Wählen Sie Ihre Nachrichten​

„Centre régional de recherche archéologique“ in Dalheim: Die Theke ist wieder geöffnet
 Das Gebäude des neuen Forschungszentrums wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtet.

„Centre régional de recherche archéologique“ in Dalheim: Die Theke ist wieder geöffnet

Foto: Chris Karaba
Das Gebäude des neuen Forschungszentrums wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtet.
Lokales 2 Min. 27.05.2016

„Centre régional de recherche archéologique“ in Dalheim: Die Theke ist wieder geöffnet

Nadine SCHARTZ
Nadine SCHARTZ
Es soll eine Anlaufstelle für Einheimische, Touristen und Archäologen werden: Das Haus Simon-Calteux in Dalheim birgt zahlreiche Schätze aus der Römerzeit.

(nas) - Das Haus Simon-Calteux im Herzen der Ortschaft: Hier trafen sich einst die Dalheimer Bürger an der Theke des Cafés, Neuigkeiten wurden in der „épicerie“ ausgetauscht und Gäste im Hotel logiert. Hier wurden Geschichten erzählt und Geschichte gelebt. Aber nicht nur in diesen Gemäuern. Denn bereits lange vor dem Bau des gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Hauses, hinterließen die Römer auf dem Territorium der Gemeinde Dalheim bedeutende Spuren.

Schätze aus alten 
Zeiten 

Erste Hinweise auf das gut erhaltene römische Mauerwerk gab es bereits bei Bauarbeiten in den Jahren 1962 und 1978. Es sollte allerdings bis zum Jahr 2003/2004 dauern, bis dort erste Räume aus römischer Zeit freigelegt wurden. Erst als die Gemeinde das Haus gekauft hatte, wurden die Nebengebäude abgerissen und die Ausgrabungen zwischen Juli 2008 und Dezember 2009 durchgeführt. Dabei kamen gleich mehrere Bauphasen zum Vorschein.

So befanden sich unter moderneren und mittelalterlichen Gebäudestrukturen acht Räume einer römischen Therme, ein Säulengang, der den Außenbereich der Anlage umgab sowie eine angrenzende Bebauung. Im südlichen Teil des Areals befindet sich mit der „palaestra“ der Außenbereich der Thermen, der für Sport und Spiel genutzt wurde. In Richtung J.-P.-Hentzen-Strooss wurden neun Pfeilerelemente eines überdachten Säulengangs entdeckt. An der Kreuzung Kettengaass/Hossegaass befanden sich das „frigidarium“ – ein Kaltbad mit Badebecken – und eine kleine Fläche mit einer Fußbodenheizung, welches das „tepidarium“ (Laubad) sein könnte.

In einem zusätzlichen Raum, der bis unter die Hossegaass führt, wurde eine Inschrift aus dem dritten Jahrhundert, die „Ricciacum“ als Name der römischen Siedlung in Dalheim bestätigt, entdeckt. Doch damit nicht genug: Auch zahlreiche Gegenstände befanden sich auf dem Gelände, darunter Spielsteine und ein Würfel, Haarnadeln, Ringe in Gold und Silber, Perlen, unterschiedliche Fibeln sowie insgesamt 1 700 Münzen – was eine ziemlich genaue Datierung der Bau- und Nutzungsphasen ermöglichte.

Im Anschluss an die Ausgrabungen stand die Renovierung des Hauses Simon-Calteux auf dem Programm. Nach den Plänen des Architektenbüros „steinmetzdemeyer“ wurde während drei Jahren an dem landesweiten ersten „Centre régional de recherche archéologique“ gearbeitet. Nach einigen verschobenen Fristen konnte man sich gestern bei der Einweihungsfeier des neuen Zentrums erstmals offiziell ein Bild von der neuen Stätte machen. 

Zahlreiche Ehrengäste wohnten der Einweihungsfeier am Freitagnachmittag bei.
Zahlreiche Ehrengäste wohnten der Einweihungsfeier am Freitagnachmittag bei.
Foto: Chris Karaba

Treffpunkt für Einheimische, Touristen und Archäologen

Im Erdgeschoss befinden sich die öffentliche „Taverne Ricciacus“ mit Küche und Sanitäranlagen sowie eine Außenterrasse. Im Außenbereich, in dem ein Großteil der Ausgrabungen stattfanden, wurden eine Terrasse und Stege über dem Garten angelegt. Der obere Bereich steht den Archäologen zur Verfügung. Während auf der ersten Etage ein Büro, ein Versammlungsraum und eine Bibliothek eingerichtet wurden, befinden sich im zweiten Stock eine Küchenzeile, ein Wohnzimmer sowie vier Schlafzimmer, die während Recherchen von Archäologen, Lehrern oder Studenten genutzt werden können. In puncto Forschung erwartet man sich mit dem neuen Zentrum einen Fortschritt der Recherchen rund um das gallo-römische Ballungsgebiet in Dalheim. Läuft alles nach Plan, soll das Haus zum Dreh- und Angelpunkt für Einheimische, Touristen und Archäologen werden.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Zwischen Fluss und Weinberg
Dörfer wie etwa Wellenstein oder Bech-Kleinmacher haben ihren besonderen Charme. Dazu tragen nicht nur die typischen engen Gassen, sondern auch die Winzerhäuser mit ihrer individuellen Architektur bei.
Die engen Gassen wie hier in Wellenstein tragen zum Charme von Winzerdörfern bei.
Hausbesuch: Für den Dialog gebaut
Meist haben die Mauern eines Gebäudes erst dann viel zu erzählen, wenn sie in die Jahre gekommen sind und sich in ihrem Inneren so manches abgespielt hat. Anders soll es sich mit dem erst kürzlich erschaffenen Haus von Carine und Kwaku Oberweis Boakye-Adjei verhalten.