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Chronologie: 24 Bomben, ein Knall und 23 Jahre später...
Spurensuche nach dem Attentat am Schléiwenhaff am 7. Mai 1985.

Chronologie: 24 Bomben, ein Knall und 23 Jahre später...

Spurensuche nach dem Attentat am Schléiwenhaff am 7. Mai 1985.
Lokales 31 Min. 25.03.2012

Chronologie: 24 Bomben, ein Knall und 23 Jahre später...

Aus der Ferne sieht man vieles oft klarer und deutlicher, meinte Staatsanwalt Robert Biever in seiner Pressekonferenz. Das sieht wort.lu auch so. Bevor in zehn Tagen Justizminister Frieden den Bericht der "Inspection Générale de la Police" zu einer fragwürdigen Beschattung eines verdächtigen Ex-Polizisten vorgelegt bekommt, blickt wort.lu noch einmal auf die journalistischen und kriminalistischen Recherchen der vergangenen 23 Jahre zurück.

Aus der Ferne sieht man vieles oft klarer und deutlicher, meinte Staatsanwalt Robert Biever in seiner Pressekonferenz. Das sieht wort.lu auch so. Bevor in zehn Tagen Justizminister Frieden den Bericht der "Inspection Générale de la Police" zu einer fragwürdigen Beschattung eines verdächtigen Ex-Polizisten vorgelegt bekommt, blickt wort.lu noch einmal auf die journalistischen und kriminalistischen Recherchen der vergangenen 23 Jahre zurück.

Aus der Ferne sieht man vieles oft klarer und deutlicher, meinte Staatsanwalt Robert Biever in seiner Pressekonferenz. Das sieht wort.lu auch so. Bevor in zehn Tagen Justizminister Frieden den Bericht der "Inspection Générale de la Police" zu einer fragwürdigen Beschattung eines verdächtigen Ex-Polizisten vorgelegt bekommt, blickt wort.lu noch einmal auf die journalistischen und kriminalistischen Recherchen der vergangenen 23 Jahre zurück.

Vom 20. Januar 1984 bis zum 19. Februar 1985

Rund 500 Kilogramm Sprengstoff verschwinden aus verschiedenen Steinbrüchen quer durch das Land. Dann wird ein Strommast in Beidweiler gleich zweimal gesprengt - ohne viel Aufsehen zu erregen. Die Bommeleeër scheinen geduldig zu sein, sie haben es nicht eilig, so Rober Biever.Die Serie beginnt, laut Staatsanwalt Robert Biever, mit einem Diebstahl zwischen dem 20. und dem 23. Januar 1984 in den Gipsstollen in Helmsingen bei Walferdingen, in der Nähe der seismografischen Anlagen. Es wird pyrotechnisches Material und Luxite (Sprengsalpeter) gestohlen.Am "Fuesweekend" 1984 werden in Wasserbillig, im Dolomitenhartsteinwerk Luxite, elektrische Zündkabel und Zündmaschinen entwendet.

Die ersten Anschläge: "So etwas braucht Mut"

Die beiden ersten Bomben der zweijährigen Attentatsserie, so Biever in seiner überraschenden Pressekonferenz Ende November 2007, werden am 30. Mai sowie am 2. Juni 1984 zwischen Brouch und Beidweiler gezündet. Beide Anschläge gelten dem selben Hochspannungsmast der Cegedel. Die 65 000-Volt- Stromleitungen führen zu den RTL-Sendeantennen in Beidweiler, die das französischsprachige Langwellenprogramm ausstrahlen. Es handelt sich dabei um die damals stärkste Sendestation und das ertragreichste Programm der RTL-Gruppe.Der benutzte Sprengstoff stammt zweifelsfrei aus den Gipsstollen aus Walferdingen und aus dem Kalkwerk in Wasserbillig, erklärt Robert Biever. Das sei wissenschaftlich erwiesen. Klar scheint auch, dass es den Täter nicht an Erfahrung im Umgang mit Sprengstoff fehlt. Dennoch misslingt der erste Versuch am 30. Mai.Kaltblütig unternehmen die Bommleeër nur wenige Tage später einen zweiten Versuch - am selben Strommast. Biever: "So etwas braucht Mut und man muss sich schon sicher sein, dass dort keine Kontrollen gemacht werden. Aber: Wie kann man sicher sein? Diese Frage stellt sich." Und dass drei Monate zwischen den Diebstählen und den Explosionen vergehen, deute darauf hin, dass die Täter es nicht eilig haben.

RTL: Schweigepflicht in eigener Sache?

Die Attentate von Beidweiler finden nur wenige Tage vor der Einweihung des neuen Cegedel-Geschäftssitzes in Strassen statt. "Wort"-Autor Joseph Lorent ist über Jahre hinweg wohl der einzige in der Luxemburger Presselandschaft, der immer wieder auf diese Anschläge hinweist.In der RTL-Berichterstattung taucht dieses doppelte Attentat erst seit wenigen Wochen, seit dem 13. Dezember 2007, auf. Bis zur Pressekonferenz Bievers habe keiner gewusst, dass die Attentatserie bereits 1984 begann, steht im Bommeleeër-Dossier auf www.rtl.lu geschrieben. "Nee, dat war eppes anescht", habe man den Journalisten Nico Graf und Marc Thoma stets gesagt, wenn sie sich darüber erkundigt haben.Im "Wort"-Artikel "Cegedel und/oder RTL im Visier?" vertritt Joseph Lorent am 5. Dezember 2005 eine andere Ansicht: Ein leitender Angestellter soll dem Personal erklärt haben, der Anschlag sei gegen RTL gemünzt gewesen. Außerdem soll der Mann dem Personal nahegelegt haben, zu den Ereignissen von Beidweiler zu schweigen. Lorent wirft in seinem Artikel zudem die Frage auf, ob diese Schweigepflicht in eigener Sache auch noch für die heute ermittelnden RTL-Journalisten gelte.

Weitere Sprengstoffdiebstähle

Zwischen dem 1. und dem 4. Februar 1985 wird in Helmsingen erneut Luxite gestohlen. Am 9. Februar 1985 wird aus dem gleichen Steinbruch in Helmsingen elektronisches Material gestohlen, das bei Sprengungen zum Einsatz kommen kann.Von diesen Diebstählen alarmiert, schreibt der Minister der Öffentlichen Gewalt zwei Tage später, am 11. Februar 1985, einen Brief an die Gewerbeinspektion ITM mit Kopie an die Gendarmerie. Alle Depots mit Sprengmaterial sollten überprüft werden. Die Gendarmerie, die den Brief am 13./14. Februar erhält, soll der ITM dabei behilflich sein.Am Karneval-Wochenende - unmittelbar nach dem Ministerbrief - werden gleich vier Einbrüche verübt: In den Feidt-Steinbrüchen in Altwies, in Ernzen , in Brouch und in Senningerberg wird zwischen dem 15. und dem 19. Februar 1985 massiv Luxite gestohlen, rund 400 Kilogramm. Dazu bedürfe es, so Biever, sehr viel Mut, vor allem, weil man - anscheinend ohne Risiko - gleich in vier Depots einer und derselben Firma zuschlägt. "Déi Leit ware manifestement gutt informéiert." Hinzu komme auch noch ein Raub auf dem Waldhaff.Im "Luxemburger Wort" vom 23. Februar 1985 spricht Journalist Joseph Lorent von 374 kg Sprengstoff, 465 Zündkapseln und rund 1000 Metern Zündschnur, die entwendet wurden.

"Explosive" Entdeckungen

Neun Monate später, nach dem Anschlag auf einen Strommast in Heisdorf Ende November 1985, entdecken "Wort"-Journalisten Sprengstoffreste an der Explosionsstätte. Dabei handelt es sich um Luxite-Stangen. Die Ermittlungen ergeben, dass es weitere , bislang nicht der Öffentlichkeit bekannte Diebstähle gegeben hat. Somit zeigt sich auch, dass deutlich mehr Sprengstoff entwendet wurde, als bisher angenommen. Die Masse an gestohlenem Sprengmaterial wird auf über 500 Kilogramm geschätzt.Nach dem Ende der Bommeleeërserie, im Januar 1987, werden überraschend Sprengstoffverstecke entdeckt. So wird in Lellig am 26. Januar 1987 vor einem Bauernhof eine Plastiktüte mit insgesamt 11 Kilogramm TNT gefunden. Am Tag darauf findet ein Landwirt in einem Sägemehlhaufen vor seiner Scheune in Cessingen eine weitere TNT-Patrone. Das Sprengmaterial stammt laut dem Pressebericht der Gendapol aus amerikanischen Armeebeständen des Zweiten Weltkriegs. 

Es knallt ein zweites Mal. Diesmal im Norden des Landes. Warum das Chalet in Bourscheid gesprengt wurde, kann auch heute noch nicht nachvollzogen werden. Unterdessen erhält die Cegedel einen Erpresserbrief, dem fünf Bombenexplosionen folgen. Eine Geldübergabe scheitert. Dann kommt es auch noch zu einer rätselhaften Explosion, die gesehen und gehört wurde, von der aber später jede Spur fehlt. Die Terrorwelle rollt.

25 Kilo Sprengstoff und erste Schlampereien der Ermittler

Am 12. April 1985 kommt es in einem Waldstück bei Bourscheid zu einer Explosion: Ein Wochenendhaus, das kurz zuvor an den Staat verkauft wurde, wird komplett zerstört. Nach dem Anschlag wurde es versäumt, eine kriminalistische Analyse der Sprengstoffreste durchzuführen. Somit ist bis heute nicht eindeutig geklärt, ob das Attentat in die Serie passt. Zudem habe drei Wochen vorher jemand versucht, das Haus in Brand zu stecken, so Robert Biever.

Das unbewohnte Chalet befindet sich in einem Waldhang auf halber Höhe zwischen der Ortschaft Bourscheid und Bourscheid-Mühle. Bei der Sprengung gegen 23.15 Uhr wurden laut Presseberichten rund 25 Kilo Explosivstoff benutzt. Dabei hätte bereits eine weitaus geringerere Menge die vollständige Zerstörung des Wochenendhauses herbeiführen können.

Aus einem "Wort"-Artikel vom 17. April geht hervor, dass die Sprengkommandos der Gendarmerie und der Armee an Ort und Stelle weilten und der öffentliche Sicherheitsdienst mit den Ermittlungen befasst wurde. Zur Anekdote: Das Chalet hatte einen auffälligen giftgrünen Anstrich, an dem sich nicht wenige Anwohner störten.

Das "Spiel" beginnt

Um 2 Uhr nachts wird am 27. April 1985 auf dem Postamt am Hauptbahnhof in Luxemburg -Stadt der erste Erpresserbrief aufgegeben. Darin heißt es: "We have space and time". Übersetzt: Wir wählen Ort und Zeit aus. Und: Wir sind Herr und Meister. Das anschließende "Spiel" (Biever) sollte rund elf Monate dauern - eine aufreibende Zeitspanne für die Polizei, die nicht so lange im Ausnahmezustand verharren kann, was die Täter wohl genau wussten.

Laut einem Artikel von "Wort"-Journalist Armand Thill vom 29. April 2005, in dem sich der Autor auf "interessierte Kreise" beruft, haben die Erpresser der Cegedel in knappen Worten angeraten, die Polizei nicht zu informieren. Die Cegedel werde noch vom Erpresser hören.

Eine knappe Stunde nach Erhalt des Erpresserschreibens soll die Cegedel dennoch die Sicherheitskräfte über das Schreiben informiert haben. Zuvor habe man sich entschieden nicht auf die Forderungen der Bommeleeër einzugehen. Danach habe die "Sûreté" die Regie übernommen und die Cegedel sei kaum noch über den Fortgang der Ereignisse in Kenntnis gesetzt worden.

Zwei Hochspannungsmasten im Visier

Am 28. April 1985, dem Tag nach dem Erhalt des Erpresserschreibens, wird die Serie um 23.50 Uhr wie angekündigt fortgesetzt und zwei Cegedel-Pylonen auf dem Stafelter geraten ins Visier der Attentäter. "Alle Anschlagsorte liegen in der Nähe der Hauptstadt. Vielleicht", so Biever, "weil die Erpresser diese Gegend besser kennen, oder aber, weil sie im Falle eines Anschlags schnell herbeieilen müssen.

"Die beiden Hochspannungsmasten zwischen Stafelter und Dommeldingen trugen eine 65.000 Volt-Leitung, die von Heisdorf zum Werk des US-Chemiekonzerns Du Pont de Nemours nach Contern führt und Teile des Südens des Großherzogtums mit Elektrizität speist. Die Bommeleeër haben die vier Sprengsätze an der falschen Seite festgebunden. Somit verpufft die Explosionswelle wirkungslos und die Masten knicken nicht wie geplant um. Die Stromversorgung wird zu keinem Zeitpunkt unterbrochen.

Das Attentat am Schlewenhof

Am 7. Mai 1985 fällt um 23.50 Uhr ein Cegedel-Mast auf Schlewenhof einer Explosion zum Opfer. Fünf Stunden zuvor einigen Cegedel, Regierung und Gendarmerie sich, nicht auf die 250.000 Dollar-Forderung der Erpresser einzugehen. Die Bombe explodiert, obwohl das Ultimatum der Erpresser eigentlich noch bis zum 10. oder 11 . Mai lief.

Der Mast Nr. 9 der 65-kV-Überlandleitung wird komplett zerstört. Die Zugkraft des fallenden Mastes reißt die nächststehenden Maste 10, 11 und 12 ebenfalls um. Vier Personen werden bei Verkehrsunfällen durch die herunterhängenden Hochspannungskabel verletzt.

Am Tag nach dem Anschlag bekennt sich ein "Mouvement Ecologiste Combattant" in einem anonymen Telefonanruf dem "Wort" gegenüber zu dem Anschlag. Offenbar ein Trittbrettfahrer.In einer Pressekonferenz der Ordnungskräfte werden am gleichen Tag jegliche Gerüchte um eine Erpressung des Stromzulieferers dementiert.

Aus einem "Wort"-Artikel geht hervor, dass nach diesem Attentat bei Gendarmerie und Polizei Alarmstufe Eins ausgelöst und eine verstärkte Bewachung gefährdeter Objekte wie Sende- und Hochspannungsmasten angeordnet wird. Zudem bildet die Regierung nach diesem Attentat ein Krisenkomitee, das sich mit den Bombenanschlägen befasst.

Der zweite Brief

Am 8. Mai 1985 wird ein zweiter Erpresserbrief empfangen. Eine erneute Geldübergabe wird für die Zeit des Papstbesuchs vom 14. bis 16. Mai angekündigt. Zustimmung sollten die Ermittler durch die Anzeige "cherche trefle noir avec voilier" im "Wort " signalisieren.

Ein dritter Erpresserbrief erreicht sein Ziel am 14. Mai 1985. "Fahren Sie nach Clerf, in einer Telefonzelle erhalten Sie dort weitere Instruktionen." Clerf wird an diesem Tag von Polizisten in Zivil belagert. Am nächsten an der Telefonzelle sitzen zwei "Sûreté"-Beamte auf dem Dachboden einer Interbankfiliale. Die Beamten und der Stationskommandant der örtlichen Gendarmerie-Brigade erhalten einen regelrechten Platzverweis. Ohne wirkliche Erklärung werden sie von ihren Vorgesetzten aus der Hauptstadt eindringlich aufgefordert, Clerf den ganzen Tag über fern zu bleiben. Doch der Aufwand ist umsonst. Die Bombenleger melden sich nicht . Die Geldübergabe ist geplatzt.

Der Grund, warum ausgerechnet zur Zeit des Papstbesuchs, wo die "Forces de l'ordre " alle Hände voll zu tun haben, im Norden des Landes eine Geldübergabe stattfinden soll, liegt auf der Hand. Wie Robert Biever in der Pressekonferenz erklärt, war der Polizeifunk im Ösling während des Papstbesuchs in das Zentrum verlegt worden. Die Sicherheitskräfte mussten somit auf ihr wichtigstes Kommunikationsmittel verzichten. Ein weiterer Hinweis für das ausgeprägte Insiderwissen der Bommeleeër.

Verlorenkost: die Ermittler im Visier

Am 25. Mai 1985 wird ein Attentat auf das Hauptquartier der Gendarmerie auf Verlorenkost verübt. Visiert ist aber nicht das Gendarmerie-Kommando oder die "Brigade mobile ", die den Wochen zuvor auf mehreren Seiten im "Télécran" vorgestellt wurde. "Nein", meint Robert Biever, "die Bombe explodiert vor dem Kellerfenster, unter den Büros der beiden ermittelnden Beamten im Bommeleeër-Dossier.

Also am schwierigsten Ort, den sie sich aussuchen konnten." Robert Biever fügt eine entscheidende Frage hinzu: "Woher kennt jemand diese Räumlichkeiten?"Schnell zeigt sich, dass es nur ein kleiner Sprengsatz war, der in der Nähe einer Kellermauer auf den flachen Rasen gelegt wurde. Die Explosion reißt einen kleinen Krater mit einem Durchmesser von etwa 50 Zentimetern in den Boden.

Im "Luxemburger Wort" vom 28. Mai 1985 schreibt Joseph Lorent folgendes: "Unseren Informationen zufolge sollen in der vergangenen Nacht die Sicherheitskräfte verschiedene Kontrollen am Hochspannungsnetz durchgeführt haben, als es sozusagen vor ihrer Haustür zu einer Explosion kam. Zufall oder terroristische Psychostrategie der Eskalation?"

Explosion in Itzig

Drei Tage später, am 28. Mai 1985, wird in Itzig ein Strommast gesprengt, der das Unternehmen Dupont de Nemours versorgt. Da diese Hochspannungsleitung als strategisches Ziel gilt, werden die Masten 31 bis 39 im Auftrag des Chemiekonzerns von der Securicor bewacht. Der Pfosten 30 nicht. "Und ausgerechnet der wird gesprengt ", wundert sich Robert Biever. "Was für ein Zufall! Und: 70 Meter neben dem Anschlagsort geht in einem Feld eine weitere Ladung hoch. Muss dieser Sprengsatz also nicht von einem Tatortberechtigten, also einem Ermittler, stammen? Das gehört sehr ernst geprüft."

Bei der ersten Explosion gegen 23.40 Uhr auf dem Plateau genannt "Turbelsfels" zwischen Itzig und dem Scheidhof wird der Hochspannungsmast Nr. 30 angeknickt, ohne indessen umzufallen. Der zweite Sprengsatz muss den Ermittlern einen unglaublichen Schrecken eingejagt haben, denn er explodiert während die Beamten den Tatort untersuchen.

Der Ort der zweiten Explosion kann erst am Nachmittag des 29. Mai von einem Landwirt in einem benachbartem Gerstenfeld entdeckt werden. Fußspuren werden dort keine mehr gesichert, da den ganzen Tag über neben den Sicherheitsdiensten auch noch unzählige Schaulustige durch die Felder spazierten. Nach dem Anschlag auf die Gendarmerie am Vortag sind nun auch zwei Beamte des deutschen Bundeskriminalamtes an den Ermittlungen beteiligt.

Anzeigen mit Kleeblatt und eine mysteriöse Explosion

Am 29. Mai 1985 erhält die Cegedel einen vierten Erpresserbrief. Er wirft die Frage auf, an wen sich die Attentäter eigentlich wenden - an die Cegedel oder an die Gendarmerie? Sie hätten sich schlechter benommen als eine Scoutstruppe, heißt es darin, das wäre Verrat. Ein versteckter Hinweis darauf, dass es Pfadfinder waren, die bei einem früheren Attentat als Erste die Schäden an einem Hochspannungsmast entdeckt hatten, spekuliert Biever. In der Woche erscheint ein weiteres Mal, die "Anzeige mit dem Kleeblatt" im "Luxemburger Wort".

Fragen warf auch ein bislang unerklärtes Ereignis vom 30. Mai 1985 auf. In einem Rückblick auf die Attentatsserie schreibt Fern Morbach im Télécran Nr. 14 aus dem Jahr 1986 folgendes:"

Im Raum Eich-Dommeldingen, nahe bei dem Eecherfeld", wird in der Nacht zum 30. Mai 1985 eine weitere Explosion vernommen. Zeugen wollen einen Blitzschein am Himmel ausgemacht haben. Trotz umfangreicher Suchaktion können die Beamten von Polizei und Gendarmerie und die Soldaten der luxemburgischen Armee keinen Explosionsherd ausfindig machen. Die Ermittlungsbehörden vertreten daraufhin die Theorie, der oder die Attentäter hätten plötzlich ihren Sprengstoff loswerden müssen, um nicht in einer Verkehrssperre aufzufallen.

Von diesem Tag an funktioniert ein neuer Einsatzplan: Polizei und Gendarmerie führen intensive Verkehrskontrollen durch, haben verstärkte Patrouillen im Einsatz und bewachen als besonders gefährdet eingestufte Einrichtungen."

Vom 11. Juni 1985 bis zum 28. August 1985. Eine weitere Geldübergabe scheitert. Zwei Wochen später wird gleich nach dem Feuerwerk zum Nationalfeiertag eine Gasleitung gesprengt. In Asselscheuer entkommen Polizisten nur knapp einer Sprengfalle und die Telefonverbindungen ins Ausland werden unterbrochen. Es knallt beim "Luxemburger Wort" und gleich zweimal an der Schobermesse.

Burleske Geldübergabe am Theaterplatz

Am Dienstag dem 11. Juni 1985 erreicht die Sicherheitskräfte ein fünfter Erpresserbrief. Die Bombenleger fordern mehr Geld von der Cegedel. 750.000 Dollar sollen bezahlt werden. Die Geldübergabe ist am gleichen Tag im Parkhaus am Theaterplatz angesetzt. Ein Koffer mit dem Geld soll im fünften Untergeschoss abgelegt werden.

Die Bombenleger lassen sich scheinbar nicht von den Überwachungskameras an Einfahrt und Ausfahrt abschrecken. Zudem befindet sich auch in dem fünften Untergeschoss eine Kamera, die dem Parkwächter erlaubt zu sehen, ob alle Parkplätze belegt sind. Und genau vor dieser Kamera soll die Übergabe stattfinden. Biever: "Das habe ich immer nur halb verstanden. Eine Geldübergabe vor laufender Kamera? Ein Spiel?" Niemand holt den Geldkoffer ab.

Gleich am nächsten Tag werfen die Erpresser den Behörden in einem weiteren Brief vor, sie hätten falsch gespielt. Sie listen minutiös auf, welche Polizeibeamten bei der anberaumten Geldübergabe im und um das Parkhaus positioniert waren. Die Bombenleger enttarnen ebenso die ausländischen Polizisten, die am Einsatz teilgenommen hatten, und wissen, dass im Geldkoffer ein Peilsender versteckt ist. Nur die beiden "Wort"-Journalisten, die Wind der geplanten Übergabe bekommen hatten und in ihren Fahrzeugen mit großer "Wort"-Aufschrift um und durch das Parkhaus kreisten, waren ihnen wohl entgangen.

Gefährliches Feuerwerk zum Nationalfeiertag

Am Nationalfeiertag, dem 23. Juni 1985, kommt es zu einer außerordentlich heftigen Explosion. In Hollerich zünden die Täter kurz nach dem Feuerwerk - mit hohem Täterrisiko - eine Bombe an einer unterirdischen Gasleitung. Biever: "Dieses Attentat hätte sich zu einer großen Katastrophe entwickeln können."

Es ist genau 23.53 Uhr, als ein dumpfer Knall die Hauptstadt erschüttert. Nur Sekunden später schlagen zwanzig Meter hohe Flammen aus dem unterirdischen Kanalsystem am Hollericher Autobahnverteiler. Immer wieder kommt es zu Explosionen, so dass alle Gebäude rund um den Salzhof evakuiert werden müssen. Eine Notunterkunft wird im hauptstädtischen Athenäum eingerichtet.

Bei der Sprengung mit einem elektrischen Zünder wird die unterirdische Gasleitung auf einer Länge von 25 Metern komplett zerstört. Das Teilstück der Autobahn vor der Hollericher Pfarrkirche ist nicht mehr benutzbar und muss für Monate gesperrt werden. In den nächsten Tagen wird nach dem Käufer einer 6-Volt-Batterie gefahndet und die Gemeindeverwaltung Luxemburg setzt eine Belohnung von zwei Millionen Franken (50.000 Euro) aus für Hinweise, die zur Ergreifung der "Bommeleeër" führen.

Die Sprengfalle von Asselscheuer

Knapp 14 Tage später, am 5. Juli 1985, wird in der Nähe von Asselscheuer im direkten Umfeld eines Cegedel-Mastes eine sogenannte "Booby Trap", eine Sprengfalle , gefunden. Es ist das einzige Attentat mit Dynamit. Der Sprengstoff könnte aus dem Wasserbilliger Stollen stammen. Ein interessantes Detail: Der Strommast lag nur wenige hundert Meter außerhalb der Überwachungszone der Gendarmerie.

Eine Woche zuvor hatte die Gendarmerie-Spitze die Bombenserie in einem internen Schreiben heruntergespielt, denn bislang habe es ja "nur" Materialschaden gegeben. Dass durch diese "Booby Trap" kein Personenschaden entstanden war, ist laut Biever darauf zurückzuführen, dass die Bevölkerung ausdrücklich vor verdächtigen Gegenständen in der Nähe von Hochspannungsmasten gewarnt worden war. Biever: "Wer war mit dieser Sprengfalle visiert? Waren es die Ermittler?"

Hauptelement der zwischen Blascheid und Asselscheuer gefundenen Sprengfalle ist eine Taschenlampe, die Spaziergänger anlocken sollte. Ein 15 Meter langer Stolperdraht sollte über einen Zugschalter zwei Dynamitstangen zur Explosion bringen. Die Bombe kann allerdings entschärft werden.

Wegen dieser heimtückischen Sprengfalle hat Untersuchungsrichterin Doris Woltz Ende 2007 Anklage wegen Mordversuch gegen die beiden Terrorverdächtigen Ex-Gendarmen Jos. W. und Marc S. erhoben. Beide Polizisten waren am Tag vor der Pressekonferenz 15 Stunden lang verhört worden und hatten sich offenbar in Widersprüche verheddert. Zudem war laut Robert Biever bei verschiedenen Hausdurchsuchungen ausreichend Beweismaterial gegen die Männer gefunden worden.

Ein Plastikbehälter mit Wasserprobe

Auf das Attentat, das am gleichen Abend in den Heilig-Geist-Kasematten eine Telefonzentrale zerstört, über die unter anderem wichtige Auslandsverbindungen vermittelt werden, kommt Robert Biever in der Pressekonferenz nicht zu sprechen. Bei diesem Attentat sehen zwei Zeugen vier Männer mit einem großen Plastikbehälter - die mutmaßlichen Bommeleeër. Im Plastikbehälter werden neben Benzin - auch Wasserspuren gesichert, die der Umweltexperte Norry Kirsch später dem Alzettetal und der Gegend rund um Blascheid zuordnet.

Eine Bombe vor dem "Wort"

Auch der Anschlag auf das Verwaltungsgebäude des "Luxemburger Wort" am 26 . Juli 1985 wird in der Pressekonferenz von Robert Biever nicht erwähnt. Genau vor dem Haupteingang wurde eine kleine Sprengladung deponiert. Die Bombe richtete im Vergleich zu der Mehrzahl der Attentate dieser Serie nur geringen Sachschaden an. Das sowohl am Hauptgebäude der Sankt-Paulus-Druckerei, als auch an der gegenüberliegenden Tankstelle. Ein Autofahrer, der zum Zeitpunkt der Explosion vorbeifuhr kam mit dem Schrecken davon.

Sprengladung auf der Schobermesse

Es bleibt einen Monat ruhig. Dann, am 28. August 1985, erschüttern zwei Explosionen das Glacisfeld, auf dem zu der Zeit die Schobermesse auf Hochtouren läuft. Polizei und Straßenbauverwaltung sind betroffen. "Es ist das einzige Attentat, bei dem die Polizei visiert war", bemerkt Biever. "Zudem war dieses Attentat eher spektakulär als schlimm."

Der oder die Täter werfen eine kleine Sprengladung auf das Dach eines Häuschens am Rond-Point Schuman, in dem alljährlich während der Schobermesse eine provisorische Polizeiwache eingerichtet ist. Die Explosion reißt ein knapp 20 Zentimeter großes Loch in das Dach des Gebäudes. "Die meisten Schobermesse -Besucher sind sich nicht bewusst, dass dieses Attentat so dicht an den Fahrgeschäften geschehen war", ist am Tag danach im "Luxemburger Wort" zu lesen. "Das Treiben auf dem Rummelplatz geht kurz nach den Explosionen ungestört weiter."

Als die Ermittler den Tatort untersuchen, explodiert quasi um die Ecke, auf dem Dach der Garagen des knapp hundert Meter entfernten Direktionsgebäudes der Straßenbauverwaltung ein weiterer kleiner Sprengsatz. Die Ermittler erklären später, dass bei beiden Explosionen nur knapp ein Drittel der Sprengstoffmenge des Attentats auf die Gendarmerie benutzt worden war.

Am Morgen vor diesen Anschlägen gibt Armeeminister Marc Fischbach in seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage zu, dass das personelle Aufgebot der Polizei und Gendarmerie nicht ausreichend sei, um gleich jedem Hilferuf nachzukommen. Aus diesem Grund würde in den kommenden Jahren die Zahl der Sicherheitskräfte um insgesamt 120 Personen verstärkt. Innerhalb der Staatsmacht werde die Möglichkeit studiert, eine Spezialsicherheitstruppe zu schaffen, deren Mission u.a. die Überwachung der strategisch wichtigen Punkte des Landes sowie der Botschaften sein soll. Einer der im November 2007 angeklagten Ex-Gendarmen war bis zu seiner Suspendierung in dieser etwas später ins Leben gerufenen "Unité de Garde et de Reserve Mobile", kurz UGRM, als Chefkommissar tätig. 

Die Attentate werden seltener, doch die Schadensbilanz nimmt drastisch zu. Dem Anschlag auf das olympische Schwimmbad auf Kirchberg, folgen Attentate im Justizpalast und am Flughafen. Bei der Explosion einer weiteren Sprengfalle wird ein Ingenieur verletzt.

Olympisches Schwimmbad im Visier

Am 30. September 1985 kommt es zu dem folgenschwersten Attentat der Bombenserie. Im olympischen Schwimmbad explodiert um 0.57 Uhr morgens ein Sprengsatz, der mit einem Eierwecker gezündet wurde. Es ist das Attentat, das am spätesten in der Nacht stattfindet. Der Materialschaden ist enorm. Das erst drei Jahre zuvor eröffnete Schwimmbad muss über drei Monate, bis zum 6. Januar 1986 geschlossen bleiben. Im "Wort" schreibt Journalist Joseph Lorent, dass "angeblich" kurz vor der Explosion ein Gendarmeriefahrzeug vor Ort gesehen wurde.

Ein interessanter Zufall: Am Tag dieses Anschlags tritt der umstrittene Gendarmeriekommandant Colonel Jean-Pierre Wagner seine Pensionierung an.

Die RAF und Lucien Dislaire

Am 1. Oktober sorgt eine Meldung über "terroristische Aktivitäten in Deutschland, die möglicherweise in Zusammenhang mit Luxemburg stehen "für reichlich Diskussionsstoff. Deutsche Staatsschützer haben offenbar zwei Terrorverdächtige , einen Mann und eine Frau in Trier beim Auskundschaften einer französischen Kaserne erwischt. Die Spur der Verdächtigen verliert sich in der Nacht zum 29. September, als sie in Richtung Luxemburg fahren.

Die deutschen Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass die mutmaßlichen Terroristen sich nach Luxemburg abgesetzt haben. Eine Woche zuvor, am 23. September, wird zudem in Remich der international gesuchte Belgier Lucien Dislaire verhaftet. Von Dislaire wird angenommen, dass er an einem Waffendiebstahl mit terroristischem Hintergrund beteiligt gewesen sein soll. Mögliche Zusammenhänge zwischen Luxemburg und der internationalen Terrorszene bringen die Gerüchteküche über Wochen und Monate zum Brodeln.

Anschlag auf den Justizpalast und die Geiben-Observierung

Am 19. Oktober 1985 kommt es zu einem Sprengstoffanschlag im hauptstädtischen Palais de Justice. Im Visier: das Büro des zuständigen Untersuchungsrichters. Dieser hatte in der Woche zuvor ein Rechtshilfeersuchen zur Überwachung des Verdächtigen Bernard Geiben angeordnet, bemerkt Robert Biever.

Bernard Geiben ist ein studierter Kriminologe und hochqualifizierter Polizist, der unter anderem beimamerikanischen FBI und beim deutschen Bundeskriminalamt ausgebildet wurde. In den siebziger Jahren gründet er zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Joseph Steil die "Brigade Mobile de la Gendarmerie" - die Spezialeinheit der Gendarmerie.

Die BMG steht bis 1982 unter seiner Leitung. Sein Nachfolger ist der heutige Generaldirektor der Polizei, Pierre Reuland. Die beiden Angeklagten der Affäre Bommeleeër, Marc S. und Jos W., gehören zur Zeit der Anschläge ebenfalls der Elite-Truppe an.Bernard Geiben soll 1982 einen vernichtenden Bericht über die Operationsfähigkeit des Sicherheitsdienste verfasst haben, der allerdings in seiner Hierarchie kein Gehör gefunden habe.

Bei der Explosion im Justizpalast wenige Minuten nach 23.00 Uhr werden die Büros der Untersuchungsrichter André Lutgen, Georges Heisbourg und Marc Jaeger schwer in Mitleidenschaft gezogen. Mehr als 100 Fensterscheiben gehen zu Bruch. Generalstaatsanwalt Camille Wampach erklärt nach dem Anschlag, dass "der Coup nicht unerwartet kam". Dennoch war der Justizpalast weder beleuchtet noch bewacht.

Nachdem bei den letzten Attentaten stets elektronische Zünder mit Verzögerungskapseln benutzt wurden, war es diesmal wieder eine Lunte - wie bei den Attentaten auf die Hochspannungsmasten, das Gendarmerie-Gebäude und das "Luxemburger Wort". Staatsanwalt Wampach bekundet in einer Pressekonferenz zudem, dass in den vergangenen Monaten über 1.000 Personen überprüft worden seien.

Interessant: Die Feuerwehr und Sicherheitskräfte waren kurz vor dem Anschlag von einem anonymen Anrufer irregeführt und auf den Kirchberg gelotst worden. Es hieß im Europäischen Gerichtshof würde es brennen.

Sprengung des Landesystems auf Findel

Am 9. November 1985 steht der Flughafen Findel im Visier der Bommeleeër. Am Abend, drei Minuten nach der letzten Landung kommt, es zur Explosion. Der Findel ist unbewacht, weil die Beamten für den Ministerrat auf Kirchberg abgezogen wurden. Biever: "Die Täter wussten genau, dass die neuen, teuren Geräte nicht mit Alarmanlagen gesichert waren und dass der einzige Gendarm auf dem Flughafengelände weit aus der Schusslinie war."

Es sind zwei Bomben, die die beiden im Abstand von 300 Metern errichteten, bunkerähnlichen Anlagen des ILS-Landesystems (Instrument Landing System) vollständig zerstören. Die erste, um 22.16 Uhr, gilt dem Landekurssender der Piste 24. Die zweite zerstört den Gleitwegsender der Piste 06. Auch die Wetterstation wird von der Druckwelle in Mitleidenschaft gezogen. Der Windmesser setzt um 22.18 Uhr aus.

Das damals hochmoderne Flugsicherheitssystem war erst im Oktober 1984 in Betrieb genommen worden. Sobald die Sicht unter 50 Meter fällt, kommt der Flugverkehr weitgehend zum Stillstand. Erst im Januar 1985 ist die Anlage wieder betriebsfähig.

Die Bomben werden pyrotechnisch gezündet. Wie die Ermittler den Journalisten vor Ort erklären, erlaubt diese Art der Zündung den Explosionszeitpunkt sehr präzise festzulegen. Die benutzte Schwarzpulverlunte brennt präzise einen Meter pro Minute ab. Zudem sei diese Lunte unempfindlich gegen die heftigen Regenschauer, die an dem Abend über dem Großherzogtum niedergingen.

Booby Trap am Findel

Am Tag danach, dem 10. November 1985, wird eine weitere Sprengfalle gefunden. Diesmal kommt es zur Explosion. Die Ermittlungen ergeben, dass der Quecksilberschalter, der als Zünder dient, schon Tausende Male gebraucht wurde. "So einen, wie man ihn in Spielautomaten findet", erklärt Biever. "Anfang der 1980er-Jahre wurden viele solcher illegaler Automaten beschlagnahmt. Ein solcher Schalter wurde bei zwei Bombenanschlägen der Serie benutzt".

Opfer der Sprengfalle ist ein Ingenieur. Er findet zwischen den beiden ILS-Anlagen eine 15 Zentimeter lange Stabtaschenlampe im Gras und hebt sie auf, um sie den Sicherheitskräften zu übergeben. Die Taschenlampe explodiert. Der Mann erleidet schwere Fleischwunden an vier Fingern, Knochenbrüche am Daumen und wird auch im Gesicht durch Plastiksplitter verletzt.

"Wort"-Redakteur Armand Thill schreibt, dass die explodierte Taschenlampe keinen Sprengstoff enthielt. Die Stablampe habe ledigdlich eine Zündkapsel beinhaltet , die durch Quecksilber ausgelöst, bei der geringsten Bewegung explodieren sollte . Es kann also davon ausgegangen werden, dass bei dieser "Booby-Trap" im Gegensatz zu der Sprengfalle von Asselscheuer keine Tötungsabsicht bestand. 

Die Cegedel steht erneut im Visier der Bommeleeër und das am helllichten Tag. Eine Mini-Bombe am Rande einer Ministerratssitzung auf Kirchberg sorgt für internationale Schlagzeilen. Die Sicherheitskräfte werden bis auf die Knochen blamiert. Es ist eine Weile ruhig, bis schließlich zwei Bomben in Wohnvierteln der Hauptstadt hochgehen.

Erster Anschlag am hellichten Tag

Am 30. November 1985 wird ein weiterer Strommast der Cegedel gesprengt. Es ist das erste und einzige Mal, dass die "Bommeleeër" am helllichten Tage zuschlagen. Durch eine heftige Explosion in der Nähe von Heisdorf, unweit der Verteilerstation, werden an diesem Samstagmorgen um 12.56 Uhr weite Teile im Südosten des Landes vom Strom abgeschnitten.

Der Hochspannungsmast Nr.3 auf einer Anhöhe mitten im Grünewald ist umgeknickt. Aus unbekannter Ursache sind nur zwei der vier mit einer Schwarzpulverlunte gezündeten Luxite-Sprengsätze explodiert. Da sich der Pylon in absolut unwegsamen Gelände befindet, kann angenommen werden, dass sich die Attentäter zu Fuß fortbewegten.

In den Tagen nach dem Anschlag suchen die Sicherheitskräfte nach Zeugen, die einen Mann gesehen haben könnten, der knapp zwei Stunden vor dem Anschlag oberhalb der Villa von Erbgroßherzog Henri in der Rue de la Forêt Verte in Heisdorf mit einem Auto abgesetzt wurde. Der selbe Mann wurde später auf der anderen Seite des Sentier de l'Alzette, in der Rue Mercatoris in Walferdingen gesehen.

"Bömbchen" am Konferenzzentrum

"Ein Bömbchen mit großem Echo" könnte man das Attentat am Rande einer Sitzung des Europäischen Rats am 2. Dezember 1985 betiteln. Aus einem fahrenden Auto werfen die Täter gegen 18.50 Uhr einen kleinen Sprengkörper in Richtung Konferenzzentrum. Durch die Explosion wird ein 30 Zentimeter tiefes und 60 Zentimeter breites Loch in den Rasen gerissen. Ein in der Nähe abgestelltes Fahrzeug wird leicht beschädigt.

Eine kleine Explosion, die jedoch aufgrund der unzähligen Journalisten, die über die Ratssitzung berichten sollten, in der ganzen Welt Schlagzeilen machte. Die Autobahn war als Schwachpunkt bekannt und gefürchtet. Aber sie wird nicht gesperrt. Über 200 Polizisten sind im Einsatz, können das Attentat aber nicht verhindern. Die Ordnungskräfte sind bis auf die Knochen blamiert.

Eine Woche später wird die Belohnung für Hinweise die zur Ergreifung der Bombenleger führen, durch die Staatsanwaltschaft von 1.000.000 Franken auf 10.000.000 Franken (250.000 Euro) erhöht. Die Stadtverwaltung Luxemburg legt auch noch einmal 2.000.000 Franken (50.000 Euro) drauf.

Attentat auf Notar Hellinckx

Nach langer Pause kommt es am 17. Februar 1986 zu einem Anschlag auf das Haus des Notars Hellinckx. Wenige Minuten nach 23.00 Uhr explodiert vor dem Haus Nr. 113 in der Route de Trèves auf Cents, mitten in einem Wohngebiet, ein Sprengsatz mit einem Gewicht von etwa zwei Kilogramm. Die Fassade des Hauses wird schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Der vor der Haustür abgestellte Kleinwagen der Hellinckx-Tochter erleidet Totalschaden. Das Ehepaar Hellinckx war erst am Nachmittag vor dem Anschlag aus dem Urlaub zurückgekehrt - die Tochter gar erst eine halbe Stunde vor der Explosion. Dass bei diesem Anschlag niemand verletzt wurde, ist wohl am ehesten auf einen glücklichen Zufall zurückzuführen.

Dieses Attentat passt nicht ganz in die Serie, meint Robert Biever in der Bommeleeër -Pressekonferenz. Der angesehene Notar, DP-Politiker und ehemalige Gemeinderat Hellinckx war in der Woche vor dem Anschlag in der öffentlichen Diskussion, da er zuvor vom Zuchtpolizeigericht Luxemburg wegen unzulässiger Interessenvermischung bei der Ausübung seines Amtes als hauptstädtischer Schöffe und seines Berufes zu einer Geldbuße von knapp 100.000 Franken (2.500 Euro) verurteilt worden war.

Nach diesem Anschlag wurde ebenfalls darüber spekuliert, dass das Attentat , vielleicht eine Warnung an einen in der direkten Nachbarschaft lebenden Polizisten gewesen sein könnte. Doch auch diese Spur erweist sich bislang als wenig aufschlussreich.Die Sprengstoffanalyse belegt, dass bei dem Anschlag Luxite aus dem gleichen Bestand benutzt worden war, wie bei anderen Anschlägen der Serie. Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich um die gleichen Täter handelt.

Wie schon beim Anschlag am Rande der Schobermesse hatte die Gendarmerie am Tag des Anschlags in einem internen Schreiben von einer Beruhigung der Lage gesprochen und die Sicherheitsmaßnahmen zurück geschraubt, bemerkte Staatsanwalt Biever in seiner Pressekonferenz.

Der Schlussakt gegen Colonel Wagner

Am 18. Februar 1986 melden die Bombenleger sich ein letztes Mal zu Wort. In dem Schreiben heißt es "Go on losing". Dieser Abschiedsbrief passt zu den Aussagen Robert Bievers, dass die Bombenleger ein "Spiel" mit den Sicherheitsdiensten treiben, in dem sie diesen ständig ihre Überlegenheit demonstrieren.

Am 25. März 1986 knallt es auf Belair. Die Privatwohnung des erst am 1. Oktober 1985 in den Ruhestand getretenen Kommandanten der Gendarmerie und gleichzeitigen Chefs des öffentlichen Sicherheitsdienstes, Colonel Jean-Pierre Wagner, ist das letzte Ziel der Attentatsserie.

Um 23.13 Uhr explodiert der Sprengsatz in der Seitenpassage des Hauses Nr.30 in der Rue Jean-Baptiste Esch, gleich neben der Eingangstür. Wie schon beim Attentat auf das Haus von Notar Hellinckx ist der Materialschaden enorm hoch.

An dem Abend läuft die Revue "Knuppefreed" im Großen Theater mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen. Die Sicherheitskräfte scheinen sich sicher zu sein , dass die Bommeleeër bei dieser Veranstaltung in Erscheinung treten werden. Doch dann geht die Sprengladung wenige hundert Meter außerhalb des überwachten Bereichs hoch.

"Es hat aufgehört, wie es angefangen hat", so Staatsanwalt Biever in der Pressekonferenz am 25. November. "Wagner war ein sehr netter und freundlicher Mann. Aber nicht unumstritten. Immer wieder gab es Forderungen nach einer neuen Dynamik in der Gendarmerie, nach mehr Personal und besserer Ausrüstung." Forderungen, die bei Colonel Wagner nicht das erwartete Gehör gefunden hätten.