Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Caritas Luxemburg: Wir brauchen mehr sozialen Wohnraum
Lokales 10.10.2017 Aus unserem online-Archiv

Caritas Luxemburg: Wir brauchen mehr sozialen Wohnraum

Da sie keine Wohnung besitzen, tragen viele Obdachlose ihr ganzes "Zuhause" mit sich.

Caritas Luxemburg: Wir brauchen mehr sozialen Wohnraum

Da sie keine Wohnung besitzen, tragen viele Obdachlose ihr ganzes "Zuhause" mit sich.
Foto:Guy Jallay
Lokales 10.10.2017 Aus unserem online-Archiv

Caritas Luxemburg: Wir brauchen mehr sozialen Wohnraum

Rosa CLEMENTE
Rosa CLEMENTE
In Luxemburg leben Hunderte auf der Straße. Tausende wohnen unter prekären Verhältnissen. Ein Risikofaktor also, der die Tendenz zur Obdachlosigkeit steigen lässt. Caritas fordert mehr sozialen Wohnraum um das Leben "unter freiem Himmel" vorzeitig verhindern zu können.

Am „World Homeless Day“ soll weltweit auf die Situation der Wohnungslosen, die am Rande der Gesellschaft leben, aufmerksam gemacht werden.

In Luxemburg gibt es keine zuverlässigen Statistiken zur genauen Zahl von Obdachlosen“, erklärt Charel Schmit, Präsident von „Caritas Accueil et Soldiarité“. Schätzungen gehen von rund 250 Menschen aus, die auf der Straße leben.

Addiert man die Wohnungslose hinzu, die in sozialen Strukturen wie Notschlafstellen, Wohnheimen und betreuten Wohnformen unterkommen, sind es im Großherzogtum immerhin schon 2 763 Menschen, rechnet die Caritas vor.

Appell an die Neugewählten

Den Statistiken von 2015 über die Armutsgrenze in Luxemburg folgend, schätzt Caritas, dass in Luxemburg rund 30 000 Sozialwohnungen für Menschen, die unter prekären Lebensbedingungen wohnen, fehlen. Die derzeit rund 5000 Wohnungen seien bei Weitem nicht genug, so Charles Schmit.

Angesichts dieser Situation ruft Caritas kurz nach den Wahlen die neugewählten Kommunalverantwortlichen dazu auf, verstärkt zum Ausbau von sozialem Wohnraum in den Gemeinden beizutragen. Zudem sollen sich die Kommunen mit Caritas zusammensetzen und an gemeinsamen Projekten, wie zum Beispiel das generationsüberschreitende Wohnprojekt in Beggen, arbeiten. Die Organisation stellt außerdem qualifizierte Sozialarbeiter zur Verfügung, um in solchen Wohnstrukturen mitzuwirken.

Ein weiterer Verbesserungspunkt sei bei den Mietkommissionen möglich, die kommunal oder interkommunal eingerichtet sind. Charles Schmit fordert, dass diese reformiert werden, um in Zukunft alle Wohnformen abzudecken, wie zum Beispiel die Wohngemeinschaften, die Studentenwohnungen oder die sogenannten Kaffeezimmer. Zudem sollen Wohnungskommissionen eingerichtet werden, in denen die Bürger Lösungen mitgestalten können.

Vorurteile bekämpfen

„Den Obdachlosen wird doch genug geholfen“, zitiert Charles Schmit eines von vielen Vorurteilen. Unterstützt von Andreas Vogt, Direktor von „Caritas Accueil et Solidarité“, stellt Charles Schmit jedoch klar, dass nicht jeder, der auf der Straße oder unter prekären Verhältnissen lebt, Obdachlosenhilfe bekommt.

Zudem haben viele keine Sozialrechte und werden somit unter anderem vom Gesundheitssystems ausgeschlossen. Das die Wohnungslosen nicht arbeiten oder arbeiten wollen, sei auch nicht die Regel, fügt Andreas Vogt hinzu.

„Es wird Zeit, die Menschen aufzuklären, dass die Wohnungslosen denen sie auf der Straße begegnen nur die Spitze des Eisberges sind. Unsere Gesellschaft durchlebt gerade eine Wohnproblematik, die zu noch größeren sozialen Ungleichheiten führen kann“, betont Charles Schmit.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Armut in Luxemburg: Auf Messers Schneide
Jeder Fünfte in Luxemburg lebt in Angst, mit seinem Einkommen nicht über die Runden zu kommen. Die Politik ist sich nicht genügend bewusst, was das für die Menschen bedeutet.
Obdachlose finden während den Wintermonaten in den Foyers der Wanteraktioun eine Unterkunft und eine warme Mahlzeit.
(K)ein Dach über dem Kopf
In Deutschland protestieren die Menschen gegen zu hohe Mieten und für mehr bezahlbaren Wohnraum. In Luxemburg finden zwar keine Proteste statt, doch auch hier setzt die Wohnungsnot die Regierung zunehmend unter Druck.
Der Fonds du logement baut in den kommenden fünf Jahren 300 Mietwohnungen.
Struktur Nuetswaach L’Espoir: Ein Bett für die Nacht
Der Sommer neigt sich dem Ende zu, die Nächte werden kälter. Wer auf der Straße lebt, ist dankbar für ein Dach über dem Kopf – wenn auch nur für ein paar Stunden. Die Nachtwache der Caritas bietet in solchen Fällen Hilfestellung.
Die Struktur der Caritas für Obdachlose befindet sich im Bahnhofsviertel.
Wohnungsmarkt: Zu teuer, zu wenig sozial
Auf dem Wohnungsmarkt muss noch vieles geschehen. Obschon die Regierung ein paar neue Maßnahmen einbrachte, bleibt das Angebot hinter der Nachfrage. Es fehlen 30.000 Sozialwohnungen, bedauert Caritas.
Die Wohnungsbaupolitik bleibt ein schwieriges Feld. Im Handumdrehen lassen sich keine neuen Wohnungen schaffen, und dann wäre noch die Preisspirale.