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Centre socio-éducatif de l'Etat: Boewinger: „Sicherheitstrakt ist schon zu klein“
Für Fernand Boewinger ist der Kontakt der Jugendlichen mit ihren Eltern und der Familie sehr wichtig.

Centre socio-éducatif de l'Etat: Boewinger: „Sicherheitstrakt ist schon zu klein“

Foto: Chris Karaba
Für Fernand Boewinger ist der Kontakt der Jugendlichen mit ihren Eltern und der Familie sehr wichtig.
Lokales 2 Min. 28.04.2015

Centre socio-éducatif de l'Etat: Boewinger: „Sicherheitstrakt ist schon zu klein“

In Luxemburg gibt es zwei Erziehungsanstalten für Jugendliche: In Dreiborn stehen 47 Betten für Jungen zur Verfügung, in Schrassig nochmals 36 Betten für Mädchen. Künftig kommen zwölf Betten in der neuen "Unité de sécurité" in Dreiborn hinzu.

(asc) - In Luxemburg gibt es zwei Erziehungsanstalten für Jugendliche: In Dreiborn stehen 47 Betten für Jungen zur Verfügung, in Schrassig nochmals 36 Betten für Mädchen.

Doch welche Jugendliche werden eigentlich auf Anordnung eines Richters in diesen Einrichtungen untergebracht? „Nun, grundsätzlich kann man sagen, dass es sich dabei um Jugendliche handelt, die eine Gefahr für sich selbst oder die Gesellschaft darstellen und die durch ihr auffälliges Verhalten auf sich aufmerksam gemacht haben. Dies können Kinder und Jugendliche sein, die beispielsweise mehrmals zu Hause ausgebüxt sind, regelmäßig die Schule schwänzen, Vandalismusdelikte begangen, Menschen angegriffen haben oder Rauschgiftmittel verkauft haben. Bei uns werden ihnen Grenzen aufgezeigt“, sagt Fernand Boewinger, der Direktor des „Centre socio-éducatif de l'Etat“ in Dreiborn.

Jugendliche sind im Schnitt 16 Jahre und zwei Monate alt

Im Schnitt sind die Jugendlichen in der Anstalt 16 Jahre und zwei Monate alt. Theoretisch können Kinder und Jugendliche im Alter zwischen Null und 18 Jahren in Dreiborn unterkommen. Sie leben dort in zwei Gruppen (Null bis 16 Jahre und 16 bis 18 Jahre) zusammen. Laut dem Gesetz vom 16. Juni 2004 über die Reorganisierung der Erziehungsanstalten müssen diese Jugendlichen dort bis zu ihrer Volljährigkeit betreut werden. In der Erziehungsanstalt leben die Jugendlichen in einem geschützten und angenehmen Umfeld, sie lernen dort wie man sich ausdrückt, wie man arbeitet, teilt und seinen Platz in einer Gemeinschaft findet. „Die Erzieher helfen dem Jugendlichen seinen eigenen Weg zu finden. Um dies zu ermöglichen, arbeiten sie zusammen mit jedem Jugendlichen, der in Dreiborn untergebracht wird, ein eigenes Projekt aus, in denen die Ziele, welche der Heranwachsende mittel- und langfristig erreichen will/soll aufgeführt sind“, erklärt Joelle Ludewig, die Verantwortliche des „Service psycho-sociale“. Bei der Erarbeitung dieses Projektes werden u. a. die Kindheit, der schulische Hintergrund, das familiäre Umfeld und die Gesundheit des Jugendlichen berücksichtigt. Das Projekt stellt den Leitfaden dar, an der die Entwicklung des Jugendlichen während seines Aufenthaltes in der Erziehungsanstalt gemessen wird.

„Der Kontakt zu den Eltern und der Familie ist sehr wichtig. Ein Jugendlicher, der bei uns in Obhut gegeben wird, soll den Kontakt zu seinen Angehörigen pflegen – soweit dies möglich ist – und in seinem sozialen Umfeld verwurzelt bleiben. Wir unterstützen Jugendliche, die bevor sie zu uns kamen Fußball in einem Verein gespielt haben, diese sportliche Aktivität weiterzuführen. Soweit möglich besuchen die Jugendlichen auch weiter ihre alte Schule. Sie werden täglich mit einem Bus dorthin gebracht und wieder abgeholt“, erklärt Boewinger. Im Hinblick auf eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft spiele der familiäre Zusammenhalt und die Ausbildung des Jugendlichen eine wichtige Rolle, so der Direktor.

Eigene Schule auf dem Gelände

Jugendliche, die öfters von Schulen verwiesen wurden, werden in der anstaltsinternen Schule unterrichtet. In Dreiborn werden alle Klassen des unteren Zyklus des technischen Unterrichts (7e préparatoire bis 9e technique) sowie Workshops für Jugendliche, die nicht mehr schulpflichtig sind, angeboten. Auch ihre Lehre können Jugendliche in einem Betrieb fortführen. „Wir helfen ihnen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz, einem Job und den Behördengängen beim Arbeitsamt“, so Boewinger.

In der „Unité de sécurité“, die der Erziehungsanstalt unterstellt ist, gibt es weitere zwölf Betten. „Obwohl die Einheit noch nicht in Betrieb ist, bin ich jetzt schon der Meinung, dass die Zahl der Betten in dem Sicherheitstrakt nicht ausreichen wird“, stellt Boewinger abschließend fest.


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