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CHL-Arzt Vic Arendt: "In der zweiten Welle angekommen"
Lokales 4 Min. 25.07.2020 Aus unserem online-Archiv

CHL-Arzt Vic Arendt: "In der zweiten Welle angekommen"

Durch das Large-Scale-Testing können Infektionsketten vorzeitig erkannt und durchbrochen werden.

CHL-Arzt Vic Arendt: "In der zweiten Welle angekommen"

Durch das Large-Scale-Testing können Infektionsketten vorzeitig erkannt und durchbrochen werden.
Foto: Anouk Antony
Lokales 4 Min. 25.07.2020 Aus unserem online-Archiv

CHL-Arzt Vic Arendt: "In der zweiten Welle angekommen"

Sarah CAMES
Sarah CAMES
Dr. Vic Arendt vom Centre Hospitalier sprach sich am Samstagmittag für weitere Restriktionen aus. Vor allem eine striktere Maskenpflicht könne helfen, das Virus in Luxemburg einzudämmen.

Prof. Ulf Nehrbass (CEO des Luxembourg Institute of Health), Dr. Vic Arendt aus dem CHL, Forscher Dr. Alexander Skupin und Prof. Paul Wilmes (Uni.lu) äußerten sich am Samstagmittag in der Sendung RTL-Background nicht nur über das aktuelle Infektionsgeschehen in Luxemburg, sondern gaben auch einen Ausblick darauf, was die nächsten Monate bringen könnten.

So erklärte Dr. Arendt aus dem CHL, man sei zweifelsohne mittlerweile in einer zweiten Welle angekommen. „Vor einem Monat hatten wir keine Covid-Patienten mehr, jetzt haben wir eine komplette Abteilung mit über 20 Betten, von denen inzwischen 18 belegt sind“, so Arendt am Samstagmittag. Zwei Patienten seien derzeit auf der Intensivstation. Landesweit befinden sich derzeit 51 Patienten im Krankenhaus. Das bedeutet auch ein zusätzliches Risiko für das medizinische Personal: Während der ersten Welle hatten sich rund 60 Krankenhausmitarbeiter angesteckt, die Prävalenzrate in dieser Sparte ist mehr als fünfmal höher als in anderen Berufen. Mittlerweile gibt es auch wieder Fälle in Krankenhäusern, bei denen sich Mitarbeiter nachweislich bei der Arbeit angesteckt hätten, so Arendt.

Bei der zweiten Welle sind vor allem jüngere Menschen betroffen, erklärte Dr. Arendt.
Bei der zweiten Welle sind vor allem jüngere Menschen betroffen, erklärte Dr. Arendt.
Foto: Guy Jallay

Im Gegensatz zu der ersten Welle müsse man nun auch vermehrt junge Patienten betreuen. Zwischen 15 und 20 Prozent der Patienten benötigen einen Reha-Aufenthalt. Etwa die Hälfte dieser Patienten, die einen kritischen Verlauf erlebt haben, seien unter 50 Jahre alt. „Auch viele junge Menschen werden schwer krank“, mahnte der CHL-Arzt. 


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Derweil habe sich das exponentielle Wachstum der Fallzahlen in der vergangenen Woche wieder auf einem relativ hohen Niveau von rund 100 Fällen pro Tag eingependelt, so Prof. Nehrbass. Es sei ein erstes Abflachen zu erkennen. Trotzdem könnten auch in diesem Szenario die Intensivstationen Anfang September überlastet sein, sofern ein unterbrechen der Infektionsketten nicht gelingt, erklärte Dr. Skupin. Könne die zweite Welle nicht eingedämmt werden, geht er von rund 2.000 Covid-Toten in Luxemburg aus.  

Alle Haushalte in betroffenen Gemeinden zum Test aufgerufen

Geografisch sei vor allem der Süden betroffen, erklärten die vier geladenen Gäste. „Im Süden des Landes gibt es viele Infektionsherde.- In diesem Gebiet wird nun also mehr getestet“, so Prof. Nehrbass vom Luxembourg Institute of Health. Ab kommendem Montag werde jeder Haushalt in den neun am meisten betroffenen Gemeinden - insgesamt rund 42.000 - zu einem freiwilligen Test aufgerufen, um die Infektionsketten zu unterbrechen. Alexander Skupin fügte hinzu, dieser lokale Hotspot habe die zweite Infektionswelle bereits früher losgetreten, als ursprünglich erwartet. Zunächst hatte man mit einer zweiten Welle erst im Herbst gerechnet.


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Das konsequente Testen von Haushalten in besonders betroffenen Gebieten sowie von Berufssparten, in denen die Prävalenzrate höher liegt - zum Beispiel in der Gastronomie, oder im Bau- und Gesundheitswesen - trägt dazu bei, die Infektionsketten frühzeitig zu erkennen und zu durchbrechen. In dem Punkt waren sich alle einig. Doch Arendt geht dies nicht weit genug - auch junge Leute mit vielen sozialen Kontakten müssten seiner Meinung nach gezielt getestet werden. 

Weitere Einschränkungen nötig?

Bei der Frage nach weiteren Einschränkungen waren sich die Mediziner uneinig. Während Nehrbass, Wilmes und Skupin vor allem eine verstärkte Sensibilisierung der Bevölkerung forderten, sprach sich Arendt klar für weitere Einschränkungen aus. „Belgien hat nun auch eine Maskenpflicht in Einkaufsstraßen verpflichtend gemacht, da werden wir auch nicht dran vorbeikommen“, so der CHL-Arzt. 


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Das Virus verbreite sich über die Atemwege - das Tragen von Masken sei also der effektivste Weg, neue Infektionen zu verhindern. “Wir müssen den politischen Mut haben, die Maskenpflicht auszuweiten - sogar auf Cafés und Restaurants." Arendt empfiehlt, die Maske bloß zum Essen abzulegen, Getränke könne man auch mit Strohhalmen unter der Maske zu sich nehmen.

Belgien hat nun auch eine Maskenpflicht in Einkaufsstraßen verpflichtend gemacht, da werden wir auch nicht dran vorbeikommen.

Dr. Vic Arendt, CHL-Arzt

Als weitere Maßnahmen wurde eine Tracing-App und obligatorische Tests an Flughäfen besprochen. Wilmes erklärte zur Corona-App, diese würde komplementär zum manuellen Kontaktracing Sinn ergeben - vor allem, weil Daten aus dem Ausland belegen, dass die App-Nutzung bei steigenden Infektionszahlen ebenfalls steigt.

Prof. Paul Wilmes befürwortet die Corona-App und Tests am Flughafen.
Prof. Paul Wilmes befürwortet die Corona-App und Tests am Flughafen.
Foto: Lex Kleren

Wilmes erklärte auch, dass die rund 2.400 Tests, die bisher am Flughafen Findel durchgeführt wurden, eine relativ hohe Infektionsrate von rund einem Prozent ergeben hätten. Viele der Einreisenden seien trotz Infektion asymptomatisch gewesen. Es sei demnach absolut sinnvoll, dort obligatorisch zu testen - es sei lediglich eine politische Frage. Im Februar und März habe sich die Dynamik vor allem durch Importfälle in Luxemburg so stark beschleunigt, erklärte Wilmes. Dies könne man durch vermehrtes Testen bei Einreisen vermeiden.

Einen Hoffnungsschimmer bot am Ende die Einschätzung von Nehrbass zu den Fortschritten in der Suche nach einem Impfstoff. Er rechnet mit den ersten Impfstoffen im Frühjahr 2021. „In sechs Monaten könnte es also ein Licht am Ende des Tunnels geben“, so der CEO des Luxembourg Institute of Health.  

Dr. Ulf Nehrbass vom Luxembourg Institute of Health.
Dr. Ulf Nehrbass vom Luxembourg Institute of Health.
Foto: Lex Kleren


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