betreffend die Halle in der Industriezone Schaedhaff in Sandweiler gewusst – dabei ging es eigentlich nur darum, sie an die Bedürfnisse des CIGR Syrdall anzupassen. 

Die Industriezone "Schaedhaff" in der Gemeinde Sandweiler.
Die Industriezone "Schaedhaff" in der Gemeinde Sandweiler.
Foto: Anouk Antony

„Ich habe meine Arbeit gewissenhaft erledigt. Als ich Verwaltungsratspräsident Mike Hagen auf diverse Probleme mit der Renovierung der Halle hinwies, sagte er, er werde das mit dem Koordinator regeln. Geschehen ist aber nichts.“ 

Unbegreiflich sei ihr, wie man in die Halle investieren könne, die einem nicht gehöre und deren zukünftige Nutzung mehr als ungewiss sei. Auch sie wurde mit ihren Sorgen allein gelassen. „Ich habe verschiedene Mitglieder des Verwaltungsrates kontaktiert, um Hilfe zu erhalten. Mit demselben Resultat“, berichtet die Frau, die nach monatelangem Mobbing die Reißleine zog. 

Hinweise auf Günstlingswirtschaft

Die Missstände scheinen aber noch viel weiter zu gehen. Wie aus gut unterrichteter Quelle zu erfahren war, sollen Angestellte der Beschäftigungsinitiative bei mindestens zwei Verwaltungsratsmitgliedern Arbeiten durchgeführt haben, die weit über die erlaubte Zahl von vier Stunden pro Woche hinausgingen und zu einem reduzierten Stundenpreis verrechnet wurden. 

Die Beschäftigungsinitiative hat ihren Sitz in der Industriezone Schaedhaff in Sandweiler.
Die Beschäftigungsinitiative hat ihren Sitz in der Industriezone Schaedhaff in Sandweiler.
Foto: Gerry Huberty

Als Ausbildung könnten die Arbeiten keineswegs gewertet werden. Einwände von Andersdenkenden seien beiseite geschoben worden, heißt es von derselben Quelle. 

Laut LW-Informationen wurde das Bureau exécutif für Dienstagmorgen einberufen. Begleitet von einem Experten will Mike Hagen, Präsident des Verwaltungsrats und des Exekutivbüros, den Vertretern der fünf Mitgliedsgemeinden Niederanven, Schüttringen, Sandweiler, Junglinster und Contern bei einem Rundgang durch die Halle in Sandweiler zeigen, welche Arbeiten für wie viel Geld erledigt wurden. 

Contern denkt über Austritt nach

Am Nachmittag tritt dann der Verwaltungsrat zusammen. Interessantes Detail am Rande: Zum ersten Mal soll ein Vertreter des Arbeitsministeriums dabei sein. 

Darauf angesprochen, meinte Marion Zovilé-Braquet, Bürgermeisterin der Gemeinde Contern, die den Stein am 9. Oktober mit einer Pressemitteilung ins Rollen gebracht hatte: „Mich schockiert, dass der Coordinateur général noch immer auf seinem Posten ist. Ich weiß meiner Hände keinen Rat mehr. Wenn nichts geschieht, tritt die Gemeinde Contern aus dem CIGR Syrdall aus.“

Derselben Meinung ist auch ihr Schöffe Fernand Schiltz: „Die Gemeinde Contern leistet einen Beitrag von 360.000 Euro pro Jahr. Werden unsere Forderungen nicht erfüllt, werden wir austreten. Für dieses Geld können wir auch einige Mitarbeiter für die Gemeindedienste einstellen.“ 


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