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Café mit Drogenausschank: Haft für Wirtin gefordert
Lokales 2 Min. 13.12.2019

Café mit Drogenausschank: Haft für Wirtin gefordert

Auch nach der Razzia im Oktober 2018 ging der Drogenhandel im und um das Café Nadia weiter. Viermal ist die Polizei in den vergangenen Monaten vor Ort eingeschritten.

Café mit Drogenausschank: Haft für Wirtin gefordert

Auch nach der Razzia im Oktober 2018 ging der Drogenhandel im und um das Café Nadia weiter. Viermal ist die Polizei in den vergangenen Monaten vor Ort eingeschritten.
Foto: Gerry Huberty/LW-Archiv
Lokales 2 Min. 13.12.2019

Café mit Drogenausschank: Haft für Wirtin gefordert

Fünf Jahre Haft, eine Geldbuße, eine Schließung der Gaststätte und ein lebenslanger Entzug der Schanklizenz hat die Staatsanwaltschaft zum Abschluss des Drogenprozesses um das Café Chez Nadia in Esch gefordert.

(str) - Es ist ein Prozess mit Signalkraft und klarer Botschaft: Wer sich mit Drogenhändlern einlässt, den kann das teuer zu stehen kommen. Im Gerichtsverfahren, das sich aus einer dreiwöchigen Observierung des Straßenhandels mit Kokain und Marihuana in der Avenue de la Gare in Esch/Alzette und einer Razzia im Oktober 2018 ergab, hat die Staatsanwaltschaft nun fünf Jahre Haft für eine Gaststättenbetreiberin gefordert.

Die Wirtin des Café Chez Nadia habe in ihrem Lokal und auf der Terrasse eine Plattform geschaffen, über die Drogendealer ihren Geschäften nachgehen konnten, betonte der Ankläger – eine Darstellung, der die Beschuldigte entgegenhielt, sie habe davon nichts mitbekommen und mit dem, was vor ihrem Café geschehe, nichts zu tun.


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Dem widersprach der Ankläger wiederum vehement. Es sei gar nicht möglich, dass Nadia K. nichts vom Drogenhandel in und um ihr Café wisse – im Gegenteil, sie sei Teil davon. Ihr Tun habe den Handel zwar vielleicht nicht erst ermöglicht, aber sicher dafür gesorgt, dass er ein solches Ausmaß annahm.

180.000 Euro Einnahmen von einer Handvoll Krunnemécken

Als sehr aufschlussreich entpuppte sich zudem ein Blick in die Buchhaltung des Lokals. Von den 700 Euro Gewinn aus der Bilanz könne die Wirtin wohl kaum leben, stellte auch der vorsitzende Richter fest.


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Die Unregelmäßigkeiten gehen aber weit darüber hinaus: Für den Verkauf von Softdrinks im Wert von 13.000 Euro sind etwa Einnahmen in Höhe von 162.000 Euro verzeichnet. Beim Alkohol stehen Ausgaben von 34.000 Euro nur 24.000 Euro an Einnahmen gegenüber. Darüber hinaus brachte die Wirtin im selben Jahr 40.000 Euro an Eigenmitteln ins Geschäft ein.

210 Softdrinks und 30 Bier pro Tag

Dabei zeigen die Observierungen, dass das Café üblicherweise nur von rund 20 Dealern, deren Kunden und einer Handvoll Krunnemécken besucht wird. Über den Daumen gepeilt, müssten diese dann wohl täglich 210 Softdrinks und 30 Bier trinken, meinte der vorsitzende Richter.

Letztendlich bleibt eine Feststellung: Auch wenn der direkte Beweis für eine Beteiligung von Nadia K. am Drogenhandel ausbleibt, fehlt es nicht an deutlichen Hinweisen.

Nach der Razzia war wie vor der Razzia

Erschwerend kommt hinzu, dass nach einer Großrazzia am 16. Oktober der Drogenhandel unverändert weiterging – mit einem Unterschied: Drogendealer und Kunden mussten fortan ein Getränk im Café Nadia zu sich nehmen.

Im Falle einer Verurteilung der Wirtin dürfte aber auch damit Schluss sein: Der Ankläger forderte neben der Haftstrafe und einer Geldstrafe auch die Schließung des Lokales und ein lebenslanges Verbot, Gaststätten zu betreiben.


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Für die 14 angeklagten Dealer, die teilweise aus Nancy und Metz zum Drogenverkauf nach Esch kamen, beantragte die Staatsanwaltschaft indes Haftstrafen zwischen 24 und 48 Monaten.

Der Ankläger hob zudem hervor, dass die Dealer im Gegensatz zur Wirtin allesamt aus prekären Verhältnissen stammten.

Das Urteil ergeht am 23. Januar.


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