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"Cannabis ist kein Businessmodell"
Lokales 4 Min. 30.04.2014

"Cannabis ist kein Businessmodell"

Wirtschaftsminister Etienne Schneider: "Wir brauchen mehr qualifizierte Arbeitskräfte"

"Cannabis ist kein Businessmodell"

Wirtschaftsminister Etienne Schneider: "Wir brauchen mehr qualifizierte Arbeitskräfte"
Foto:Guy Jallay
Lokales 4 Min. 30.04.2014

"Cannabis ist kein Businessmodell"

Welche Perspektiven bietet die luxemburgische Wirtschaft für die Jugend? Minister Etienne Schneider erklärt Schülern aus der Großregion seine Wirtschaftspolitik - und warum er mit weiteren Demonstrationen rechnet und warum Cannabis kein Geschäftsmodell sei.

(ml) - Wenn Politiker über die Perspektiven der Luxemburger Wirtschaft reden, dann bleiben Jugendliche meistens außen vor. Anders bei der Diskussionsrunde, zu der die Vereinigung "Interlycées" den Wirtschaftsminister Etienne Schneider und den Direktor der Handelskammer, Carlo Thelen, eingeladen hatte. Der Vortrag am Mittwoch morgen im hauptstädtischem Forum Geesseknäppchen hörten rund 200 Schüler aus Luxemburg, Longwy und Arlon zu und hatten die Gelegenheit, Fragen zu stellen.

Mut haben für Start-Ups

Trotz Krise biete die luxemburgische Wirtschaft jungen Leuten viele Möglichkeiten, unterstrich Carlo Thelen von der Handelskammer. Die Betriebe machten 75 Prozent aller Arbeitsplätze aus. Man müsse verstärkt auf den Unternehmergeist setzen.

Junge Leute, die eine Geschäftsidee haben, sollten sich an die Chambre de Commerce wenden, die als Partner für Start-Up-Unternehmen Hilfe leiste. Dieser Weg sei am Anfang vielleicht etwas riskanter. Viele Luxemburger, die es im jungen Alter gewagt hätten, sich selbständig zu machen, würden heute jedoch neue Jobs schaffen, sagte Carlo Thelen.

An die zukünftigen Studenten ging der Rat, sich auf einer guten Universität einzuschreiben. „Im direkten Umkreis von Luxemburg gibt es 20 Universitäten, die zu denen besten in Europa zählen, so Thelen. Neben einer soliden Basisausbildung sei die Spezialisierung zunehmend wichtiger. Dabei sollte man stets flexibel bleiben. Die Schüler sollten die Medien regelmäßig verfolgen und kritisch hinterfragen, so Thelen.

Jobs mit Zukunft

Wirtschaftsminister Etienne Schneider sagte, setze man alles in Bewegung, damit die Wirtschaft vielfältiger wird. Vier Bereiche hätten Priorität: Umwelt- und Bio-Technologie, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Logistik.

Ziel sei es, junge Leute davon zu überzeugen, in diese Richtung zu gehen. „Wir brauchen Ingenieure, Mathematiker, Informatiker und spezialisierte Juristen“, betonte Schneider. In Zukunft will die Regierung die Schule enger mit der Wirtschaft verknüpfen. Es sei kein guter Plan, die Schüler sich selbst zu überlassen. Zu groß sei die Gefahr, dass sie bei den Studien die falsche Wahl träfen.

500 offene Arbeitsstellen bei Amazon

Minister Etienne Schneider fasste sich in seiner Rede bewusst kurz, um den Schülern die Gelegenheit zu geben, Fragen zu stellen. Ein Kernthema war die Lage auf dem Arbeitsmarkt und die Jugendarbeitslosigkeit von 20 Prozent. Immer wieder tauchte die Frage auf, wie die Regierung die Zahl der Erwerbslosen verringern wolle.

Luxemburg entwickele sich immer mehr zu einer „Hightech-Wirtschaft“, so Schneider. Dies mache unqualifizierten Menschen sehr zu schaffen. Es sei davon auszugehen, dass die strukturelle Arbeitslosigkeit in Zukunft bei fünf Prozent liege.

In den fünf Krisenjahren seien 40.000 Arbeitsplätze in Luxemburg geschaffen worden. Die meisten davon seien jedoch von Grenzgängern besetzt worden, da viele Menschen, die in Luxemburg wohnen, nicht über die nötige Ausbildung verfügen. Schneider führte ein Paradebeispiel an: Der Online-Händler Amazon möchte in Luxemburg zusätzlich 500 Personen einstellen. Allerdings hapere es hierzulande an den nötigen Fachkräften.

In den kommenden Jahren müsse man Wirtschaftszweige unterstützen, die Jobs für Personen ohne Fachausbildung schaffen, wie etwa der Logistik-Bereich. Personen, die bei der Adem gemeldet sind, sollte man finanziell unterstützen sich weiter auszubilden, damit sie fit für den Arbeitsmarkt werden. Das sei sinnvoller als monatelang Arbeitslosengeld zu bezahlen.

Das Ende des Bankgeheimnisses und seine Konsequenzen

Die Schüler befürchteten, dass das Ende des Bankgeheimnisses verheerende Folgen für den luxemburgischen Arbeitsmarkt haben wird. Bis zu 6.000 Arbeitnehmer könnten ihre Stelle verlieren, so ein Schüler mit Bezug auf eine entsprechende Studie.

Die Bedenken seien nicht ganz unbegründet, antwortete Minister Schneider. Vor allem im Bereich des Privatkundengeschäfts sei mit einer rückläufigen Tendenz zu rechnen. Viele „kleinen Kunden“ würden ihr Geld aus Luxemburg abziehen. Die Banken kämen demnach mit weniger Personal aus. „Da viele Bankangestellte Grenzgänger sind, werden sie nicht in unseren Arbeitslosen-Statistiken auftauchen“, so Schneider. Man sei darum bemüht, diese Menschen anderswo im Zuge der Nischenpolitik einzusetzen.

„Tram aufgeben statt Studienbeihilfen kürzen“

Die neue Regierung will den Gürtel enger schnallen. Studienbeihilfen sollen gekürzt werden. „Sind solche Maßnahmen das richtige Rezept um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen? Wäre es nicht sinnvoller, kostspielige Projekte wie die Tram zu kippen?“, wollte ein anderer Schüler wissen.

Minister Schneider warnte davor, die Themen zu vermischen. Die Tram sei notwendig. Wenn die Mobilität nicht mehr gewährleistet sei, werde Luxemburg weniger attraktiv sein. Studienbeihilfen zu kürzen sei eine unbeliebte, aber unumgängliche Maßnahme. Der Staat müsse in vielen Bereichen selektiver vorgehen. Im Sommer werde man neue Sparmaßnahmen ankündigen. Der Minister räumte zudem ein, dass er in den kommenden Monaten mit weiteren Demonstrationen rechne.

Heiterkeit beim Thema Cannabis

Für Heiterkeit und Applaus sorgte die Frage eines Schülers, der wissen wollte, ob Luxemburg nicht mit dem Gedanken spiele, mit der Legalisierung des Cannabis, ein neues Businessmodel zu schaffen, mit dem sich die Staatsfinanzen sanieren ließen.

Da musste auch der Minister lachen. Nein, so Schneider, dies sei keine Option. Luxemburg bewege sich in einem europäischem Umfeld. Mit einer solchen Maßnahme würde man in Europa anecken.

Die Schüler bewerteten die Diskussionsrunde positiv.