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Causa Enrico Lunghi: Diziplinarverfahren gegen Mudam-Direktor
Bei dem fraglichen Interview verlor der Mudam-Chef völlig die Fassung.

Causa Enrico Lunghi: Diziplinarverfahren gegen Mudam-Direktor

Screenshot: RTL
Bei dem fraglichen Interview verlor der Mudam-Chef völlig die Fassung.
Lokales 1 2 Min. 04.10.2016

Causa Enrico Lunghi: Diziplinarverfahren gegen Mudam-Direktor

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Kulturminister Xavier Bettel bezeichnete am Dienstag den Ausraster des Mudam-Direktors als unannehmbar. Gegen Enrico Lunghi wird nun ein Disziplinarverfahren in die Wege geleitet.

(TJ/ml) - Die Causa Lunghi wird ein Nachspiel haben. Kulturminister Xavier Bettel bezog am Dienstagmittag im Staatsministerium Stellung zu dem Ausraster des Mudam-Direktors Enrico Lunghi während eines RTL-Interviews. Bettel zeigte sich schockiert über den Auftritt Lunghis und bekannte sich als Kommunikationsminister zur Pressefreiheit. Der Vorfall sei nicht hinnehmbar, so Bettel, der gegen Enrico Lunghi ein Disziplinarverfahren angeordnet hat.

Arbeitgeber von Herrn Lunghi sei die Stiftung Musée d'art moderne Grand-Duc Jean, betonte der Kulturminister. Der Verwaltungsrat des Mudam wird nun wohl darüber entscheiden, ob Lunghi seine Stelle behält oder Sanktionen eintreten. Bereits diese Woche wird der Mudam-Direktor dem Verwaltungsrat Rede und Antwort stehen.

Zurzeit ist Enrico Lunghi kein Staatsbeamter. Beim Museum für zeitgenössische Kunst verrichtet er seine Arbeit unter dem Statut des "congé sans traitement". Angesichts seines indirekten Verhältnisses zum Staat müsse Lunghi jedoch verschiedene Verpflichtungen erfüllen, so Bettel. Deshalb werde nun ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Was ist geschehen?

Der Vorfall geht auf den 13. September zurück. Lunghi verlor während eines Interviews die Fassung. Der Mudam-Direktor fasste die RTL-Journalistin Sophie Schram am Arm und bedrohte sie verbal

Lunghi lieft zunächst mit den Worten "dat as dach eng Sauerei" weg, kehrte plötzlich um und bedrohte die "Nol op de Kapp"-Journalistin mit den Worten "Wann s de dat do bréngs, da schwätzen ech kee Wuert méi mat dir". Dabei versuchte er, ihr das Mikrofon zu entreißen. Der Kameramann hielt die ganze Szene im Bild fest.

RTL zufolge sei die Journalistin "zehn Tage nach dem Vorfall in die Notaufnahme gegangen". Die Reporterin sei anschließend zwei Tage lang krank geschrieben gewesen. Sie erstattete Anzeige wegen Körperverletzung.

Journalistenverband ist empört

Manches deutet darauf hin, dass die Angelegenheit nicht ad acta gelegt wird. Ob Enrico Lunghi sich auf Sanktionen gefasst machen muss, bleibt abzuwarten. Der Verwaltungsrat des Mudam-Museums wird sich wohl mit den Geschehnissen auseinandersetzen. Erbgroßherzogin Stéphanie, die an der Spitze des Mudam-Verwaltungsrats steht, war bis jetzt noch nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der Journalistenverband ALJ zeigt sich empört über das Verhalten des Mudam-Direktors. "Die Szene ist erschreckend", sagte ALJ-Präsident Roger Infalt gegenüber Radio 100,7. Die ALJ erklärt sich bereit, die RTL-Journalistin zu unterstützen, falls es zum Prozess kommt. Der Umgang mit der Presse lasse manchmal zu wünschen übrig, so Infalt. Dieses Mal sei das ganze Geschehen jedoch von einer Kamera aufgezeichnet worden.

Enrico Lunghi war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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Das Disziplinarverfahren gegen Enrico Lunghi wird nicht eingestellt.