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CHEM: Kantine wird zur Corona-Station
Lokales 11 3 Min. 06.04.2020

CHEM: Kantine wird zur Corona-Station

Wer die Kantine des Escher CHEM kennt, erkennt sie nicht mehr wieder.

CHEM: Kantine wird zur Corona-Station

Wer die Kantine des Escher CHEM kennt, erkennt sie nicht mehr wieder.
Foto: Guy Wolff
Lokales 11 3 Min. 06.04.2020

CHEM: Kantine wird zur Corona-Station

Diana HOFFMANN
Diana HOFFMANN
Das Escher Centre hospitalier Emile Mayrisch erweitert seine Bettenkapazität. 128 Infizierte können nun aufgenommen werden.

Sauerstoffleitungen an der Decke. Betten stehen links und rechts. Für die Privatsphäre der Patienten werden in Zukunft lediglich kleine Vorhänge sorgen. In der Mitte des 600 Quadratmeter großen Raumes steht eine Art kleine Kontrollzentrale. Auf den ersten Blick deutet nichts darauf hin, doch es handelt sich um die Kantine des Escher Centre hospitalier Emile Mayrisch (CHEM). Aber eben zu Corona-Zeiten.

„28 zusätzliche Betten wurden aus den anderen CHEM-Standorten hierher gebracht und das notwendige Material wurde installiert“, erklärt der Escher Bürgermeister Georges Mischo (CSV), der Mitglied der Krisenzelle des CHEM ist. In zwei Planungstagen und fünf Tagen der Umsetzung wurde aus der ehemaligen Kantine eine Station für Covid-19-Patienten, die seit Freitag einsatzbereit ist. Somit verfügt das CHEM über 128 Betten für Infizierte, von denen am Montag 57 belegt waren.

Eine weitere Intensivstation wird hergerichtet

„Die zusätzlichen Kapazitäten, die hier geschaffen wurden, brauchen wir zurzeit noch nicht. Die Quarantänemaßnahmen der Regierung scheinen bislang gut funktioniert zu haben“, betont Dr. Serge Meyer, Leiter der Krisenzelle. „Wir wollen jedoch vorbereitet sein.“ Für die Erweiterung der Bettenzahl wurden in der Kantine Stromleitungen sowie Leitungen für Druckluft und Sauerstoff verlegt. 

„In diesem Raum werden die Covid-19-Erkrankten untergebracht, die Sauerstoff benötigen“, präzisiert Serge Meyer. Da das Virus die Lungen schädigt, können die Infizierten nicht genug Sauerstoff aufnehmen. Im Extremfall muss der Patient künstlich beatmet werden. Das ist momentan bei 14 Personen im CHEM der Fall. Bei fünf davon handelt es sich um Patienten aus der französischen Region Grand Est, die in Luxemburg aus einem Akt der Solidarität aufgenommen wurden. 


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Im Normalfall werden im CHEM zwei Intensivstationen betrieben. Momentan sind es jedoch drei. Dort, wo gewöhnlich die Tagesoperationen durchgeführt werden, wird nun eine vierte hergerichtet. Somit entsteht an der Stelle Platz für 18 Betten. Falls die Zahlen von Covid-19-Patienten weiter steigen, wäre es aber auch vorstellbar, dass Infizierte im CHEM in Niederkorn untergebracht werden. „Momentan ist die Zahl der Patienten relativ konstant“, erklärt Serge Meyer. Jedoch ist nicht auszuschließen, dass sich das noch ändern wird.

Die Krisenzelle des CHEM (v. l. n. r.): Serge Haag, Nico Rinaldis, Georges Mischo, Dr. Serge Meyer, Daniel Cardao, Dr. Bob Muller, Dr. Touraj Rastegar (nicht abgebildet).
Die Krisenzelle des CHEM (v. l. n. r.): Serge Haag, Nico Rinaldis, Georges Mischo, Dr. Serge Meyer, Daniel Cardao, Dr. Bob Muller, Dr. Touraj Rastegar (nicht abgebildet).
Guy Wolff

Erklärbar ist dies durch den Verlauf der Erkrankung und den langen Heilungsprozess. Nach der Ansteckung dauert es fünf bis zehn Tage, bevor Symptome auftauchen. „Bei schönem Wetter fühlen sich die Menschen meist besser und kommen möglicherweise später ins Krankenhaus“, unterstreicht Serge Meyer. Im Schnitt bleiben die Patienten, die auf Sauerstoff angewiesen sind, elf Tage. Diejenigen, die auf der Intensivstation künstlich beatmet werden mussten, sind im Schnitt einen Monat hospitalisiert. Somit haben nicht unbedingt bereits alle Menschen, die zu Beginn der Quarantänebestimmungen in ein Krankenhaus eingeliefert wurden, dieses auch wieder verlassen.

Bei den Menschen, die jetzt eingeliefert werden, ist aber davon auszugehen, dass sie sich angesteckt haben, nachdem die Quarantänemaßnahmen in Kraft getreten sind. Sei es, weil sie zum Beispiel weiterhin arbeiten mussten oder sie sich beim Einkaufen oder der Nutzung des öffentlichen Transportes infiziert haben. „Da am Wochenende schönes Wetter war, waren viele Menschen draußen. Bei manchen ist zu befürchten, dass sie nicht in einem Haushalt zusammenleben. So ist es möglich, dass die Zahl der Infizierten in etwa zehn Tagen wieder schubartig steigen könnte“, warnt Serge Meyer.

Pläne von damals helfen heute

Dass das CHEM bislang so gut aufgestellt ist, ist besonders auch der Sars-Pandemie (Schweres akutes Atemwegssyndrom) geschuldet. Dieses Virus hatte Anfang des 21. Jahrhunderts auch in Europa Tote gefordert. Im Krankenhaus waren damals Notfallpläne entwickelt worden und vor der Kantine des Krankenhauses wurde ein großer Sauerstofftank installiert. 2003 kam es aber anders als befürchtet. Die Pandemie breitete sich weniger stark aus als erwartet. 


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Von den Plänen und dem Sauerstofftank profitiert die Krisenzelle heute umso mehr. Die Aufteilung des Krankenhauses in einen Bereich für Infizierte und einen für nicht Infizierte war damals bereits geplant worden. Der Umbau der Kantine in eine Station war jedoch vor mehr als 15 Jahren nicht in den Plänen enthalten. „Doch eigentlich hoffen wir, dass wir diese Zusatzkapazitäten gar nicht erst brauchen werden“, merkt Serge Meyer an.

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