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Christsein in einer nichtchristlichen Umwelt
Lokales 3 Min. 07.10.2017 Aus unserem online-Archiv
Antrittsvorlesung

Christsein in einer nichtchristlichen Umwelt

Georg Rubel: „Abgrenzung von der Welt bedeutet keineswegs einen Rückzug aus der Welt, ein Eigendasein der Christen, eine Parallelgesellschaft, ganz im Gegenteil: Christen leben in der Welt."
Antrittsvorlesung

Christsein in einer nichtchristlichen Umwelt

Georg Rubel: „Abgrenzung von der Welt bedeutet keineswegs einen Rückzug aus der Welt, ein Eigendasein der Christen, eine Parallelgesellschaft, ganz im Gegenteil: Christen leben in der Welt."
Foto: Gerry Huberty
Lokales 3 Min. 07.10.2017 Aus unserem online-Archiv
Antrittsvorlesung

Christsein in einer nichtchristlichen Umwelt

Anne CHEVALIER
Anne CHEVALIER
„Abgrenzung oder Anpassung? Das Verhältnis der Christen zur Welt nach Petrus, 2,11-17“, so lautete das Thema der Antrittsvorlesung Von Prof. Dr. Georg Rubel an der Luxembourg School of Religion & Society.

(AC) - Seit gut einem Jahr ist Dr. theol. habil. Georg Rubel als Professor für biblische Theologie an der Luxembourg School of Religion & Society (LSRS) tätig. Vor einigen Tagen hielt er nun seine Antrittsvorlesung.¶

Zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland, zu denen unter anderem der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Heinrich Kreft, Generalvikar Leo Wagener, der Rektor der Theologischen Fakultät der Universität Trier, Prof. Dr. Johannes Brantl, sowie Prof. Dr. Wolfgang Buchmüller OCist., Phil.-Theol. Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz, Dompropst Prof. Dr. Georges Hellinghausen und Abbé Patrick Muller, Präses des Grand Séminaire de Luxembourg, gehörten, haben an dieser Vorlesung teilgenommen. Und deren Begrüßung oblag Prof. Dr. Dr. Jean Ehret, Direktor der LSRS.

In seinem Vortrag befasste sich Georg Rubel mit dem Thema „Abgrenzung oder Anpassung? Das Verhältnis der Christen zur Welt nach Petrus, 2,11-17“.

„Lässt sich der christliche Einfluss auf Europa nicht leugnen, so tut sich die berechtigte Frage auf, welche Stellung die Christen in Europa haben.“, stellte Georg Rubel eingangs seines Referates fest und fragte weiter „Wie ist ihr Verhältnis zur Welt zu bestimmen? Führen die Christen ein Eigendasein, streng abgeschottet von der Welt und sind dadurch abgegrenzt bzw. werden dadurch abgegrenzt? Oder leben die Christen inmitten der Gesellschaft, öffnen sich ihrer Umwelt und passen sich dieser an?“

Und er betonte des Weiteren, ausgehend von diesen Fragen lohne sich ein Blick in den Ersten Petrusbrief, dessen zentrales Anliegen es sei, die Stellung der Christen in der Welt zu beschreiben und theologisch zu deuten.

Georg Rubel befasste sich in seiner Vorlesung mit der Verfasserfrage – der Verfasser schrieb wohl im Namen des Petrus –, der Datierung und Lokalisierung des Ersten Petrusbriefes – spätestens um 120, wahrscheinlich in Kleinasien – , bevor er auf weitere sehr detaillierte exegetische Ausführungen einging.

Theologisches Fazit

Zusammenfassend erklärte der Referent am Ende seines Vortrags, seine Ausführungen haben gezeigt, dass es sich beim Ersten Petrusbrief nicht um einen theologischen Traktat handele, wie es etwa beim Römerbrief des Paulus der Fall sei, sondern um ein pastorales Rundschreiben an die Christen in der kleinasiatischen Diaspora.

Der Verfasser des Briefes beschreibe damit nicht nur den sozialen Status seiner Adressaten als gesellschaftliche Außenseiter, sondern er deute ihre Situation, indem er den biblischen Zusammenhang von Fremdsein und Erwählung aufgreife und zum theologischen Leitprogramm seines Schreibens mache. Die negative Kategorie des Fremden werde durch das Vorzeichen der Erwählung durch Gott positiv konnotiert und avanciere zu einer elitären Bezeichnung einer marginalisierten Gruppe. Aus dem sozialen Außenseiterstatus werde ein prägendes Merkmal christlicher Identität. Diese konstituiere sich in der gegenseitigen Wechselwirkung zwischen Abgrenzung von der Welt einerseits und besonderer Zugehörigkeit zu Gott andererseits.

Der Vortragende unterstrich weiter, dass gerade dann, wenn die Christen von der Welt abgegrenzt und als Fremde angesehen werden, diese Distanz zur nichtchristlichen Umwelt als Chance wahrgenommen werden könne, die eigene Identität zu stärken und aus dem Erwählungsbewusstsein heraus als Christen in der Welt zu leben, und dies möge für das Christentum heute in Europa, das sich bisweilen regional unterschiedlich ausgeprägten feindlichen Tendenzen gegenübersieht, ein positiver Impuls sein!

Abschließend erklärte Georg Rubel: „Abgrenzung von der Welt bedeutet keineswegs einen Rückzug aus der Welt, ein Eigendasein der Christen, eine Parallelgesellschaft, ganz im Gegenteil: Christen leben in der Welt und sollen durch ihr gutes Beispiel die ihnen feindlich gesinnten Menschen eines Besseren belehren und sie sogar bekehren. Christen als Werbeträger für den Glauben in einer nichtchristlichen Umwelt, dieses Prinzip galt nicht nur damals vor 2 000 Jahren, es ist auch heute noch gültig und angesichts der Lage des Christentums im Europa des 21. Jahrhunderts vielleicht nötiger denn je."

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